Das Schönste in einer Diskussion ist es doch, wenn man sich auf fundiertes Wissen beziehen kann, auf die Wissenschaft, Erkenntnisse aus Testungen und Beobachtungen. Meist erspart dies dann auch den „gefühlten Schrecken“ oder das „ungute Gefühl“ bei einer Sache. Und davon gab es in den vergangenen Jahrzehnten sicherlich reichlich, wenn es um das Thema Gewalt in Computerspielen ging.

[Anmerkung: Wir möchten uns schon jetzt für den politisch geprägten Begriff „Killerspiel“ entschuldigen, aber letztlich ist er sinnbildlich für die leider oft sehr undifferenzierte Betrachtung dieses Themas.]

In den schlimmsten Tagen der „Killerspiel-Debatte“ suchte man die Schuld an schrecklichen Ereignissen in unserer Gesellschaft direkt bei den Games. Von menschlichen Entgleisungen bis hin zu Amokläufen an Schulen, es gibt kaum ein Thema, welches man den Ballerspielen nicht schon vorgeworfen hätte. Die Gewalt in Spielen stumpfe ab, hieß es immer wieder von Politikern und besorgten Mitmenschen. Ganz zum Nachteil der Branche, Spiele wurden verboten, indiziert, in eine schmuddelige und gefährliche Ecke gedrängt. Wer in seiner Freizeit gerne „auf Menschen schießt“, der konnte nur ein schlechter Mensch sein – so die radikale Meinung der Gaming-Gegner.

Eine Studie wollte nun also genau die oben benannten Fakten und Erkenntnisse schaffen, um zu zeigen, dass kein grundsätzlicher Zusammenhang zwischen gespielter und ausgeübter Gewalt besteht. Denn wer sich gerne digital in Spielen misst, hat kein größeres Gewaltpotenzial als jemand, der andere Hobbys pflegt. Dies ist dann letztlich auch das erwartete Ergebnis der Studie, die von der Familienforscherin Sarah M. Coyne und der Psychologin Laura Stockdale über zehn Jahre lang erstellt wurde.

Gewalt in Computerspielen Studie

Den Erstellern der Studie war besonders die lange Beobachtungsdauer der Probanden wichtig. Denn nur so konnte das Forscherteam wirklich belastende Aussagen bezüglich der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen treffen, die Spiele mit Gewalt konsumiert haben. In der Studie waren Kinder zwischen 10 und 23 Jahren involviert.

Es wurden drei Gruppen von Personen identifiziert:

  • 4 Prozent haben schon früh angefangen, gewalttätige Spiele zu spielen
  • 23 Prozent hatten ein moderates Interesse an solchen Spielen
  • 73 Prozent wollten lieber Spiele ohne Gewalt spielen

Ergebnis der Studie

Über die Zeit ergab sich laut der Studie, dass das Interesse an Spielen mit Gewalt mit den Jahren und dem Älterwerden leicht zunahm. Auch sei zu beobachten gewesen, dass die beiden ersten Gruppen eher männlich waren. Es habe zwischen den Gruppen im sozialen Verhalten aber keine Unterschiede in der Entwicklung gegeben. So sei auch kein Zusammenhang zwischen der Gewalt in Spielen und einer potenziellen Gewalt in der wirklichen Welt zu finden.


Die Studie gibt es kostenpflichtig unter hier:

Growing Up with Grand Theft Auto: A 10-Year Study of Longitudinal Growth of Violent Video Game Play in Adolescents


Fazit

Auch wenn eine einzelne Studie sicherlich nur ein Anfang ist, so schafft sie zumindest weitere fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie kann Grundlage für den zukünftigen Diskurs sein.

Wichtig ist aber, unseren Kindern den richtigen Umgang mit Medien beizubringen. Es geht in der Studie natürlich nicht darum, ob es sinnvoll ist, Kindern gewalttätige Spiele zur Verfügung zu stellen. Medienerziehung ist ein wichtiger Aspekt unseres heutigen Lebens. Es sollte das Ziel sein, unseren Kindern zu einer eigenen Medienkompetenz zu verhelfen. Auch die Eltern sollten ein Verständnis davon haben, was in den Kinderzimmern passiert. Unlimitierter Konsum von Medien ist generell ein Problem unserer Zeit.

Und, um auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen, Gewalt in Computerspielen macht nicht gewaltbereit – aber manchmal doch ziemlich Angst und schlechte Träume.


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