Auch die Rainbow Six E-Sport-Szene bleibt nicht von unschönen Zwischenfällen verschont. Ein Verdacht, der sich bereits im Januar dieses Jahres abzeichnete, zieht nun nach internen Ermittlungen schwerwiegende Folgen für einen mittlerweile ehemaligen Team Liquid Coach nach sich. Bereits in der Vergangenheit hatten unterschiedliche E-Sport-Titel und Online-Games mit Vorfällen und Anschuldigungen in Bezug auf sexuelle Belästigung oder sogar Missbrauch zu kämpfen. Über die Schwere der Schuld sind sich die Akteure jedoch nicht einig.

Nachdem Team Liquid am 06. Januar 2021 bestätigt hat, dass die Organisation von öffentlichen Vorwürfen gegenüber ihrem Rainbow Six Assistenzcoach Rafael ‚Mav‘ Loueiro Freitas erfuhr und anschließend die Untersuchung der Vorfälle begann, gab das Team nun bekannt, dass die Prüfung der Anschuldigungen abgeschlossen ist.

Trennung mit sofortiger Wirkung

Als Konsequenz aus den gewonnenen Erkenntnissen geht hervor, dass sich Team Liquid mit sofortiger Wirkung von dem seit Januar suspendierten Assistenzcoach trennt. Die Organisation betont im offiziellen Statement diesbezüglich, dass eine solche Entscheidung nie leichtfertig getroffen wird. Außerdem legten sie „im Sinne der Transparenz“ dar, wie die Beurteilung der Situation durchgeführt wurde und wie es zu der Entscheidung kam.

Zum Schutz der Privatsphäre all jener an dem Prozess beteiligten Personen werde man seitens Team Liquid allerdings keine Details veröffentlichen, sondern lediglich die Arbeitsschritte erläutern.

„In den letzten Wochen hat Team Liquids Personalabteilung alle möglichen Beweise im Zusammenhang mit den Anschuldigungen gesammelt, darunter auch Aussagen, Screenshots und Chat-Protokolle, die öffentlich gemacht oder freiwillig mit unseren Personalvertretern geteilt wurden. Wir haben außerdem ausführliche Interviews mit allen relevanten Parteien geführt und auf Basis dieser Erkenntnisse einen Bericht erstellt.“

Team Liquid über den Ablauf der Untersuchungen. (Quelle)

„Beweise für Verstoß gegen die Werte von Team Liquid“

Nach Sichtung vorliegender Aussagen, Screenshots und Chat-Protokolle, kam Team Liquid zu dem Entschluss, dass die Bewertung ausreichend Beweise ergab, dass die Handlungen und das Verhalten von Rafael ‚Mav‘ Loueiro Freitas gegen die Werte und den Verhaltenskodex der Organisation verstoßen.

Bereits im Januar suspendierte Team Liquid den Assistenzcoach und setzte alle mit Mav zusammenhängende Arbeiten aus, bis die Untersuchungen abgeschlossen waren. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt sprach die Organisation von „extrem besorgniserregende[n] und schwerwiegende[n] Anschuldigungen.“

„Ab heute bin ich nicht mehr Teil von Team Liquid, […] für meine Zukunft bin ich frei und beabsichtige, meine Karriere als Trainer fortzusetzen, ich war noch nie so motiviert […].“

Mav auf Twitter über seine Zukunft. (Quelle)

Mav zeigte sich unterdessen durch die Folgen der ihm vorgeworfenen Handlungen unbeeindruckt und begab sich auf die Suche nach einem neuen Team. Jene Suche könnte sich nach den aktuellsten Entwicklungen äußerst schwierig gestalten.

Wie auf der Szene-Plattform Siege.gg zu lesen ist, soll Mavs Ex-Freundin sich in privaten Textnachrichten zu den Vorfällen geäußert haben. Dort schildert sie die teils dramatischen Situationen. Demnach habe es körperliche Übergriffe gegeben, bei denen sie verletzt wurde. Unter anderem habe er sie zweimal an die Wand geschlagen, Freundinnen hätten sie im Anschluss verteidigt.

Was wird Mav vorgeworfen?

Anfang Januar dieses Jahres entstanden auf Twitter, was im E-Sport als wichtiges Kommunikationsmedium dient, schwerwiegende Vorwürfe gegenüber dem brasilianischen Rainbow Six Profispieler und -coach. Diese schienen davon zu handeln, dass der 28-Jährige seine Freundin physisch misshandle.

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Es waren Screenshots im Umlauf, in denen die junge Frau davon gesprochen haben soll, dass Mav sie gegen eine Wand schlug, weshalb sie um Hilfe schrie.

Mav gestand unterdessen seinen Fehler und zeitgleich die ihm gegenüber geäußerten Anschuldigungen ein, relativierte die Vorwürfe allerdings noch im gleichen Satz. Er sprach davon, dass er sie schubste, was falsch sei, die Darstellung allerdings nicht der Realität entspräche.

„Leute, ich habe ja gesagt, dass es falsch war, meine Ex zu schubsen – man sollte NIEMANDEN schubsen, Punkt – aber es war nicht wie dargestellt, aber natürlich werde ich immer abgesagt werden und Dinge lesen müssen wie „Ich bin ein Missbrauchstäter“, wenn ich sie weggeschubst habe… abschließend, gute Nacht alle.“

Mav äußert sich im Januar via Twitter über die Vorwürfe. (Tweet gelöscht, nachzulesen auf Siege.gg)

Fest steht, dass hier ein Fehlverhalten des Spielers ans Tageslicht gekommen ist. Unklar bleibt, wie sich die von den zwei Seiten geschilderten Ereignisse tatsächlich zugetragen haben. Mav wird es ab sofort jedenfalls schwerer haben, aktiv in der Szene zu bleiben.

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