World of Warcraft Classic ist derzeit eines der angesagten MMORPGs überhaupt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Prepatch zur beliebtesten WoW Erweiterung überhaupt, Wrath of the Lich King, gestartet ist und die Vorbereitung auf den Launch viel einfacher gemacht hat. Eine der Methoden, die von vielen Spielenden genutzt wird, um an extrem gute Ausrüstung für den Start nach Nordend zu ergattern, ist PvP.

Die Schlachtfelder, vor allem auch das Alteractal, sind gute Anlaufstellen, um jede Menge Ehre zu verdienen und damit sogar aktuellste PvP-Ausrüstung kaufen zu können. Doch nun geht ein Schock durch einen Teil der Spielenden: Sie werden scheinbar grundlos in rauen Mengen von Blizzard gebannt und berichten in mehreren Foren und Threads von Sperrungen, die weit jenseits des WotLK Releases liegen. Bis zu 30 Tage Ausschluss sollen einige Spielende für „Nicht-Teilnahme am PvP“ aufgedrückt bekommen haben.

Was steckt dahinter? Verpassen Spieler jetzt den Launch?

Stellt euch vor, ihr habt einen Charakter im Rahmen der Vorbereitung auf Wrath of the Lich King Classic auf Stufe 70 gespielt, geboosted oder im Prepatch einen Todesritter erstellt, der es ebenfalls schon auf die Maximalstufe geschafft hat. Jetzt geht es daran, akzeptable Ausrüstung zu erspielen, die den Start in Nordend etwas geschmeidiger von der Hand gehen lässt.

Einer der einfachsten Wege, dies zu tun, ist der Spieler gegen Spieler Content. Insbesondere nach der Einführung der Schlachtfeld-Wochenenden und der neuen Möglichkeit, S4-Ausrüstung über Ehre zu kaufen, lockt das PvP. Während ihr nun im Alteractal einen Turm verteidigt, werdet ihr plötzlich gebannt. Angeblich hättet ihr durch die Nicht-Teilnahme am Kampfgeschehen euer Team manipuliert. Als Konsequenz dürft ihr 30 Tage nicht auf eurem Account einloggen. Bis nach dem heiß ersehnten WotLK Launch also.

Genau so ist es in den vergangenen Tagen etlichen Spielern ergangen, die sich infolgedessen natürlich lautstark über diese Sperre beschwert haben. Teilweise sollen AFK-Meldungen anderer Schlachtfeldteilnehmer dazu geführt haben, dass ein automatisches System Blizzards gegriffen und die Sperrungen veranlasst hätte.

Blizzard reagiert – Fehler in System und Verhalten

Erst nach diesem Online-Aufschrei reagierte Blizzard auf die Vorkommnisse, während etliche offene Tickets von Betroffenen noch immer auf „unbeantwortet“ standen. In einem ausführlichen Bluepost meldet sich WoW Entwickler ‚Pazorax‘ zu den Ereignissen und begründet die Banns.

Er schreibt:

„[…] Wir haben kürzlich einen Fehler in unseren Analysedaten entdeckt, der einige dieser Sperren infrage gestellt hat, und in diesen Fällen werden wir die Sperrung rückgängig machen. Einige andere waren so eindeutig, dass wir immer noch von der mangelnden Teilnahme überzeugt sind, und diese Sperren werden in Kraft bleiben, obwohl einige eine verkürzte Strafdauer haben werden, wenn es sich um ein Erstvergehen handelte.

Was die Auslösung dieser Sperren betrifft, haben wir Datenanalysten, die sich mit einer Vielzahl von Messwerten befassen, die wir sammeln, um nach mangelnder Teilnahme zu suchen. Es gibt keine einzelne Metrik, die ein klares Bild liefert, also schauen wir uns eine Vielzahl von Metriken an, um sicherzustellen, dass wir eine Vielzahl gültiger Spielstile zulassen. „AFK“-Berichte von anderen Spielern sind nur eine dieser Metriken. Wir sehen sie uns auf jeden Fall an und sie können ein guter Anhaltspunkt für die Validierung unserer anderen Messwerte sein, aber wir verhängen KEINE Sperren ausschließlich auf der Grundlage dieser Berichte.

Wenn viele Spieler einen AFK-Spieler im Alteractal melden, ist das einzige automatische Verhalten die Anwendung eines Debuffs, der Sie daran hindert, Ehre zu erlangen, bis Sie sich an einem PvP-Kampf beteiligen, was im Spiel zu sehen ist. Wir überprüfen regelmäßig die Metriken, die wir verwenden, um festzustellen, ob jemand teilnimmt oder nicht, und wir führen gerade eine dieser Überprüfungen durch, da wir uns darauf freuen, dass mit Wrath of the Lich King Classic neue Schlachtfelder eingeführt werden. Unsere Überprüfung beschränkt sich nicht auf die neuen Schlachtfelder, aber sie bieten eine gute Gelegenheit, um sicherzustellen, dass wir uns mit den richtigen Kriterien befassen.

Ich möchte nicht alle Kriterien auflisten, die wir betrachten, weil dies dazu beitragen würde, dass sich absichtlich negativ verhaltende Spieler die Entdeckung besser vermeiden könnten, aber es ist absolut mehr als AFK-Berichte. […]“

Es sollen also noch weitere Metriken herangezogen werden, bevor ein automatischer Bann durch Spieler-Meldungen erfolgt. Grund der vielen Sperrungen sei ein Fehler in den Analysedaten gewesen, der nun entdeckt wurde. Sollten Spielende dadurch gesperrt worden sein, hebe man diese Sperre wieder auf.

Doch auch auf zurecht gesperrte Spielende, die sich tatsächlich manipulativ verhalten hätten, geht der Blizzard-Angestellte ein. So wolle man, erklärt er, die Sperrung von „Ersttätern“ deutlich in der Dauer verkürzen. Mittlerweile scheint die Korrektur auch erfolgt.

Etliche User berichten in den diversen Threads zum Thema, dass sie entweder vollen Zugriff auf ihren Account hätten oder aber deutlich kürzer warten müssten, bis sie diesen wiederbekommen. Statt der ursprünglich angekündigten 30 Tage seien die Sperren in vielen Fällen auf sieben Tage verkürzt worden.

Einordnung: Die einzig vernünftige Lösung

Blizzard hat in diesem Fall bewiesen, dass sowohl die Kommunikation mit der Community funktionieren kann, als auch sinnvolle Korrekturen infolge von Fehlern vorgenommen werden können. Dass in Schlachtfeldern derzeit viele Spielende, die eigentlich gar keine Lust auf PvP haben, wenn überhaupt halbherzig an den Kämpfen teilnehmen, ist Tatsache und braucht nicht zu diskutiert werden.

Trotzdem würde Blizzard einen gigantischen Fehler machen, all jene, die die Möglichkeit ausnutzen, schnell durch PvP an Ausrüstung zu kommen, direkt vom WotLK Release auszuschließen. Viele Fans bevölkern die Server derzeit überhaupt nur, weil Vorfreude auf den bevorstehenden Release der wahrscheinlich besten WoW Erweiterung aller Zeiten motiviert einzuloggen. Diesen Spielenden allerdings die vielleicht spannendste und tollste Zeit direkt zum Launch wegzunehmen, könnte in vielen Fällen dazu führen, dass der Frust so tief sitzt, dass diese Spielenden überhaupt nicht mehr wiederkommen. Wer will schon etliche Tage nachzuholen haben, die alle anderen gemeinsam voller Elan und Spaß gemeinsam durchlebt haben?

Nichtsdestoweniger müssen Spielende natürlich bestraft werden, die in Schlachtfeldern AFK gehen und dem eigenen Team dadurch einen erheblichen Nachteil verschaffen. Der bevorstehende Release kann und darf dabei nicht zu einer allgemeingültigen Ausrede werden, um keine Sperren über diesen Zeitraum hinaus zu verhängen. Genau deshalb sollte eine längerfristige Strafe jene treffen, die sich einem ähnlichen Vergehen mehrfach zu schulden kommen lassen. Wer nach der ersten, nun anscheinend sieben Tage dauernden Sperre, erneut abwesend auf einem Schlachtfeld herumsteht, darf gerne im zweiten Atemzug eine längere und härtere Bestrafung erfahren.

Schlussendlich hat Blizzard alle fehlerhaften Ausschlüsse mittlerweile korrigiert und die Strafen für erstmalige Missetäter deutlich verkürzt, dennoch aber einen hoffentlich wirksamen Strafzettel verpasst. Wer die Lektion nun gelernt hat, wird also auch mit allen anderen am 27. September 2022 nach Nordend starten können, um der Geißel entschlossen entgegenzutreten.

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