Activision Blizzard ist bereits eine ganze Weile von einem schweren Schatten überzogen. Mitte dieses Jahres wurde eine Klage gegen den Spiele-Giganten erhoben, in der es hauptsächlich um die (unter anderem finanzielle) Ungleichbehandlung von Frauen in der Firmengruppierung Activision Blizzard geht. Allerdings war auch die Rede von weitaus schlimmeren Dingen, die sich hinter den Mauern des Unternehmens abspielen sollen. So waren auch sexuelle Übergriffe ein Thema (mehr zur Klage gegen Activision Blizzard). War zunächst erst von solchen Vorgängen im Blizzard-Team die Rede, zieht sich der Skandal nun wahrscheinlich auch durch den gesamten Publisher.

Die öffentliche Diskussion hat bereits zu einer Umstrukturierung im Unternehmen und personellen Änderungen geführt, so verließ der damalige Präsident J. Allen Brack Blizzard und es wurde eine Interimsführung aufgestellt (mehr dazu). So traten Jen Oneal (die mittlerweile schon ihren Abschied von Blizzard zum Jahresende kommunizierte) und Mike Ybarra als Co-Leader an die Führung. Schon zu diesem Zeitpunkt hieß es von Insidern, dass eigentlich ein ganz anderer weiterhin das Sagen haben werde: Activison Blizzard CEO Bobby Kotick.

Erst die Spitze des Eisberges

Nachdem es in den vergangenen Monaten nicht viel Neues zu berichten gab, wurde jetzt genau gegen diesen ebenfalls schwere Anschuldigungen erhoben. Das Wall Street Journal (WSJ) hat kürzlich einen enthüllenden Bericht veröffentlicht, der seine Verhalten weiter beleuchten soll. Darin wird Kotick absolut inakzeptables Verhalten vorgeworfen. Nicht nur, dass er von den Vorwürfen im Unternehmen gewusst haben und es den Investoren bewusst verschwiegen haben soll, es gibt sogar Hinweise darauf, dass er das Leben einer Mitarbeiterin bedroht haben soll. Eine Redakteurin, die für den Artikel verantwortlich ist, schreibt auf Twitter:

„Activision-CEO Bobby Kotick hat einer Mitarbeiterin gesagt, er würde sie umbringen lassen. Er verhinderte, dass eine Führungskraft nach einer Klage wegen sexueller Belästigung entlassen wurde. Er hat seinen Vorstand nicht über angebliche Vergewaltigungen und anderes Fehlverhalten informiert.“

Bobby Kotick richtet sich an Mitarbeiter

Bobby Kotick hat eine Videobotschaft an die Mitarbeiter des Unternehmens gerichtet und findet darin ein paar motivierende Worte. Dabei geht er allerdings nicht konkret auf die Vorwürfe ein, die man gegen ihn erhoben hat. Eine Abschrift davon wurde vom Unternehmen nun veröffentlicht:

„Ich möchte heute mit Ihnen über unsere Zukunft sprechen und meine Überzeugung bekräftigen, dass wir einen möglichst einladenden und integrativen Arbeitsplatz schaffen wollen.
In den letzten Monaten haben so viele von Ihnen großzügig und offen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse darüber geteilt, was für ein Unternehmen sie sich von uns wünschen.

Wir haben sinnvolle Maßnahmen ergriffen, um unser Unternehmen und unsere Kultur zu verbessern. Aber es gibt noch mehr zu tun. Um der vorbildliche Arbeitsplatz zu werden, den wir alle anstreben, sind weitere Veränderungen erforderlich. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dieses Ziel erreichen werden.

Natürlich werden die Medien in den nächsten Monaten weiterhin über uns und unsere Branche berichten. In der Tat gibt es heute einen Artikel, der ein falsches und irreführendes Bild von unserem Unternehmen, von mir persönlich und von meiner Führung zeichnet.

Dazu möchte ich zwei wichtige Dinge sagen:

Erstens haben wir das unglaubliche Glück, die talentiertesten Mitarbeiter in unserer Branche zu haben, die sich alle so sehr für eine ständige Verbesserung einsetzen. Und ich teile dieses Engagement.

Zweitens möchte ich sagen, dass jeder, der an meiner Überzeugung zweifelt, ein möglichst einladender, integrativer Arbeitsplatz zu sein, nicht wirklich versteht, wie wichtig mir das ist.

Kreativität und Inspiration gedeihen am besten in einem sicheren, einladenden und respektvollen Umfeld. Dafür gibt es keinen Ersatz. Und wenn wir unseren Werten ausnahmslos treu bleiben, ist das der beste Weg, um unsere Talente zu halten und neue Talente anzuziehen, die wir brauchen, um unser großes Potenzial auszuschöpfen.

Wie ich bereits deutlich gemacht habe, gehen wir mit einer neuen Null-Toleranz-Politik für unangemessenes Verhalten voran – und Null bedeutet Null. Jedes verwerfliche Verhalten ist einfach inakzeptabel.

Wir haben die Chance, unsere Kultur weiter zu verbessern und das Beispiel zu sein, dem andere Unternehmen folgen werden. Und wir sind so unglaublich glücklich darüber. Die Welt durch Freude und Spaß zu verbinden und zu engagieren ist eine mächtige Mission. Wenn wir dies in einem einladenden, inklusiven Arbeitsumfeld tun, können wir unseren Auftrag mit Bravour erfüllen.

In den letzten Jahren ist unsere Branche in ein unangenehmes Rampenlicht geraten, das uns Möglichkeiten für Veränderungen aufgezeigt hat. Und wir alle, ich eingeschlossen, müssen uns dieser Notwendigkeit des Wandels stellen, damit wir unser Bestes für den besten Arbeitsplatz geben können.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement für eine Kultur des Respekts, Ihre Wertschätzung für die einzigartigen Talente, die jeder von uns besitzt, und dafür, dass Sie für uns alle das beste Arbeitsumfeld schaffen.

Dafür bin ich wirklich dankbar.“

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Mit weiß bekleckster Weste steht Bobby Kotick zusammen mit MitarbeiterInnen beim Veterans Day of Service 2017 vor der Kamera. Quelle: Bobby Kotick (Twitter)

Mitarbeiter enttäuscht über WSJ-Bericht?

Das Unternehmen selbst veröffentlichte zudem ein Statement, in dem sich die Verfassenden augenscheinlich hinter Kotick stellen und ihm den Rücken stärken:

„Wir sind enttäuscht über den Bericht des Wall Street Journal, der ein irreführendes Bild von Activision Blizzard und unserem CEO zeichnet. Auf Fälle von sexuellem Fehlverhalten, die ihm zur Kenntnis gebracht wurden, wurde reagiert. Das WSJ ignoriert wichtige Änderungen, die im Gange sind, um Activision Blizzard zum einladendsten und integrativsten Arbeitsplatz der Branche zu machen, und es berücksichtigt nicht die Bemühungen von Tausenden von Mitarbeitern, die jeden Tag hart daran arbeiten, ihren – und unseren – Werten gerecht zu werden. Der ständige Wunsch, besser zu werden, hat dieses Unternehmen immer ausgezeichnet. Aus diesem Grund haben wir unter der Leitung von Herrn Kotick erhebliche Verbesserungen vorgenommen, einschließlich einer Null-Toleranz-Politik für unangemessenes Verhalten. Und es ist der Grund, warum wir mit unerschütterlichem Fokus, Tempo und Ressourcen vorwärts gehen, um die Vielfalt in unserem Unternehmen und in der Branche weiter zu erhöhen und sicherzustellen, dass jeder Mitarbeiter mit dem Gefühl zur Arbeit kommt, geschätzt, sicher, respektiert und inspiriert zu sein. Wir werden nicht aufhören, bis wir den besten Arbeitsplatz für unser Team haben.“

Activision Blizzard Vorstand steht ebenfalls hinter Kotick

Der Vorstand von Activision Blizzard veröffentlichte ebenfalls eine Erklärung und findet sehr einheitliche Worte:

„Der Vorstand von Activision Blizzard bleibt dem Ziel verpflichtet, Activision Blizzard zum einladendsten und integrativsten Unternehmen der Branche zu machen. Unter der Führung von Bobby Kotick führt das Unternehmen bereits branchenweit führende Veränderungen durch, darunter eine Null-Toleranz-Politik bei Belästigung, ein Engagement für eine signifikante Erhöhung des Anteils von Frauen und nicht-binären Personen in unserer Belegschaft und erhebliche interne und externe Investitionen, um die Chancen für verschiedene Talente zu erhöhen. Der Vorstand ist weiterhin zuversichtlich, dass Bobby Kotick die ihm zur Kenntnis gebrachten Probleme am Arbeitsplatz angemessen angegangen ist.

Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, sind ebenso wichtig wie ehrgeizig. Der Verwaltungsrat vertraut weiterhin auf Bobby Koticks Führung, sein Engagement und seine Fähigkeit, diese Ziele zu erreichen.“

Activision am Abgrund

Der Skandal um die Abgründe innerhalb des Unternehmens machen natürlich auch nicht vor Investoren Halt. So befindet sich der Aktienkurs des Konzerns seit Mitte des Jahres im Sinkflug. Lag die Aktie im Juni noch bei rund 80 Euro, ist diese mittlerweile auf unter 60 Euro gesunken. Auch die Mitarbeiter sind aufgebracht und so steigt der Widerstand und die Streik-Bereitschaft.

Insider Jason Schreier schreibt auf Twitter, dass bereits etliche Mitarbeiter den Rücktritt von Kotick fordern. Der „Walk Out“ der Mitarbeitenden erfolgt als Reaktion auf die neuen Enthüllungen, Anschuldigungen und bisherigen Reaktionen der Akteure. Der Konzern ist in der Meinung der Öffentlichkeit, als auch intern, zersplitterter denn je. Dass sich die strukturellen und organisatorischen Probleme auch auf die Leistung und Qualität der Produkte auswirkt, ist noch einmal ein ganz anderes, aber nicht zu verkennendes Thema, welches wir ebenfalls bereits mehrfach für euch beleuchteten. Man erinnere sich nur an die kürzlichen Verschiebungen, Absagen und missglückten Veröffentlichungen.

Schreier weiter:

„Ich erinnere mich, wie 97 Prozent der Belegschaft einer Firma, für die ich früher gearbeitet habe, dem CEO aufgrund seiner Bosheit und Inkompetenz „Misstrauen“ erklärten. Jedenfalls ist nichts passiert, die Hälfte des Personals ist gegangen oder wurde gefeuert. (Quelle: Twitter)

Eine traurige Entwicklung, erinnern wir uns doch gerne an bessere Zeiten:

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