In den vergangenen Tagen war das Thema der sexuellen Belästigung und schließlich auch sexuellen Übergriffe im Bereich Gaming, E-Sport und Social Media immer präsenter geworden. Hunderte Frauen offenbarten Ereignisse und Erlebnisse, die nicht nur in diesem Bereich, sondern in allen Gesellschaften und Arbeitsumfeldern zu verachten und anzuklagen sind.

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Am Donnerstag und vor allem am gestrigen Freitag erreichten die Skandale dann schließlich auch die berühmte E-Sport Top-Organisation Method rund um Gildenleiter und -gründer Scott ‚Sco‘ McMillan, die insbesondere für ihre meist internationalen Erfolge in World of Warcraft bekannt geworden ist. So offenbarte auf Twitter eine Nutzerin namens „Alex“ (@2Alexmae5), dass sie bereits mit 16 Jahren von ‚MethodJosh‘ belästigt und bedrängt wurde. Als Beleg fügte sie eine Imgur-Galerie an, in dem ein Chatverlauf zwischen den Beiden zu sehen ist.

 

Weitere Berichte folgten

Seinen Nachnamen macht Josh nicht publik, muss sich allerdings darüber hinaus weitere Vorwürfe gefallen lassen. Wie die Plattform „Kotaku“ in einem ausführlichen Beitrag zum Thema bereits 2019 berichtete, habe Josh immer wieder Frauen belästigt, teils bedrängt. Eine weiteres Opfer sei zum Zeitpunkt des Vorfalls 17 Jahre alt gewesen.

Ein weiterer sexueller Übergriff, den Twitch Streamerin ‚poopernoodle‘ in einem Twitlonger explizit beschreibt [Triggerwarnung!], wird ebenfalls mit dem Method Raidmitglied in Verbindung gebracht, obwohl sie keinen Namen nennt. Die Vorfälle passen jedoch mit einem Twitch-Ban zusammen, den ‚MethodJosh‘ im Juni vergangenen Jahres dulden musste und zu dem kein offizieller Grund veröffentlicht worden war.

Der Aufruhr eskaliert

Die internationale E-Sport-Organisation reagierte schnell und schloss Josh aufgrund der Last an Anschuldigungen kurze Zeit nach den Veröffentlichungen aus. Trotz allem war das Image der Firma zu sehr angekratzt. Es stehen Gerüchte im Raum, dass intern mehrere Personen von den Vorfällen gewusst und diese unter Umständen geduldet haben könnten.

Später am Abend kam ein Statement von Method – ebenfalls in einem Twitlonger – zu den Vorfällen hinzu. Dort heißt es, dass man sich in Bezug auf sein groteskes Fehlverhalten hin von ihm getrennt habe. Im direkten Statement des Method Managements auf den Kotaku Artikel aus dem Februar 2019 heißt es:

„All of us at Method take the welfare of minors seriously, including their safety on the internet. If you feel you have evidence that anybody, inside or outside of Method, has been behaving in a predatory or illegal manner we strongly encourage you to contact the police and make a report, so that a thorough – and proper – investigation can occur.“

Frei übersetzt: 

„Alle von uns bei Method nehmen das Wohlergehen von Minderjährigen sehr ernst, inklusive ihrer Sicherheit im Internet. Wenn jemand glaubt Beweise dafür zu haben, dass irgendjemand, in oder außerhalb von Method, sich illegal oder rücksichtslos verhalten habe, ermutigen wir diesen jemanden dazu die Polizei zu kontaktieren und eine Anzeige zu erstatten, sodass eine vollständige und vernünftige Untersuchung erfolgen kann.“

In Bezug auf die aktuellen Ereignisse und Meldungen auf Twitter verkündet Method, dass die zum Vorschein gekommenen Ereignisse und Joshs Verhalten alle Mitglieder der Organisation beunruhigt und verwirrt habe. Als Reaktion habe man sich sofort von ihm getrennt und bedauere zutiefst, dass man nicht früher reagiert habe. Die Anschuldigungen, dass die Vorkommnisse innerhalb der Organisation bereits bekannt gewesen sind, seien kategorisch falsch und unerträglich zu lesen. Man werde die internen Strategien überholen und so sicherstellen, dass so etwas nie wieder geschehe.

Für manche schon zu spät

Trotz der schnellen Reaktion von Method nahmen einige Partner, Mitglieder und Sponsoren von Method den Vorfall zum Anlass, sich von der Zusammenarbeit zu verabschieden. So befand sich Content Creator und Streamer ‚Esfand‘ (@EsfandTV) wohl seit einigen Monaten in Verhandlungen über einen neuen Vertrag mit Method, den er nun nicht mehr braucht. Er lehnt das Angebot nach eigener Aussage ab und wird die Kooperation mit Method nicht fortführen.

Auch der große Sponsor CORSAIR trennt sich nach eigenen Aussagen von Method. Das Sponsorship werde mit sofortiger Wirkung beendet, heißt es in einem Tweet über den offiziellen Kanal des Hardwareherstellers.

Des Weiteren kündigte sogar Shanna ‚Darrie‘ Roberts, ihres Zeichens ehemalige General Managerin von Method ihren Vertrag. Auf Twitter erklärt sie, dass sie manche der getroffenen Entscheidungen nicht mit tragen könne. Dies habe nicht nur mit Josh zu tun, sondern vor allem auch mit Sascha.

Mit Sascha meint die Managerin Co-CEO Sascha Steffens, der bereits am Donnerstag in den Status eines sogenannten „unpaid administrative leave“ versetzt worden war, während man auf die Ergebnisse einer Third-Party Untersuchung warte.

Roberts erklärt weiterhin, dass es wichtig ist die Rolle einzugestehen, die sie selbst in einigen dieser prekären Entscheidungen gespielt habe. So schreibt sie, dass sie nicht unschuldig ist. Alles was sie nun tun könne sei die Fehler zu akzeptieren, die sie gemacht habe, von ihnen zu lernen und sie niemals zu wiederholen.

Das Ende von Method?

Im Internet und insbesondere auf Social Media kursieren sehr schnell sehr viele Gerüchte. Einige davon drehen sich nach den Ereignissen bei Method und den Abgängen von Mitarbeitern, Partnern und sogar Sponsoren mittlerweile darum, ob sich die E-Sport Organisation von den Vorkommnissen überhaupt erholen könne.

Ist der Schaden im Ruf so immens, dass Method vielleicht sogar in Folge des noch immer im Raum stehenden internen Fehlverhaltens, welches sich die ehemalige General Managerin Shanna ‚Darrie‘ Roberts sogar teils öffentlich eingesteht, komplett die Tore schließen muss? Das bleibt abzuwarten.

Reicht das Statement der Organisation aus, um mit den Vorwürfen auszuräumen? Darüber lässt sich momentan nur spekulieren – und das ist mit Sicherheit nicht unsere Stärke. Wir beobachten die weiteren Ereignisse genau und halten euch selbstverständlich auf Gaming-Grounds.de auf dem Laufenden.

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Method-Doku: Die Geschichte der wohl besten WoW-Gilde der Welt

 

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