Ein Gastbeitrag von Timo Schöber. Eine persönliche Erklärung, warum Rassismus Unsinn ist und (auch im E-Sport) keinen Millimeter Platz hat.

Vorweg seien deutliche Worte gefunden: Rassismus basiert auf einer Vielzahl von Fehleinschätzungen – und leider vergiftet er die Gesellschaft auf allen Kontinenten seit Menschengedenken. Was Rassismus ist, woraus er sich speist und warum er keinen Platz in einer pluralistischen Gesellschaft und insbesondere im E-Sport hat, wird im Folgenden erörtert.

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Rassismus – was ist das?

Im engeren Sinne bezeichnet das Wort „Rassismus“ die Überzeugung, dass die eigene „Rasse“ anderen „Rassen“ überlegen sei. Das beinhaltet zwei Folgen: Zum einen wird die eigene „Rasse“ auf einen Sockel gestellt, zum anderen werden andere „Rassen“ herabgesetzt.

Warum Rassismus unmoralischer Unsinn ist

Das Wort „Rasse“ ist beim Menschen ein veralteter Begriff. Um eine Art in unterschiedliche Rassen zu unterteilen, bedarf es einer kritischen Menge an genetischen Unterschieden. Diese kritische Masse ist beim Menschen nicht gegeben. Ein farbiger Mensch etwa unterscheidet sich von mir als weißem Menschen genetisch anhand seiner Ethnie wesentlich weniger, als ich mich von irgendeinem anderen weißen Menschen im Allgemeinen.

Ethnie? Richtig, das wäre die korrekte Bezeichnung für unterschiedliche Merkmale beim Menschen, die kollektiv vorhanden sind und sich einer bestimmten Gruppe zuordnen lassen.

Rassismus ist aber nicht nur unsinnig, weil es gar keine Menschenrassen gibt, sondern – und das ist der traurige Witz an der Sache – es glaubt jeder Rassist, dass die eigene Ethnie die beste aller Ethnien sei. Einen weißen Rassisten, der sagt: „Hey, Ostasiaten sind uns allen überlegen“ wird man wohl kaum treffen. Das bedeutet aus philosophischer Perspektive, dass ein Rassist sich anhand seiner Ethnie in narzisstischer Art und Weise überhöht und dies um einen kollektiven Aspekt erweitert.

Spannend wird es, wenn man sich Statistiken zum Bildungsstand und der sozialen Herkunft von Rassisten anschaut. In der Regel handelt es sich nicht um die „Bildungselite“ einer Ethnie, sondern vielmehr um das Gegenteil. Wären Rassisten also der Indikator, was „wie viel wert sei“, dann würden sie eher zeigen, dass ihre eigene Ethnie anderen unterlegen ist. Schließlich sind sie zumeist Idioten und Versager, so viel an Deutlichkeit in der Wortwahl sei mir gestattet.

Rassismus ist aber auch deshalb unmoralisch, weil er Menschen auf äußere Merkmale reduziert. Grundsätzlich sind alle Menschen gleich viel wert, das weiß schon die Bibel: „Gott wohnt in jedem Menschen“ heißt es im Lukasevangelium. Ob ich mit einem Menschen gerne zusammen bin oder nicht mache ich persönlich am Charakter fest – und an nichts anderem. Ganz gleich, ob derjenige weiß, schwarz oder gelbgrün gestreift ist.

Rassistische Beleidigungen: Drei Möglichkeiten

Grundsätzlich würde ich rassistische Beleidigungen in drei unterschiedliche Kategorien klassifizieren, die sich je nach der Intention der Aussage unterscheiden können:

1. Beleidigungen, die als Beleidigungen gemeint sind

Sagt ein Rassist zu einem farbigen Menschen „du Neger“, dann ist dies ein beleidigendes Wort, das beleidigend gemeint ist.

2. Beleidigungen, die nicht als Beleidigungen gemeint sind

Sagt jemand über einen farbigen Menschen „ich mag den Neger“, dann ist dies ein beleidigendes Wort, welches aber nicht zwangsläufig beleidigend gemeint ist. Vielleicht weiß der Sprechende nicht, dass „Neger“ ein diffamierendes Schimpfwort ist.

3. Normale Worte, die als Beleidigungen gemeint sind

Sagt ein Rassist zu einem jüdischen Menschen „du Jude“, dann meint er dies beleidigend, obwohl „Jude“ keine Beleidigung, sondern ein normales Wort ist, das Menschen jüdischen Glaubens beschreibt.

Rassismus ist im erweiterten Sinne also auch etwas, das nicht nur gegen Ethnien zielt, sondern etwa auch gegen Völker und/oder Religionsgemeinschaften.

Alltagsrassismus

Das Wort „Neger“ ist ein Paradebeispiel für alltäglichen Rassismus. Viele meinen das Wort nicht rassistisch, obwohl es eindeutig rassistisch ist – und den Sprechenden auch ein Stück weit intellektuell herabsetzt. Ansonsten würde er das Wort nicht verwenden.

Joachim Herrmann (CSU) sagte über den Sänger Roberto Blanco einmal, dass er ein „wunderbarer Neger“ sei. Gemeint hat er es als Lob. Dennoch ist es eine rassistische Beleidigung. Derartige Vorfälle kommen im Alltag nicht eben selten vor – leider.

Die Rolle vom Rassismus im Sport – Beispiel Fußball

In den Fanszenen großer und kleiner Fußballclubs gibt es oft ganze Abteilungen und Gruppierungen, die rechtsradikal und rassistisch motiviert sind. Einen besonders negativen Ruf hat die Ultraszene der italienischen Seria A. Hier gab es dutzende Skandale rund um verbale Angriffe von Fans gegen Spieler mit einem afrikanischen Migrationshintergrund. Teilweise wurden sogar Bananen auf das Spielfeld geworfen.

So wurde der ehemalige italienische Nationalspieler Mario Balotelli mehrfach Opfer von Übergriffen. Auch der deutsch-ghanaische Fußballspieler Kevin-Prince Boateng sah sich mehrmals Angriffen ausgesetzt. So brach er 2013 während seiner Zeit beim AC Mailand vorzeitig ein Freundschaftsspiel gegen den niedrigklassigen Verein Aurora Pro Patria ab, da Fans wiederholt rassistische Beleidigungen geäußert hatten.

DFB, DFL, UEFA, FIFA und andere Veranstalter und Verbände organisieren regelmäßig Kampagnen gegen Rassismus im Fußball. Auch in Deutschland kommt es leider häufiger vor, dass rechte Fangruppen etwa den (selbstverständlich verbotenen) Hitlergruß bei einem Spiel zeigen.

Rassismus und E-Sport

E-Sport hat allen anderen Sportarten eine Sache voraus: Er ist digital und kann problemlos über Landesgrenzen hinweg gespielt werden. Außerdem wissen die Spieler häufig nicht, wer am anderen Ende der Leitung mitspielt. Ethnien, Nationalitäten, Religionen und andere Dinge interessieren im E-Sport auch eher weniger. E-Sport ist international, multikulturell und hat die Welt ein Stück weit mehr zu einem globalen Dorf des Miteinanders werden lassen.

Dennoch gibt es sie bedauerlicherweise, die rassistischen Entgleisungen im E-Sport. Ich denke hier zum Beispiel an die Gründung des (selbsternannten) europäischen E-Sport Verbandes. Israel wurde zu Recht Mitglied in dem Verband – und prompt folgten antisemitische und antizionistische Äußerungen arabischer Vertreter der E-Sport Szene. Auch erinnere ich mich, dass die Counter-Strike Legende Abdisamad „SpawN“ Mohamed mehrfach mit rassistischen Anfeindungen zu kämpfen hatte.

Rassismus hat in einer funktionierenden Gesellschaft nichts zu suchen. Im E-Sport hat er schon gar keinen Platz. E-Sport lebt von Vielfalt, vom „Wir“ und vom Gefühl, dass die Welt näher zusammenrückt.

Daher ist glücklicherweise festzustellen, dass rassistische Übergriffe und Ausschreitungen, wie sie leider aus anderen Sportarten bekannt sind, im E-Sport bisher nicht vorgekommen sind – und hoffentlich auch nicht vorkommen werden.

Den Rassisten im E-Sport oder solchen, die Teil der Szene werden wollen, sei eines gesagt: Ihr seid nicht willkommen!

Fazit

Rassismus ist ein Krebsgeschwür, das gesellschaftliche Strukturen und den gesellschaftlichen Fortschritt schon immer beschädigt hat. Daher gilt es ihm als E-Sport Gemeinschaft entschlossen, gemeinsam und mit aller Kraft entgegenzutreten.

Persönliche Worte: Ich habe selbst Menschen in meiner Familie, die nicht zur gleichen Ethnie gehören wie ich. Menschen, die ich sehr liebe. Im E-Sport stammen einige meiner besten und langjährigsten Bekanntschaften aus Südkorea. Ohne den E-Sport hätte ich diese wohl nie kennengelernt. Dies war nur möglich, weil E-Sport global und weltoffen ist. Das dürfen wir nicht riskieren, es ist unser wertvollstes Gut als E-Sport Szene. Daher gibt es gleich zwei Gründe, warum ich Rassismus auch sehr persönlich nehme.

Zum Abschluss möchte ich die UNESCO zitieren (1995, Konferenz gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung):

„Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff »Rasse« weiterhin zu verwenden.“

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