Paukenschlag am frühen Dienstagnachmittag. Wie Szene-Insider und Bloomberg-Journalist Jason Schreier via Twitter berichtet, verlässt der bisherige Präsident von Blizzard Entertainment, J. Allen Brack, das Unternehmen. Diese Meldung bezieht sich selbstverständlich auf den vorangegangenen Skandal und eine Klage gegen die Activision Blizzard Firmengruppierung, über die wir euch bereits berichteten.

So hatte das „Department of Fair Employment and Housing“ in Kalifornien Klage gegen die Entwickler und Publisher diverser namhafter Videospiele erhoben, zu denen beispielsweise World of Warcraft oder Diablo gehören. Bereits im Vorfeld diverser weiterer Schritte hatte sich unter anderem Ex-Mitbegründer von Blizzard Entertainment, Michael ‚Mike‘ Morhaime, ausführlich geäußert und entschuldigt.

„Ich schäme mich“ – Morhaime zu Blizzard-Skandal

Oneal und Ybarra übernehmen

Wie Schreier weiter zu berichten weiß, werden zunächst Jen Oneal und Mike Ybarra als „Co-Leader“ von Blizzard das Ruder in der Firma übernehmen. Der Schritt, dass der bisherige Präsident J. Allen Brack das Unternehmen verlassen muss, sei über eine E-Mail des Activision Blizzard Präsidenten Daniel Alegre kommuniziert worden.

In der Mail, die an die Mitarbeitenden versendet wurden sein soll, wird betont, dass der Schritt neue Möglichkeiten eröffnen soll. Schreier betont weiterhin, dass die wechselnden Titel der Führungspositionen eine wichtige Rolle in der Unternehmenswelt spielen. Während Morhaime noch als „CEO“ betitelt wurde, übernahm Brack als Präsident. Jetzt werden Oneal und Ybarra als „Co-Leader“ (zu Deutsch am ehesten „Doppelspitze“) bezeichnet. Wirklich das Sagen habe allerdings, so Schreier, Bobby Kotick, seines Zeichens aktueller Chief Executive Officer bei Activision Blizzard.

Was ist passiert?

Wer noch immer nicht mitbekommen haben sollte, was bei Activision Blizzard in den vergangenen Tagen seit dem 20. Juli 2021 passiert ist, für den fassen wir es an dieser Stelle noch einmal in aller Kürze zusammen.

Am 20. Juli 2021 erhob das „Department of Fair Employment and Housing“ in Kalifornien eine Klage, in der es hauptsächlich um die (unter anderem finanzielle) Ungleichbehandlung von Frauen in der Firmengruppierung Activision Blizzard geht. Auch sexuelle Übergriffe sind ein Thema. Infolgedessen fanden sich zahlreiche aktive und vor allem ehemalige Mitarbeitende, die sich in sozialen Netzwerken und Foren zu ihren eigenen Erlebnissen bei ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber (Activision) Blizzard äußerten und von vielen weiteren angeblichen Missständen berichteten.

Von Drogen auf der Toilette, über Sex in öffentlich zugänglichen Bereichen, bis hin zu der viel diskutierten „Cosby Suite“, die ein Hotelzimmer gewesen sein soll, auf der sich im Rahmen der BlizzCon 2013 bereits viele Mitarbeitende getroffen und beabsichtigt haben sollen, Frauen für sexuelle Handlungen zu „organisieren“. Dies ist unter anderem in veröffentlichten Chatverläufen nachzulesen, in denen Statements wie „Bring em“ und „You can’t marry ALL of them Alex“ mit der Reaktion „You misspelled fuck“ zu lesen sind.

Die Vorwürfe der sexuellen Übergriffe beziehen sich zum größten Teil auf die Zeit vor der Fusion mit Activision und betreffen hauptsächlich das Team rund um das legendäre MMORPG World of Warcraft. Diesbezüglich stellte sich im Anschluss heraus, dass bereits im vergangenen Jahr der ehemalige WoW Creative Director Alex Afrasiabi aufgrund von „Fehlverhaltens bei der Behandlung von Mitarbeitern“ entlassen worden war.

Am 28. Juli folgte dann eine große Protestaktion, bei der die Belegschaft des kalifornischen Studios, die zuvor zu Tausenden einen offenen Brief gegen das Verhalten der Firmenleitung in Bezug auf die Situation und Vorwürfe unterzeichnet hatte, ihre Arbeitsplätze verließ und sich vor dem Firmensitz versammelte. Auch Mitarbeitende anderer Studios, wie beispielsweise von Ubisoft, beteiligten sich am Protest oder solidarisierten sich zumindest öffentlich mit den Blizzard-Angestellten.

Zwischenzeitlich war der Wirbel um die Vorwürfe gegen Activision Blizzard so groß, dass die Arbeit an einigen Spielen, wie auch World of Warcraft, nahezu komplett zum Erliegen kam. Die Social-Media-Kanäle blieben über Tage still.

Zuletzt äußerte sich beispielsweise auch die globale Non-Profit-Organisation Women In Games zur Situation:

Blizzard-Skandal: Women in Games zu Sexismus in der Games Branche

Die nun erfolgte Kündigung bzw. der Rücktritt von J. Allen Brack ist eine übliche Vorgehensweise bei Vorwürfen in dieser Größenordnung. Die Rolle der „Unantastbaren“ in Führungspositionen soll so angefochten und aufgebrochen werden. Niemand soll aufgrund einer Stellung im Unternehmen „Freiheiten“ aller Art besitzen, ohne dafür belangt werden zu können.

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