Seit dem 3. Dezember ist mit der PlayStation Classic eine neue Mini-Konsole auf den den Markt gekommen. Wie die zuvor erschienenen Nintendo Classic Mini Varianten des NES und SNES, will auch Sony mit der Kleinausgabe der Ur-PlayStation Retro-Fans glücklich machen. Passend zum Weihnachtsgeschäft, mit zwei Controllern im Gepäck und mit immerhin 20 vorinstallierten Spielen, soll die neue Alt-Konsole für viel Freude am heimischen Bildschirm sorgen.

„Soll“, das zumindest mag man Sony lieberweise gerne unterstellen. Andererseits zeugen die vielen sehr, sehr negativen Rezensionen eher von einem unüberlegten Konzept. Besonders negativ fallen dabei Spieleauswahl und technische Umsetzung ins Gewicht. Warum das so ist, erklären wir hier.

Spieleauswahl missglückt

20 wundervolle Classic-Games erhalten die Spieler also beim Kauf der rund 100 Euro teuren Konsole. Dann schauen wir doch mal, was alles dabei ist:

PlayStation Classic Spiele:

  • Metal Gear Solid
  • Final Fantasy VII
  • Grand Theft Auto
  • Rayman
  • Resident Evil Director’s Cut
  • Oddworld: Abe’s Odysee
  • Tekken 3
  • Battle Arena Toshinden
  • Cool Boarders 2
  • Destruction Derby
  • R4: Ridge Racer Type 4
  • Intelligent Qube
  • Jumping Flash
  • Mr Driller
  • Revelations: Persona
  • Super Puzzle Fighter II Turbo
  • Syphon Filter
  • Tom Clancy’s Rainbox Six
  • Twisted Metal
  • Wild Arms

Der Trailer versprach viel:

Zugegeben, gerade mit den ersten Titel auf der Liste, sind einige wirkliche Highlights aus der Hochzeit der damaligen Konsole dabei. Titel wie Final Fantasy VII, Metal Gear Solid, Resident Evil oder Grand Theft Auto haben die Spielewelt revolutioniert. Es macht Spaß die alten Klassiker nochmal wie damals zu zocken. Andere Titel scheinen dann eher als Füllmaterial verwendet worden zu sein. Und dann gibt es da noch das Problem mit der technischen Umsetzung…

PAL vs. NTSC

Die Spiele laufen einfach zu langsam! Bei einigen Spielen, gerade zeitkritischen Exemplaren wie Tekken, hat Sony leider statt der NTSC die PAL Version gewählt. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Varianten, die den damaligen TV-Gerätestandards gerecht werden sollen. Während die alten Röhrenbildschirme in der EU damals mit 50 Hz (PAL) flimmerten, liefen sie in den USA und Japan mit 60 Hz (NTSC). Entsprechend dieser Taktung änderte sich auch die Spielgeschwindigkeit spürbar. So kommen einem die EU-Versionen gerade in „schnellen“ Games wie in Zeitlupe vor.

Wow. Da hat offensichtlich jemand einfach nicht genau hingeguckt. Anders kann man sich nicht erklären, warum Sony diesen Aspekt beim Entwurf der PlayStation Classic einfach außen vor gelassen hat. Um dem ganzen Ärger noch ein Quäntchen obendrauf zu setzen: Trotz der EU-Version (eigentlich multilingual), sind die Spiele alle nur auf Englisch.

Controller einfach zu Retro

Prima, mit der Konsole kommen auch gleich zwei Controller ins Haus. Das heißt: Man kann sofort loslegen und auch zuzweit durchstarten. Doch welchen Controller hat Sony denn da ausgewählt? Richtig, den originalen PS1 Controller – ohne Analogsticks. Die erweiterte Variante kam nämlich damals erst nach einigen Jahren auf den Markt. Diese Auswahl sorgt aber auch für einen sehr schweren Wermutstropfen. Die Autorennspiele mit dem Steuerkreuz zu zocken, das ist einfach nicht das Gleiche und sorgt teilweise für unspielbare Frustmomente. Hier hätte Sony besser daran getan, sich ein klein wenig vom Retrokonzept zu lösen und auf den DualShock zu setzen. Dieser wurde immerhin später auch zu dem Standard, der PlayStation bis heute auszeichnet.

Fazit:

Die größte Errungenschaft der PS1 war damals die herausragende 3D-Darstellung. Das war wirklich bahnbrechend. Doch während die 2D-Kollegen zu dieser Zeit schon ihre Hochphase lange erreicht hatten und durch die PixelArt ein wahrer Augenschmaus entstand, der heute noch zu begeistern weiß, befand sich die Welt der Polygone noch in den Kinderschuhen. Aus heutiger Sicht fällt es einfach schwer, der langsamen und ungewollten LowPoly-Optik den gleichen Charme abzugewinnen wie den Titeln auf zum Beispiel dem SNES. Gepaart mit der etwas unglücklichen Spieleauswahl und den technischen Patzern, kommt einfach kein wirkliches Hochgefühl auf. Echte Retro-Fans holen da doch lieber das Original vom Dachboden.

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Alexander Panknin

Spielejournalist bei gaming-grounds.de
1985 geboren. Mit Doom, Quake und SNES aufgewachsen. War selbst in der Indiegames-Szene aktiv und schreibt nun auf gaming-grounds.de über seine große Leidenschaft: Videospiele.
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