In diesem Beitrag möchte ich euch Schritt für Schritt zeigen, wie mein Prozess zur Video-Erstellung aussieht. Dabei stelle ich euch vor, welche Programme und welche Hardware ich nutze und zeige auch sehr kostengünstige Alternativen auf.

Mein Prozess und Hardware

Als Erweiterung zu meinem vergangenen Beitrag (5 Gründe warum jeder YouTube Videos machen sollte) kam der Wunsch auf, dass ich zusammenfasse, wie ich meine Videos erstelle und was dafür eigentlich notwendig ist. Mittlerweile beschäftige ich mich seit einigen Jahren mit diesem Thema und konnte auch schon einiges probieren, lernen und auch ein bisschen Hardware anschaffen.

Die meisten Dinge, die ich nutzen können durch sehr preiswerte Varianten ersetzt werden, also fühlt euch nicht dazu genötigt, alles nachkaufen zu müssen, dann das ist für den Anfang gar nicht notwendig.

Ich werde in diesem Beitrag den kompletten Prozess vom Brainstorming bis zurzeit nach der Veröffentlichung abbilden. Ich hoffe, es hilft euch.

Brainstorming

Das Brainstorming ist eigentlich nicht wirklicher Bestandteil des Workflows, da ich ständig und immer passiv auf Ideen komme und diese direkt aufschreibe. So entsteht ein großes Backlog an groben Ideen, die einfach ungefiltert niedergeschrieben werden. Zum Aufschreiben der Ideen nutze ich das Tool Notion, welches es kostenfrei für PC, Mac und auch für das Smartphone gibt.

Im kostenpflichtigen Modus bekommt man etwas mehr Leistung, aber für den privaten Gebrauch reicht die kostenfreie Lösung völlig aus. Ich finde es praktisch, dass es sich über alle Installationen synchronisiert. Immer wenn mir ein Gedanke kommt, schnappe ich mir das Handy und schreibe es auf.

Der Backlog.
Der Backlog in der App „Notion“.

Die Möglichkeit, etwas sofort aufschreiben zu können bringt ruhe in meine Gedanken, weil sie dann einfach und schnell abgespeichert sind und ich mir keine Sorgen machen muss, diesen Gedanken wieder zu verlieren. Das Telefon ich halt immer dabei.

Jede Woche steht dann die Entscheidung an, welches dieser Themen ich dann besprechen möchte. Der clevere YouTube würde nun ziemlich viel Zeit darauf verwenden, herauszufinden, welches dieser Themen das meiste Interesse erregen würde. Hierfür müsste dann bei Google Trends analysiert werden, was aktuell geklickt wird und angesagt ist. Ich mache das nicht, ich mache das worauf ich gerade Lust habe. Ist vielleicht nicht wachstumsfördernd, aber es motiviert mich mehr über Dinge zu reden, die mich auch wirklich interessieren.

Skript schreiben

Mit der Entscheidung für ein Thema Entscheidung gehts dann in Notion weiter. Dort schreibe ich nämlich auch das Skript für das Video. Praktisch dabei ist, dass dieses Skript eigentlich der Beitrag für gaming-grounds.de ist. Ich kann damit also zwei Stücke Content gleichzeitig vorbereiten. Einmal der geschriebene Beitrag und einmal die inhaltliche Struktur für das Video. In der Regel versuche ich meine Beiträge in vier Bereiche aufzuteilen:

  1. Motivation für das Thema
  2. Theorie
  3. Praktische Anwendung als Gamer oder als Content-Creator
  4. Zusammenfassung mit meiner Meinung

Abhängig von der Art der Videos, die ihr erstellen möchtet, solltet ihr euch natürlich eine andere Struktur überlegen.

Skript schreiben bei Adam.
Skript schreiben bei Adam.

Als Hardware nutze ich mein 2013er MacBook Pro, weil ich das Skript in der Regel sonntags vor dem Kamin schreibe. Für mich ist das wichtig, da ich zumindest das Leben meiner Familie mitbekomme und nicht abgekapselt im Kellerbüro sitze. Das MacBook ist schon recht alt, was aber auch zeigt, dass man keine 2500 Euro ausgeben muss, um Texte zu schreiben.

Aufnahme

Wenn der Text fertig ist, geht es dann damit am Dienstagabend in die Aufnahme, wofür ich die kostenfreie Software OBS Studio (https://obsproject.com/de) nutze. OBS Studio ist derzeit das Standardprogramm, wenn man Kameraaufnahmen oder aber auch Aufnahmen des Desktops machen möchte. Außerdem kann man verschiedene Szenen wie in einer professionellen Show erstellen und verwenden. Streamer nutzen OBS Studio für ihre Streams auf Twitch und Co.

Aufgenommen wird mit OBS. Das Tool ist äußerst flexibel.
Aufgenommen wird mit OBS. Das Tool ist äußerst flexibel.

Ich werde an dieser Stelle nicht weiter auf die Einstellungsmöglichkeiten von OBS-Studio eingehen, da das natürlich an dieser Stelle zu weit gehen würde.

Für die eigentliche Aufnahme nutze ich als Kamera meine Sony Alpha 6400 gepaart mit einem Sigma 16mm F1,4 Objektiv. Durch die 16mm Brennweite und 1.4F Lichtstärke entsteht ein schöner weiter Blickwinkel und eine super Lichtstärke für Kelleraufnahmen. Die Kamera ist über ein Elgato Cam Link 4K als Webcam angeschlossen, damit ich die Aufnahmen direkt am PC machen kann und nicht erst auf der Kamera aufnehme, um dann die Aufnahme per SD-Karte auf den PC zu übertragen.

Die Kamera (ca. 1000€) inklusive Objektiv (ca 400€) und Cam Link (125€) ist auch der größte und teuerste Posten meiner Hardware. Als preiswerte Alternative empfehle ich entweder die Logitech C922 Webcam (ca. 140€), welche leider durch die aktuelle Corona-Lage teurer geworden ist, oder aber ihr nutzt die Kamera, die sich in eurem Smartphone befindet. Das kostet euch dann keinen zusätzlichen Cent, da ihr das Handy in den meisten Fällen ohnehin schon habt. Wenn ihr mit dem Smartphone oder der Logitech C922 aufnehmen möchtet, rate ich euch dazu, euch mit dem Thema Beleuchtung zu beschäftigen. Mit der richtigen Beleuchtung kann man eine sehr gute Bildqualität für wenig Zusatzkosten erreichen.

Als Beleuchtung nutze ich zwei Neewer LED Videoleuchten, die mit jeweils 90€ zu Buche schlagen. Da ich die direkte Einstrahlung auf mein Gesicht nicht mag, sind die Leuchten gegen die Wand gerichtet und erzeugen so ein für mich persönlich angenehmeres und weicheres Licht.

Neewer 2 Pack Dimmbare Bi-Farbe 480 LED Video Lichtstand Beleuchtung Kit: 3200-5600K CRI 96+ LED Panel mit U Halterung 78,7 Zoll Lichtstand für YouTube Studio Fotografie Video
  • Bausatz beinhaltet: (2) Binärfarbendes LED-Videoleuchte mit U-Halterung, (2) Weißer Diffusor, (2) Netzteil, (2) Netzkabel, (2) Tragekoffer (2) 92-190 Zentimeter Einstellbarer Lichtstand, Hinweis: Batterie ist NICHT enthalten
  • Dimmbares zweifarbiges LED-Licht: Mit 240 weißen und 240 gelben LED-Langzeitbirnen beleuchtet ein variabler Weißabgleich aus Wolfram-Tageslicht 3200-5600K Farbtemperatur; U-Mount Bracket ermöglicht es den Fotografen, den Lichtwinkel entsprechend der Aufnahmeumgebung einzustellen
  • Haltbares Material: Gebildet von der ausgezeichneten Qualitätsaluminiumlegierung, die einfaches elegantes Aussehen zeigt; Kann direkt auf den Lichtständer gestellt werden, Boden oder Schreibtisch; Bietet mehrere AufnahmensLösungen für Ihre Erstellungsarbeit
  • Nützliches Zubehör: Kommt mit einem weißen Diffusor, um das harte Licht zu erweichen; Eine Tragetasche macht es bequem zu tragen und das Licht und andere Zubehör zu speichern
  • Einstellbarer Lichtständer: Aus Aluminiumlegierung, so dass es außergewöhnliche Stärke für schwere Arbeit hat, Höhe reicht von 92 bis 190 Zentimeter; Feste Verriegelungsfunktionen sorgen für die Sicherheit Ihrer Beleuchtungsausrüstung bei der Benutzung

Ich habe auch hier schon günstige Alternativen gesehen, indem man preiswerte LED Leisten vom Baumarkt an die Wand klebt, sodass auch hier ein gutes diffuses Licht entsteht. Das Thema Beleuchtung an sich ist auch eine Wissenschaft für sich, die ich bei weitem auch nicht komplett durchdrungen habe.

Zuletzt nutze ich als Mikrofon mein Rode Procaster (163€), welches an ein Behringer Xenyx 302USB Mixer (43€) angeschlossen ist und ist wohl derzeit meine größte technische Schwachstelle, die irgendwann ausgetauscht werden sollte. Das Rode PSA1 Gelenkarmstativ kostet weitere 79€. Bitte bekommt auch hier keine Panik.

Es gibt gute günstige Ansteckmikrofone für um die 25€, die auch einen guten Sound machen und keine weiteren Zusatzgeräte benötigen. Es wird häufig empfohlen lieber zuerst in die Audio-Qualität, als in die Video-Qualität zu investieren. Wenn ihr euch also etwas anschaffen wollt, dann schaut zunächst, dass euer Sound gut ist und vergeigt es in den Einstellungen nicht so häufig, wie ich das mache. 😀

Schnitt

So, die Aufnahme ist im Kasten. Jetzt gehts ans Schneiden. Hierfür nutze ich wieder eine kostenfreie Software, die es locker mit den kostenpflichtigen Big Playern wie zum Beispiel Adobe´s Premiere Pro aufnehmen kann. Die Rede ist von Blackmagicdesign DaVinci Resolve. Die kostenfreie Variante gibt euch genügend Möglichkeiten tolle Videos zu erstellen und bietet alle Funktionen an, die in der Videoproduktion wichtig sind (Videoschnitt, Übergänge, Animationen, Color Grading, Audiobearbeitung).

Damit im Video auch etwas auf dem Bildschirm passiert, erstelle ich als Unterstützung verschiedene Grafiken. Hierfür nutze ich die Affinity Suite von Serif, die mit Affinity Photo und Affinity Designer sowohl die Landschaft der Pixel-Grafik als auch Vektor-Grafik unterstützt. Derzeit gibt es beide Programme für jeweils 28€ im Rabatt zu haben, wofür ich eine ausdrückliche Empfehlung aussprechen möchte. Die Affinity Suite ist um ein Vielfaches günstiger als Adobe´s Photoshop und Illustrator, steht in dem Funktionsumfang aber zumindest für den Alltagsgebrauch in nichts nach! Zuvor hatte ich mit den gänzlich kostenfreien Tools Gimp und Inkscape gearbeitet aber keine wirklich guten Erfahrungen damit gemacht. Affinty ist die in Summe 56€ mehr als Wert.

Affinity Photo dient zur Bearbeitung.
Affinity Photo dient zur Bearbeitung.

Weiterhin versuche ich durch Hintergrund-Musik etwas mehr Reize für den Zuschauer zu bieten. Das ist eine subjektive Sache und ich denke ich kann mich hier durchaus noch verbessern, um die gewünschte Stimmung noch besser zu erreichen. Als Quelle für meine Musik Nutze ich Streambeats, einer DRM-freien und sich ständig erweiterten Musik-Bibliothek, die es kostenlos auf dem entsprechenden Discord-Server zum Herunterladen gibt.

Hin und wieder spiele ich für mehr Abwechslung mit dem Gedanken ein Abonnement bei https://www.epidemicsound.com/ oder bei https://artlist.io/ abzuschließen, welches mit um die 15€ monatlichen Kosten zu bezahlen wäre.

Titel und Tags

Spätestens jetzt ist der Moment gekommen sich über den Titel und die verwendeten Video-Tags auf YouTube Gedanken zu machen. Normalerweise habe ich bereits vor der Aufnahme eine gute Idee, wie das Video später heißen soll, damit ich im Intro kurz darauf eingehen kann. Bei der Suche nach einem guten Titel nutze ich die Chrome-Erweiterung TubeBuddy. TubeBuddy ist ein Hilfsmittel, welches einen Score zwischen 0 und 100 zur Güte eines Titels mithilfe von Google-Trends und anderen Zaubertricks errechnet.

Wenn euch also manchmal meine Titel etwas in die Irre führen, dann nur, weil TubeBuddy mich dahin gedrängt hat einen Titel zu wählen, der häufiger gesucht wird… alles hat also Strategie! Derzeit nutze ich auch hier die kostenfreie Version, mit der kostenpflichtigen Variante (ca. 12€ / Monat) bekommt man aber die Möglichkeit sich noch mehr empfohlene Video-Tags anzeigen zu lassen.

Eventuell werde ich hierfür demnächst meinen Geldbeutel öffnen. So ganz sicher bin ich mir aber bei der Verwendung dieser Erweiterung nicht, wenn ich den angeblich sehr niedrigen Score anderer viral geganger Video-Titel anschaue.

Der Keyword Explorer dient zur Optimierung der Suchergebnisse.
Der Keyword Explorer dient zur Optimierung der Suchergebnisse.

Thumbnail

Zuletzt kommt jetzt die Erstellung des Thumbnails, also des kleinen Vorschaubildes für YouTube. Hierfür nutze ich auch die Affinity Suite. Der Versuch liegt darin, im Vorschaubild den potentiellen Zuschauer mit etwas zu konfrontieren, was diesen dann zum Klicken anregt. Man sagt zumindest, dass menschliche Gesichter die Wahrscheinlichkeit auf einen Click erhöhen, deshalb sieht man aktuell auch so viele extreme Fratzen in den Thumbnails. Ich finde es allerdings grauenhaft 😀

Nun ja, das Geheimnis hinter einem guten Thumbnail habe ich aber leider noch nicht gelüftet. Sorry.

Nach der Veröffentlichung…

Nun ist das Video erstellt und hochgeladen. Einen Titel und ein Thumbnail hat das Video auch erhalten. Jetzt fehlt der Veröffentlichungstermin. Aktuell scheint es bei mir, dass meine Zielgruppe am wahrscheinlichsten das Video unter der Woche ab 16 Uhr schaut, aber ich denke hier fehlt mir eine genügend große Stichprobe, um das mit Gewissheit sagen zu können.

Sobald das Video aber veröffentlich ist, geht die Qual los, der ständige Drang die Analytics zu Prüfen und zu schauen, wie sich das Video denn so macht. Dieser Prozess ist ziemlich schmerzhaft, weil das gute Gefühl nach der Erstellung des Videos häufig wieder ernüchtert wird. Hier arbeite ich persönlich noch an mir, indem ich zumindest alle Analyse-Tools von meinem Handy verbannt habe, um es mir schwerer zu machen, ständig nachzusehen. Mein Tipp hier: Obwohl es wirklich schwer ist, sich nicht von den Zahlen leiten zu lassen, macht bitte alles was in euerer Kraft liegt, um nicht ständig genau diesen Zahlen ausgesetzt zu sein. Es ist nicht gesund.

Der Leistungsbericht ist informativ, sollte aber nicht ständig im Mittelpunkt stehen.
Der Leistungsbericht ist informativ, sollte aber nicht ständig im Mittelpunkt stehen.

Zusammenfassung

Dies ist mein Prozess, meine Art wie ich meine Videos erstelle. Was die Software angeht, bin ich mit unter 100€ dabei und es ginge tatsächlich auch mit 0€. Bei der Hardware habe ich doch hier und da für eine bessere Qualität investiert. Wenn ihr gerade mit YouTube anfangt, bitte gebt nicht unnötig viel Geld für Hardware aus, schaut erst einmal, ob es euch Spaß macht Videos zu erstellen.

Bei mir haben sich die Dinge über die Jahre hinweg angesammelt und ich zögere immer noch bei jeder neuen Anschaffung und frage mich, ob die Ausgabe das Geld wirklich wert ist.

Habt viel Freude und lernt so viel wie möglich auf eurer Reise als Content-Creator!

Im Video: Wie ihr selbst eure eigenen Videos macht