Verzeiht bitte diesen zu kurzen Titel. Ein Teil fehlt noch. Es müsste nämlich heißen: „Es gibt keine Nintendo Switch Pro und das ist gut so!“

Warum ich denke, dass das so ist und weshalb kein Mensch aktuell 4K im Handheld-Modus braucht, erkläre ich euch in diesem Beitrag. Auch sprechen wir über die neueste Gerüchteküche und das Nintendo Switch OLED Display.


UPDATE: Mittlerweile wissen wir mehr zum OLED-Modell (siehe unten)


Nintendo Switch Pro Hype

Die Nintendo Switch geht gerade ins vierte Jahr. Sie erschien 2017 und war bis heute ein echter Erfolg für Nintendo. Ist der Handheld-Markt damals wegen der Smartphone-Dominanz quasi als tot erklärt worden, zeigte Nintendo, dass man mit einem guten Konzept und qualitativen Spielen trotzdem punkten kann. Bis jetzt feiern etliche Nintendo Switch Spiele große Erfolge in den Verkaufs-Charts.

Als Hybrid-Konsole hat sich die Nintendo Switch durchgesetzt und schreibt noch immer Rekorde. Dennoch scheint manch ein Beobachter starken, technischen Konkurrenzdruck zu verspüren. Noch mehr seitdem Sony und Microsoft die Next Gen-Ära eingeläutet haben. Nun hören wir Marketing-Begriffe wie 4K, 120 FPS, Raytracing und Co. – gehört die Nintendo Switch nun zum alten Eisen?

Diese Specs sucht man natürlich bei Nintendo vergebens. Überhaupt ist Nintendo nicht für absolute High-End-Technik bekannt und war es nie. Mit gesunder Balance und Understatement wurde bereits bei den bisherigen Konsolen auf ein gesundes technisches Mittelmaß gesetzt. Wenn auch der verbaute Tegra-Chip der Switch 2017 ein Statement war, achtete man beim Entwurf der Switch auf mehr als nur bombastische Grafikleistung.

Dies liegt auch an einer anderen Zielsetzung und Zielgruppe. Als Familienunternehmen hat Nintendo ganz andere Dinge im Sinn. Hier geht es zum Beispiel um Komfort, Bedienbarkeit und Niedrigschwelligkeit. Wenn Nintendo also eine Handheld-Konsole baut, dann soll diese auch bezahlbar sein und lange Akkulaufzeiten haben. Dies hingegen sorgt auch dafür, dass man sich gegen manch eine Hardware-Spielerei entscheidet und genau schaut, was wirklich nötig ist.

2017 war dies offensichtlich ein Display mit einer Auflösung von 720p. Doch wie sieht das jetzt aus?

4K braucht kein Mensch

Interessante Einblicke gewährt und zum Beispiel der Statistik-Bereich von Steam. Während die meisten Konsoleros vermutlich mittlerweile mit 4K-fähigen Fernsehern ausgestattet sind, spielen die meisten PC-Spieler immer noch in Full HD (rund 67 Prozent). Durch die Hardware limitiert, entscheiden sich die meisten Spieler offensichtlich noch für eine geringere Auflösung, um so mehr FPS zu bekommen oder mehr Effekte aktivieren zu können.

Doch was hieße es auch, wenn eine Nintendo Switch plötzlich 4K zeigen soll? Ganz einfach: Sie müsste das Neunfache an Pixeln berechnen. Dafür würde es nicht nur einen völlig anderen Chip benötigen als den bewährten Tegra Chip, der Stromverbrauch würde dramatisch steigen, die Thermik würde sich ändern – eine andere Belüftung wäre notwendig (ein dickes Plus an Stromverbrauch und Lautstärke).

Auflösungsvergleich:

aufloesungen vergleich
Hier seht ihr die Auflösungen 720p, 1080p und 2160p im Größenvergleich.

Zumindest der Stromverbrauch wäre ja im angedockten Modus nicht so das Problem und im Handheld-Betrieb könnte man dann ja die Anforderungen herunterschrauben, oder? Jein. Das hieße auch, dass Spiele auf zwei völlig unterschiedliche Setups optimiert werden müssten. Es würde also dazu führen, dass weniger gut optimierte Spiele in einem Modus vielleicht schlechter laufen. Bei einem Unterschied zwischen 720p und 1080p wäre dies vermutlich noch okay, aber nicht bei dem besprochenen Auflösungsunterschied von 720p zu 4K. Allein die grafischen Oberflächen der Spiele müssten darauf perfekt optimiert sein – dabei ist das bei aktuellen Ports ja jetzt schon ein häufiges Problem.

Nehmen wir aber an, es gäbe einen entsprechenden Chip, den man vollkommen kompatibel in die Switch schieben könnte. Der Snapdragon XR2 Prozessor der Oculus Quest 2 zeigt ja, dass man durchaus hohe Auflösungen mobil mit vernünftigem Stromverbrauch berechnen kann. Doch kommen wir zum Speicherbedarf. Um tatsächlich in den vollen Genuss von 4K zu kommen, müssen auch die Texturen in den Spielen eine entsprechende Auflösung haben. Für kantige Pixel Art allein lohnt sich der ganze Aufwand doch gar nicht, oder? Wollen wir also hochauflösende Grafik, dann müssen wir auch entsprechende Texturen anbieten, sonst bleibt außer von glatten Kanten nicht mehr viel übrig vom 4K-Zirkus.

Große Texturen brauchen vor allem eines: Platz. Viel, viel Platz. Das kann man sehen, wenn man mal in Richtung PC und „große Konsolen“ schaut. Da werden die Gigabyte locker im dreistelligen Bereich verschlungen. Auf eine Cartridge passt das eher nicht (die sind bislang auf 32 GB limitiert). Aber immerhin gäbe es ja noch die Möglichkeit, die Spiele ausschließlich digital anzubieten. Dies würde allerdings neue Anforderungen an den internen Speicher stellen. Mit den verbauten 32 GB, von denen rund 25 nutzbar sind, kommen wir nicht weit. Natürlich können wir mittlerweile mit bis zu Terabyte großen SD-Karten für ordentlich Speicher sorgen – die Geschwindigkeit ist allerdings nicht mit aktueller SSD-Technik vergleichbar. Allgemein müssten wir uns auf unangenehm längere Ladezeiten einstellen – mobil ein No-Go.

Fassen wir zusammen. Wir brauchen:

  • einen 4K Bildschirm (wenn wir auch im Handheld-Modus was davon haben wollen)
  • einen 4K-fähigen Prozessor
  • mehr Strom
  • stärkere Kühlung
  • mehr und schnelleren Speicher

Dabei soll es aber noch eine vollständige Kompatibilität zwischen den verschiedenen Konsolen Nintendo Switch, Switch Lite und Switch Pro geben?

Das ist vollkommen unrealistisch. Die Konsole, die wir dort eben skizziert haben, ist keine Switch Pro, das ist eine Nintendo Switch 2. Dafür ist es allerdings noch etwas früh, wir können davon ausgehen, dass Nintendo bestimmt noch mindestens die 6 Jahre vollmachen wird, bis es eine neue Nintendo Konsole geben wird.

Wenn es also angemeldete Patente oder ähnliches gibt, werden diese dann auch eher schon für das Nachfolgemodell sein, als für die aktuelle Nintendo Switch.

Bliebe da noch das neue OLED-Display.

OLED-Display als Revision

Alle wollen von einer Nintendo Switch Pro reden. Was wir hören sind aber Gerüchte über ein OLED-Display. Laut eines Berichtes von den Kollegen bei Bloomberg, soll Nintendo wohl ein OLED-Display mit einer 720p Auflösung bei Samsung bestellt haben. Es ist sogar die Rede von einer Produktion ab Juni.

OLED-Displays haben entscheidende Vorteile gegenüber der herkömmlichen LCD-Displays. Sie haben starke Kontraste, kräftige Farben und verbrauchen auch noch weniger Strom. Schaut man sich das nicht ganz so leuchtstarke aktuelle Display der Switch an, würde dieses Upgrade vollkommen Sinn ergeben. Auch war die OLED-Technik 2017 vermutlich noch nicht Thema und ist nun erst bezahlbar.

Es heißt auch, dass das besagte OLED-Display 7 Zoll statt der bisher verbauten 6,2 Zoll bieten solle (Switch Lite hat ein 5,5 Zoll Display). Möglich wäre dies allein, da das bisherige Chassis tatsächlich einen recht breiten Rand aufweist. Hier ließe sich mit Sicherheit ein größeres Display verbauen.

Ein OLED-Display wäre also mehr als begrüßenswert. Dies würde dann aber eher einer Revision als einer wirklichen „Pro Version“ gleichkommen. Hält man ein Produkt über mehrere Jahre frisch, kann es immer mal vorkommen, dass einzelne Komponente durch gleichwertig, leicht bessere Versionen ausgetauscht werden – so wäre es auch hier. Es würde aber nichts am grundsätzlichen Konzept der Switch ändern.

Das Verkaufsargument der Größe ließe sich zudem gut platzieren. Nintendo hat über die Jahre bewiesen, dass man damit ziemlich gut fährt, wenn man das gleiche Produkt ab und an mal in verschiedenen Größen anbietet. Dazu muss man sich nur mal die Nintendo DS / 3DS Linie anschauen.

Fazit: OLED nehmen wir gerne

Wer würde sie nicht kaufen, die Nintendo Switch mit längerer Akkulaufzeit, größerem und kontrastreicherem Display? Vielleicht bietet sie auch eine 4K-Lite Variante mit einem entsprechendem Upscaling im TV-Modus – das ist nicht so rechenaufwendig, ändert nichts an den Spielen und dem Speicherbedarf und ist sicherlich technisch ebenfalls realisierbar.

Wir dürfen gespannt sein. Wie üblich, gibt es hierzu aber weder von Nintendo noch vom vermeintlichen Display-Hersteller Samsung eine offizielle Bestätigung.


UPDATE: Das Nintendo Switch OLED-Modell kommt tatsächlich

Nintendo Switch OLED-Modell angekündigt mit 7 Zoll Bildschirm und 64 GB