Nach den politisch motivierten Ausschreitungen in den USA am gestrigen Mittwochabend, bei denen Trump-Anhänger vor dem Kapitol in Washington teils äußerst aggressiv protestierten, randalierten und sich zwischenzeitlich sogar Zutritt zum Regierungsgebäude verschafften, haben auch Social Media Plattformen Konsequenzen gezogen.

Donald Trump hatte seine Anhänger zuvor dediziert (via Twitter) angewiesen, zum Kapitol zu marschieren und dort friedlich ihre Meinung kundzutun. Mit dem friedlich nahmen es viele aber nicht so genau. Insgesamt vier Menschen verloren ihr Leben. Eine Frau starb in Folge einer Schussverletzung, drei weitere starben durch medizinische Notfälle. Erst nach Aufforderung mehrerer ranghoher Politiker äußerte sich Trump erneut und wies seine Unterstützer erneut an friedlich zu bleiben.

Am Tag danach steht fest: Viele Akteure und Medien sehen die gewaltsamen Proteste als Angriff auf die demokratische Ordnung und teils sogar als Putschversuch. Daraus ziehen nun sowohl der amerikanische Regierungsapparat als auch weitere Plattformen ihre Konsequenz. Während Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses davon spricht möglichst zeitnah ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einzuleiten, reagieren die sozialen Medien ebenfalls.

Facebook, Instagram und Twitch reagieren

Bereits am Mittag berichteten wir, dass Twitch.tv auf fragwürdige Äußerungen des Gesichts hinter dem beliebten und nun verbannten „PogChamp“-Emote reagierte und das Symbol von der Streaming-Plattform entfernte. Wenige Stunden später äußerte sich Facebook-Chef Mark Zuckerburg in einem persönlichen Statement und erklärte, dass man den offiziellen Facebook- sowie Instagram-Account des noch Präsidenten bis zur Übergabe an Joe Biden am 20. Januar 2021 sperre.

Die Plattform glaube, dass „der aktuelle Kontext [im Vergleich zu vielen von Trumps Beiträgen über Facebook und Instagram zuvor] jetzt grundlegend anders sei, was die Nutzung der Plattform betreffe, um gewalttätige Aufstände gegen eine demokratisch gewählte Regierung anzustacheln“. Noch in der Nacht hatte Twitter bereits den Account Trumps temporär für zwölf Stunden gesperrt und drei Tweets vom gestrigen Mittwoch gelöscht.

Am heutigen Donnerstagabend zog nun auch das zu Amazon gehörende Twitch.tv nach und beschränkte den Zugriff von Donald Trump auf seinen Streaming-Account. Dieser ist zwar nicht permanent gesperrt, der noch amtierende Präsident könne aber momentan nicht live gehen, berichten Medien übereinstimmend.

Aus diesen Berichten von Plattformen wie beispielsweise „The Verge“ stammt auch die Aussage, die ein Twitch-Sprecher in diesem Kontext getroffen habe.

Er wird wie folgt zitiert:

„In light of yesterday’s shocking attack on the Capitol, we have disabled President Trump’s Twitch channel. Given the current extraordinary circumstances and the President’s incendiary rhetoric, we believe this is a necessary step to protect our community and prevent Twitch from being used to incite further violence.“

zu deutsch:

„Angesichts des schockierenden Angriffs von gestern auf das Kapitol haben wir den Twitch-Kanal von Präsident Trump deaktiviert. Angesichts der gegenwärtigen außergewöhnlichen Umstände und der Brandrhetorik des Präsidenten glauben wir, dass dies ein notwendiger Schritt ist, um unsere Gemeinschaft zu schützen und zu verhindern, dass Twitch dazu verwendet wird, weitere Gewalt anzuregen.“

Bereits im Juni 2020 war der Präsident temporär von Twitch.tv ausgeschlossen worden. Damals begründete die Plattform die Sperre mit „hateful conduct“ – also hasserfülltem Verhalten. Mehr Infos dazu findet ihr hier:

Der nächste Twitch-Bann: Donald Trump höchstpersönlich

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