Twitch Kanäle gibt es wie Sand am Meer. Täglich kommen neue, potenziell aufstrebende Streamer dazu und müssen sich gegen die Masse an „Kleinkanälen“ durchschlagen. Kleinkanäle, für mich sind das die Kanäle, die im Schnitt für null bis fünfzehn gleichzeitige Zuschauer online sind. Auch meinen persönlichen Kanal (twitch.tv/followpawl) zähle ich zu der Liste der Kleinkanäle.

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Wenn man sich also gegen die „Anderen“ durchsetzen möchte, muss alles bis ins letzte Detail durchdacht, eben perfekt sein! Das Logo muss stimmen, die Show muss unterhaltsam sein, die Bild- und Tonqualität muss gewissen Standards entsprechen und ach ja, das „Overlay“ muss auch sitzen. All das braucht darüber hinaus noch eine Marketing- und Growth-Strategie. Nur so kann man doch gewährleisten, dass der flüchtige Zuschauer auch bei uns hängen bleibt und auch hoffentlich einen „Follow“ da lässt.

So, und genau diese Denkweise ist bei vielen Streamern verhängnisvoll. Wieso das so ist, möchte ich in diesem Beitrag klären, indem ich den Unterschied zwischen „Action“ und „Motion“ erkläre.

Action und Motion

James Clear beschreibt in seinem Buch Atomic Habits ein unterschiedliches Verständnis der Begriffe Action und Motion.

Motion (Im Fluss sein)

Wenn wir vor einem Berg von Aufgaben und Herausforderungen stehen, will sicherlich niemand von uns etwas falsch machen. All diese Fragen, die sich auftun, wollen doch beantwortet werden, und am besten auf die beste Art und Weise.

Was passiert, wenn ich nicht mit dem perfekten Mikrofon starte? Verliere ich wertvolle Zuschauer, die dageblieben wären, wenn meine Tonqualität besser wäre? Was passiert, wenn das Overlay nicht ansprechend genug ist? Werden die Zuschauer dann denken, dass ich das Streamen nicht ernst genug nehme?

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Also informieren wir uns. Wir wälzen Bücher, schauen uns dutzende Tutorials an, basteln lange an der Optik, setzen Logos um, schmieden Pläne und setzen uns Ziele. Und das fühlt sich gut an. Es gibt uns das Gefühl, dass wir unserem Traum eines erfolgreichen Streamers näher kommen, indem wir diese Dinge tun. Und das ist auch richtig so! Eine gewisse Vorbereitung gehört nun mal dazu.

Wir brauchen einen Plan, den wir verfolgen können. Diese Art von Vorbereitung bezeichnet James Clear als „Motion“, also zu deutsch Bewegung oder auch „im Fluss sein“. Wir fühlen eine Bewegung in die richtige Richtung, haben aber bisher noch keinen Schritt in der Realität gemacht.

Action (Handeln)

Denn für die „Action“ müssen klare Handlungen erkennbar sein. Ein Marathon-Läufer mit tollem Plan, aber null gelaufener Kilometer wird sich wohl kaum als Marathon-Läufer bezeichnen können. Ein Twitch-Streamer wird sich kaum als solcher bezeichnen können, wenn dieser nicht regelmäßig streamt. Ein Plan funktioniert eben nur dann, wenn man die Dinge auch tut.

Aber genau dies fällt vielen Menschen schwer. Es ist eben viel einfacher sich nur theoretisch Gedanken zu machen und auf Papier alles zu perfektionieren. Wie viele nicht gemachte YouTube-Videos gibt es wohl, die bereits komplett vorgefertigt waren? Wie viele Twitch-Kanäle gibt es wohl, die niemals online gewesen sind, nur weil der Schöpfer noch nicht ganz mit seiner Strategie zufrieden war?

Es gibt zwei einfache Tipps, die uns dabei helfen, aus Motion Action zu machen:

  1. Feste Termine für Handlungen: Markiert euch im Kalender die Tage, an denen ihr fest streamen wollt. All das was ihr bis dahin geplant habt, könnt ihr in die Realität umsetzen. Keine Sorge, auch nach dem Stream können weitere Verbesserungen vorgenommen werden. Dies ist eine lange Reise, ihr habt genügend Zeit, um euch und euren Stream zu verbessern.
  2. Ein festes Datum für den Big-Bang: Bei manchen Vorhaben können wir keine wiederkehrenden Termine setzen, da es sich hierbei um eine einmalige Sache handelt. Vielleicht ist es die eine „Talk-Show“, die ihr immer mit ein paar Streamer-Freunden durchführen wolltet, aber ihr noch nicht das Gefühl habt, dass sie gut genug vorbereitet ist. Tja, Vorbereitung ist wichtig, aber dann setzt euch zumindest ein Datum für die Talk-Show und arbeitet dann damit, was ihr bis dahin erarbeitet habt. In jedem Fall seid ihr dann um eine Erfahrung reicher.
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Fazit

Die Wahrheit liegt hier in der Mitte. Eine gewisse Vorbereitung und Analyse des eigenen Produktes gehört dazu, um sich zu verbessern. Wir sollten unsere Handlungen ständig inspizieren und anpassen. Doch wir sollten uns davon nicht allzu sehr lähmen lassen. Nach Worten müssen Taten folgen und dies lieber früher als später. Denn wer handelt, kann direkt aus seinen Handlungen Erfahrungen ziehen und diese in der nächsten Überprüfungsschleife einfließen lassen.

Ich bin mir sicher, dass im Internet noch sehr viele versteckte kreative Köpfe schlummern, nur weil sie nach Perfektion streben und niemals aus der Planung in die Handlung kommen.

Gary Vaynerchuck, ein führender Experte im Bereich Social Media und Marketing stellt eine Vermutung auf, die ich genau so auch unterschreiben würde:

> „Perfektionismus ist lediglich Unsicherheit mit Lippenstift“ – Gary Vaynerchuck

Lasst euch von eurem Perfektionismus nicht lähmen, und erst recht nicht, wenn dieser eigentlich durch Unsicherheit begründet wird. Macht einfach, fangt an. Aller Anfang ist schwer, aber fangt an. Findet eine Balance zwischen Motion und Action.

Im Video: TWITCH – Die ersten Schritte!

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