Heute ist es an der Zeit über das nahende MMO New World zu sprechen. In den vergangenen Wochen kamen einige interessante Informationen ans Tageslicht, welche ich mit euch durchgehen möchte. Achtung: Es handelt sich um einen ziemlich kritischen Beitrag, welcher aufzeigen soll, wieso wir alle auf der Hut sein sollten.

Hype und Roadmap

Am 31. August 2021 soll endlich nach mehrfacher Verschiebung New World erscheinen. Während der Erscheinungstermin sich also mittlerweile in greifbarer Nähe befindet, steigt damit auch das Hypelevel rum um das neue MMO. Klar, viele Spieler sehen darin eine neue Hoffnung, endlich mal wieder ein neues MMO zwischen die Finger zu bekommen, welches sie auch für die nächsten hunderte Spielstunden in den Bann ziehen kann.

Auch ich gehöre zu diesen Menschen, die sich nach einem neuen und spielenswerten MMO sehnen. Obwohl ich starke Hoffnungen in New World stecke, möchte ich mich dadurch doch nicht gänzlich blenden lassen und setze mich deshalb kritisch mit dem Spiel von Amazon Game Studios auseinander. Doch zunächst die aktuellen Informationen vom Summer Game Fest.

Summer Game Fest: Deep Dive

Während des Summer Game Festivals veröffentlichte der Kanal “thegameawards” gemeinsam mit Amazon Game Studios ein Deep Dive Video, in welchem der Fokus der derzeitigen Entwicklung gezeigt wurde. Im Wesentlichen wird deutlich, wie stark sich das Spiel auf PvE-Inhalte konzentrieren möchte. Wer New World in der Vergangenheit näher verfolgt hat, wird aus diesem Deep Dive nicht unendlich viel Neues herausbekommen, aber ich möchte die Knackpunkte doch nochmal kurz erwähnen.

Zu den Fünf-Spieler-Dungeons, den sogenannten Expeditionen, wissen wir nun, dass es zur Veröffentlichung des Spiels sechs Stück an der Zahl geben wird. Gezeigt wurde die Amrine Excavation, der Dinasty Shipyard und der Garden of Genesis. Mich freut es, dass wir eine klassische Holy-Trinity Aufteilung haben werden, also werden wir jeweils einen Tank, einen Heiler und drei Leute brauchen, die auf die Nase hauen können.

Außerdem wurden uns ein paar Hintergrund-Informationen zu den neuen Regionen Ebonscale Reach und Reekwater und den dort angesiedelten Fraktionen inklusive der wichtigen Bösewichte gezeigt. Während Ebonscale Reach stark asiatisch inspiriert ist und sich der Plot um eine ausgestoßene und rachsüchtige Kaiserin drehen wird, ist Reekwater ein verlassenes Fischerdorf, welches von Untoten und Piraten unter Kontrolle gehalten wird. Die Königin der Sirenen soll wohl in diesem Saustall das Sagen haben.

Nicht ganz klar, wo Sie auftauchen soll, wurde aber noch Isabella vorgestellt, welche, sagen wir mal durch ihre leuchtenden Augen einen deutlichen Widererkennungswert haben wird. Habt also keine Sorge, ihr erkennt sie, wenn ihr sie seht. Isabella soll zu den mächtigsten Widersachern, zumindest zum Start des Spiels, gehören.

Zuletzt wurde noch einmal betont, dass es sich bei New World um ein klassenloses Rollenspiel handelt. Wir wählen also zu Beginn keine Klasse aus, viel eher bestimmen wir unseren Spielstil durch die Wahl unserer ausgerüsteten Waffen. So können wir in unseren Talentbäumen dann Fähigkeitspunke in die Waffen stecken, welche uns dann wiederum in dieser Waffe besser werden lassen. Zu Beginn wird es elf verschiedene Waffentypen geben und als komplett neue Waffe wurden die Ice Gauntlets, vorgestellt. Chic!

Spieler Feedback

Scott Lane, der Game Director, betonte in diesem Video, wie wichtig ihm das Feedback aus der letztjährigen Beta-Phase war und zeigte auch, an welchen Stellen das Feedback auch eingearbeitet wurde. Die größten Baustellen stellten die Spawn-Zeiten im Startgebiet, das Kampfsystem und das Crafting dar. Diese Systeme wurden im vergangenen Jahr gerade aufgrund des Feedbacks komplett überarbeitet, sodass diese Aspekte nun hoffentlich deutlich verbessert sein sollten.

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Außerdem zeigte sich, dass sich die Spieler durchaus mehr PvE-Inhalte wünschten, also wurde die Entwicklung auch komplett auf diese Inhalte ausgerichtet. Obwohl es weiterhin die Belagerungen und große PvP-Schlachten geben soll, wurde wie es mir scheint kaum noch großartig weitere Energie in diesen Teil des Spiels gesteckt.

An dieser Stelle bekommt mein Beitrag einen kritischen Touch. Obwohl ich ein großer Fan von Feedback-Schleifen bin, und ich genau diesen Punkt ausführlicher im “Cyberpunk”-Beitrag beleuchtet habe, komme ich nicht umher, die Entwicklung und den Kurs von New World hinterfragen zu müssen. Seit der Ankündigung von New World hatte sich die Vision des Spiels mehrfach geändert. Erst sollte es ein Survival MMO mit Gebäude-Bau werden, dann wurde New World zu einem “lootable” Open-World PvP Spiel, in dem wir besiegten Spielern ihre Beute abnehmen konnten und nun steht der Fokus doch auf traditionellem Themepark MMO Gameplay, in dem wir das Spiel durch Quests und eine vorgegebene Story erleben sollen.

Obwohl das Spiel bereits seit einigen Jahren in Entwicklung ist, befindet sich der PvE-Teil jedoch erst seit gerade einmal  einem Jahr in Entwicklung. Da musste also vieles in den vergangenen zwölf Monaten passiert sein. Und wenn wir bedenken, dass das Spiel Ende August erscheinen soll, dann Holla die Waldfee.

Es ist eben eine Sache auf Spieler-Feedback zu hören und das Spiel an nötigen Stellen zu justieren und eine andere Sache, die Vision eines Spiels mehrfach komplett über den Haufen zu werfen. Ich sage nicht, dass es nicht möglich ist, dennoch ein klasse Produkt zu liefern, aber häufige Kurswechsel müssen eben mit viel Energie erkauft und gestemmt werden.

Amazon Historie – Eine leidige Geschichte

Ein weiteres Alarmsignal zeigt sich uns, wenn wir uns mal die Historie der Amazon Game Studios ansehen. Leider hat sich Amazon in den vergangenen Jahren nicht mit sonderlich viel Ruhm bekleckert. Beginnen wir mit Breakaway, einem PvP Vier-gegen-Vier Arena Brawler, welcher noch während der laufenden Entwicklung 2018 eingestellt wurde. Nachfolgend wurde das Rennspiel The Grand Tour 2019 zwar veröffentlicht, aber durch die sehr schwachen Verkäufe vom Verkauf wieder zurückgezogen.

Dann kam das Debakel um Crucible, einem PvP-Action-Shooter, welcher zwar auch veröffentlicht wurde, aber nach harscher Spielerkritik wieder zurück in die Beta-Phase katapultiert wurde, nur um kurze Zeit später doch komplett eingestampft zu werden. Abschließend kommt noch die traurige Nachricht über die Einstellung der Entwicklungen am neuen Herr der Ringe MMO. Um fair zu sein ging es dort um einen Rechtstreit beim Rechteinhaber Tencent, aber es bleibt dennoch eine Kerbe im Namen der Amazone Game Studios über.

All diese Ereignisse der vergangenen drei Jahren lassen mich nicht viel Vertrauen in Amazon als Spieleentwickler haben. Gerade bei Spielen, die als Service über viele Jahre hinweg funktionieren, kommt es häufig vor, dass es zumindest anfangs einige Probleme geben kann. Es muss dann eben in die Hände gespuckt werden, es müssen die Ärmel hochgekrempelt werden und dann müssen diese Probleme eben ausgemerzt werden. Die besten Beispiele dafür sind Elder Scrolls Online und Final Fantasy Online, welche direkt nach Release sehr große Probleme hatten, aber ihre Probleme überdauert haben und nun zu den erfolgreichsten und beliebtesten MMOs überhaupt gehören. Wer sagt mir denn, dass Amazon genauso hinter New World steht, wie Zenimax hinter ESO und Square Enix hinter Final Fantasy Online stehen? Bisher gibt es fast nur Indizien dagegen und eher wenige dafür.

Ingame Store

Zuletzt möchte ich über den kürzlich angekündigten Ingame Store reden. Machen wir uns nichts vor, die meisten aktuellen MMOs haben mittlerweile einen Ingame Store und das lässt sich leider auch nicht wegreden. Sogar WoW, welches als Urgestein der MMOs noch auf einem aktiven Abo-Bezahlmodell basiert, verkauft im Store belanglose Skins für ordentlich viel Geld. Na klar wird New World auch einen Ingame Store haben. Was mich aber daran stört ist der Zeitpunkt, an dem Amazon Game Studios diesen Ingame Store ins Spiel bringt. So soll dieser bereits von Anfang an Teil des Spiels sein, und ja, es wird versprochen, dass es sich bis 2022 um lediglich kosmetische Dinge handeln wird, die wir dort kaufen können.

Aber Moment Mal: Bis 2022 sind es nur kosmetische Dinge, doch was passiert nach 2022? Werden wir uns doch starke Vorteile erkaufen können? Für mich bedeutet es, dass nach 2022 bestimmt die sogenannten Convenience-Items verkauft werden, die dafür da sind uns Abkürzungen zu verschaffen, damit wir das Spiel nicht mehr so lange spielen müssen. Weil es ja keinen Spaß macht das Spiel zu spielen, also muss man sich Boosts kaufen, um schneller ans Ziel zu kommen um weniger spielen zu müssen. Aaaaaaah, ich drifte ab, für mich ist das ein ziemlich bizarres Gameplay-Konzept, in dem wir motiviert werden uns den Spielspaß mit noch mehr Geld erkaufen zu müssen.

Kommen wir zurück zu meinen Bedenken. Warum zum Geier muss Amazon gerade zu Beginn wertvolle Entwicklungskapazitäten in einen Store stecken, welcher mit der Qualität des Gameplays nichts zu tun hat. Hier wünschte ich mir mehr Fokus auf das eigentliche Spiel, gerade weil die Vergangenheit gezeigt hat, dass Amazon einen leichten Finger auf dem Abzug hat und nicht davor zurückschreckt die Server wieder einzustampfen, wenn es nach sechs Monaten nicht rund läuft. Wer garantiert mir denn, dass ich dann nicht 150 Euro ausgegeben habe, die dann nach wenigen Monaten verloren sind, weil das Spiel abgeschaltet wurde? Aber ja, der Erfolg eines Spiels wird bei Konzernen eben am Cashflow gemessen, also muss direkt ein Shop her. Für mich ist es klar und es sollte auch für euch klar sein. Vielleicht sollten wir uns zurückhalten, wenn es um Ingame Käufe geht, gerade in den ersten sechs bis zwölf Monaten des Spiels.

In einem offiziellen Statement wurde außerdem über einen möglichen Battlepass gesprochen, aber dort scheinen sich die Kollegen noch nicht einig zu sein. Ich werde abschließend mit dem Gefühl entlassen, dass es von Sekunde Eins um mehr und mehr Geld geht, anstelle darum, in erster Linie die Qualität des Spiels zu erhöhen. Das ist einfach unglücklich.

Bald wissen wir mehr

Trotz all dieser Sorgen ist New World für mich immer noch der heißeste Kandidat am MMO-Himmel und ich werde es mir auch bestimmt ansehen. Als Vorbesteller werde ich in die Beta am 20. Juli reinzocken, um mich hoffentlich davon überzeugen zu können, dass es eben doch Spaß macht, auf Aeternum herumzulaufen und so Zeugs zu machen.

Welches Zeugs das auch immer sein mag. Ich werde bestimmt hier auch noch einmal darüber berichten. Die Langzeitentwicklung des Spiels können wir jedoch an dieser Stelle leider nicht voraussagen, wir müssen eben abwarten und Tee trinken.

Im Video: New World News nach dem Summer Game Fest

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