Atari gilt als eine der einflussreichsten Firmen in der Welt der Computer- und Videospiele. Mit ihren Konsolen revolutionierte das japanische Unternehmen den Markt der Heimvideospielsysteme. Eine der erfolgreichsten Modelle war der Atari VCS. Dieser kam als Atari Video Computer System (kurz: Atari VCS) 1977 in die Läden und wurde 1982 zum Atari 2600 umbenannt. Mit dem neuen Atari VCS will der Konzern den Konsolen-Klassiker nun zurück in die Wohnzimmer bringen. Damit knüpft Atari außerdem wieder an alte Tradition an und steigt in die Welt der Hardware ein, ist der Konzern doch nach 2004 (Atari Flashback) ausschließlich als Software-Publisher aufgetreten.

Mit neuester Technik bietet der Atari VCS nicht nur eine Konsole für alte Retro-Spiele, das Gerät soll sich durch vielfältige Möglichkeiten in den heimischen Alltag integrieren lassen. Unter dem Motto „Game, Stream and Connect“ soll der neue Atari als Multimedia-Hub am Fernseher dienen. Verbaut sind ein AMD Raven Ridge 2 mit Ryzen Grafik, damit sollen sowohl alte als auch neue Games flüssig spielbar und Streaming in 4K mit 60 FPS möglich sein. Durch eine Internetanbindung können Games zusammen gespielt werden und man soll sich mit Freunden und Gleichgesinnten vernetzten können.

Haufenweise Spiele über Atari Vault

Wer vor allem auf die Retro-Games abfährt, der erhält über den Atari Vault Zugriff auf mehr als 100 Spieleklassiker. Dabei sind Originale, remasterte Versionen und völlig neue Games.

Sandbox Mode – Eigener Gaming PC

Neben Retro-Games und multimedialen Eigenschaften hat der Atari VCS noch ein Ass im Ärmel: Es handelt sich dabei um einen richtigen PC. Während eine eigene Linux-Version von Atari (ATARI WORLD) bereits vorinstalliert ist, kann der Atari VCS im Sanbox Modus ein fremdes Betriebssystem von einer externen Festplatte starten. Kompatibel ist das Gerät mit Linux, Windows, Steam OS und Chrome OS. Das ermöglicht zum Beispiel den Zugriff auf die eigene Steam-Library. Damit erfüllt Atari das selbst gesteckte Ziel, mit dem VCS eine „Customizable Experience“ zu schaffen, welches sich an die Bedürfnisse der User voll anpassen lässt – quasi eine modulare Konsole.

Der Atari wird in verschiedenen Versionen angeboten. Standard ist die All-In 800 Version (siehe unten) mit 8GB RAM, im Bundle gibt es Joystick und Controller dazu. In der Atari VCS 400 Version gibt es ein paar Abstriche bei der Hardware, zum Beispiel nur 4GB RAM. Der Arbeitsspeicher soll allerdings erweiterbar sein.

Atari VCS 800 Specs:

  • OS: Atari Custom Linux OS (Linux Kernel) vorinstalliert
  • OS kompatibel: Linux, Windows, Steam OS, Chrome OS
  • Prozessor: AMD Raven Ridge 2 APU
  • Grafik: AMD Ryzen
  • Arbeitsspeicher: 8GB DDR4 RAM (aufüstbar)
  • Speicher: 32GB eMMC internal, extern optional, Cloud-Service
  • Wifi / WLAN (Wi-Fi 802.11 b/g/n 2.4/5GHz)
  • Gigabit Ethernet
  • Bluetooth 4.0
  • USB 3.0 (2 vorne, 2 hinten)
  • HDMI 2.0
  • Geringer Stromverbrauch

Verschiedene Design

Das Design der Konsole ist an den klassischen Atari VCS angelehnt und wirkt einfach und stilvoll. Es wird drei verschiedene Designs geben: Black Walnut, Onyx, Kevlar Gold. Diese unterscheiden sich durch die Frontblende. Während Atari im eigenen Shop Walnuss und Onyx zu bieten hat, gibt es das spezielle Kevlar Gold Design nur beim Vertriebspartner Walmart. Gamestop hat ausschließlich das schwarze Onyx Modell.

Peripherie – Controller und Joystick

Zur Konsole gehören auch ein eigenes Gamepad und ein an das klassische Modell angehauchter Joystick. Beide Geräte verfügen übner einen wiederaufladbaren Akku, Bluetooth und können sowohl mit dem Atari VCS als auch andere Bluetooth kompatiblen Geräten verwendet werden. Der Joystick bietet im Vergleich zu seinem Vorbild eine Rumble-Funktion, LED Light Effekt und einen zweiten Feuerknopf.

Atari Modern Controller (59.99 Dollar)

Atari Classic Joystick (49.99 Dollar)

Der Atari VCS selber verträgt sich selber mit allen gängigen Controllern, Tastatur und Maus, diese können per USB oder Bluetooth verbunden werden. Das Gerät unterstützt auch die neuen Atari Speakerhats (Baseball-Mützen mit eingebauten Bluetooth-Lautsprechern).

Atari VCS vorbestellen

Gestartet ist die Entwicklung des Atari VCS (noch unter dem Namen Ataribox) als Crowfunding-Projekt auf der Plattform Indiegogo. Nachdem das Gerät erfolgreich finanziert werden konnte, startet nun die Produktion. Alle Unterstützer erhalten die auf 6000 Stück limitierte: Atari VCS Day One Collector’s Edition. Wie Atari auf der diesjährigen E3 angekündigt hat, ist der Atari VCS ab sofort in den USA vorbestellbar und kostet je nach Ausstattung zwischen 250 bis circa 390 Dollar. Die Auslieferung soll im März 2020 erfolgen (Indiegogo Backer erhalten die Konsole etwas früher im Dezember 2019). Bei Atari kaufen: https://atarivcs.com/ – Aktuell müssen sich Kunden aus Europa noch gedulden, vermutlich verhandelt man hier zurzeit noch mit potentiellen Geschäftspartnern, die den Vertrieb übernehmen.

Atari VCS Preis:

GameStop.com

GAMESTOP Modell Versand Preis
800 Onyx All In (Retail Exclusive) 8GB RAM (erweiterbar) Bundle March 2020 389.99 $
800 Onyx Base 8GB RAM (erweiterbar) March 2020 279.99 $
400 Onyx Base 4GB RAM (erweiterbar) March 2020 249.99 $
Classic Joystick Zubehör March 2020 49.99 $
Modern Controller Zubehör March 2020 59.99 $

Walmart.com

WALMART Modell Versand Preis
800 Kevlar Gold All In (Exclusive) 8GB RAM (erweiterbar) Bundle March 2020 389.99 $
800 Onyx Base 8GB RAM (erweiterbar) March 2020 279.99 $
400 Onyx Base 4GB RAM (erweiterbar) March 2020 249.99 $
Classic Joystick Zubehör March 2020 49.99 $
Modern Controller Zubehör March 2020 59.99 $

AtariVCS.com

ATARI Modell Versand Preis
800 Black Walnut All In (Exclusive) 8GB RAM (erweiterbar) Bundle March 2020 389.99 $
800 Onyx All In 8GB RAM (erweiterbar) Bundle March 2020 389.99 $

Eigene Games entwickeln?

Auf der Atari VCS Internetseite wird aktuell beworben, dass es auch möglich sein soll, eigene Games für das Gerät zu entwickeln. Wie genau das aussehen wird und ob es dafür eine Art Game-Baukasten gibt, bleibt noch abzuwarten. Dort steht bislang nur:

„Create: Develop new TV-based games and apps for yourself, your family, or to share with the Atari VCS community.“

Das würde allerdings noch eine weitere sehr spannende Funktion darstellen. Denkbar wäre eine Community zum Austausch eigener Games, nebst Schulungsprogrammen und Trainings. Damit würde man zusätzlich die Maker und Bastler bedienen, die sich bislang vielleicht eher mit dem Raspberry Pi beschäftigt haben.

Trailer zum Atari VCS:

Atari VCS für Developer

Interessant könnte die neue Plattform auch für Entwickler sein. Atari bietet ein eigenes Software Development Kit Atari VCS SDK auf Anfrage an. Über Atari Vault können die Spiele dann angeboten werden, dabei erhalten Entwickler 88 Prozent der Einnahmen für exklusive und 80 für nicht-exklusive Titel.

Fazit zum Atari VCS

Betrachtet man die Zeit, die sich Atari für die Entwicklung genommen hat, kann man davon ausgehen, dass mit der neuen VCS Konsole 2020 ein solides Stück Hardware in die Läden kommt. Mit all seiner Funktionalität könnte Atari es schaffen, tatsächlich wieder eine Konsole aus eigenem Hause zu etablieren. Auch zielt man mit den multimedialen Möglichkeiten auf ein größeres Publikum ab als „nur“ auf Retro-Gamer (so wie die unzähligen Mini-Konsolen)

Nach all den Jahren auf dem hart umkämpften Konsolenmarkt wieder Fuß zu fassen, dürfte aber auch für Atari schwer werden. Der Atari VCS bietet allerdings viele Möglichkeiten, so könnte auch im Bereich Streaming etwas zu erwarten sein – ist die Atari-Hardware erstmal an genug Fernsehgeräten angeschlossen, steht einer Google Stadia oder Xbox xCloud Konkurrenz eigentlich nicht viel im Wege.

Interview Cheddar Esports mit Atari CEO Fred Chesnais über die neue Konsole:

Weitere Retro-Ankündigung auf der E3:

Retro-Klassiker: PC Engine mini auf der E3 vorgestellt