Kürzlich fand die Oscar-Verleihung statt. Obgleich dies in der Regel eher eine Veranstaltung für Hollywood-Film-Fans ist, gab es in diesem Jahr ein Novum: Die Games-Branche konnte ebenfalls einen Oscar abgreifen. Möglich machte dies das Gespann aus EA, Respawn Entertainment (Apex Legends, Titanfall), Facebook und natürlich den Machern der Kriegsdoku „Colette“. Diese wurde im Rahmen des VR-Spiels Medal of Honor: Above and Beyond gedreht und gewann nun in der Kategorie Bester Dokumentar-Kurzfilm (Academy Award for Best Documentary [Short Subject]). Die Regie führte Anthony Giacchino, produziert wurde Colette von Alice Doyard.

Darum geht es in „Colette“

Der Film zeigt die Geschichte der Widerstandskämpferin Colette Marin-Catherine, einem der letzten überlebenden Mitglieder der französischen Résistance, als sie zum ersten Mal zu den Überresten des KZ Mittelbau-Dora in Nordhausen reist, in dem ihr Bruder während des Zweiten Weltkriegs starb.

Als Colette im Jahr 2019 fertiggestellt wurde, erkannten die Studios den filmischen Wert und die zeitgemäße Botschaft des Films und beschlossen, ihn mit der Welt zu teilen, bevor das Spiel veröffentlicht wird. Der Film feierte seine Premiere auf dem Big Sky Documentary Film Festival im Februar 2020, wo er als Bester Dokumentar-Kurzfilm ausgezeichnet wurde, was ihn für eine Oscar-Nominierung qualifizierte. Das war die erste von mehreren Festivalauszeichnungen. Er hatte auch einen Kinostart im Maysles Documentary Center. In Partnerschaft mit Respawn Entertainment, Electronic Arts und Oculus Studios wurde Colette von The Guardian Documentaries vertrieben, wo er weltweit gestreamt wird. Dies ist der erste Oscar-nominierte Dokumentarfilm, der von einer Spielefirma produziert und von einer Nachrichtenorganisation vertrieben wird.

Die Produktion von Medal of Honor Above and Beyond wurde von Peter Hirschmann geleitet, der bereits den ersten Teil der Serie verantwortete.

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Peter Hirschmann, Respawn:

„Im Kern geht es bei der Medal of Honor-Franchise um Authentizität – die Nutzung der interaktiven und filmischen Natur von Videospielen, um Geschichte auf eine kleine Art und Weise lebendig werden zu lassen. Das waren echte Menschen, die in außergewöhnliche Umstände gedrängt wurden. Es ist eine Ehre und ein Privileg, dabei zu helfen, ihre Geschichten und unser gemeinsames historisches Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren.“

In den 75 Jahren nach Kriegsende hat Marin-Catherine nie einen Fuß nach Deutschland gesetzt, weil sie sich geweigert habe, sich auf irgendeine Form von Trauma-Tourismus einzulassen. Doch nachdem sie eine junge Geschichtsstudentin namens Lucie Fouble kennengelernt hatte, beschloss sie, die beschwerliche Reise anzutreten, um das Andenken an ihren Bruder zu ehren. Es sei eine Geschichte über den Mut, den man braucht, um die eigenen Dämonen zur Ruhe zu bringen – und über die Erlösung, die man in menschlicher Verbundenheit und Mitgefühl finden kann, erklären die Macher.

Filmemacher Anthony Giacchino:

„Wir trafen Colette ursprünglich bei der Suche nach Drehorten in Frankreich. Es war zwingend notwendig, dass wir über die Verwendung von Archivmaterial hinausgehen, weil uns die Zeit davonläuft, diese mündlichen Geschichten zu bewahren. Ob dieser Dokumentarfilm gewinnt oder verliert, wir sind glücklich, Colettes Geschichte gehört zu haben und einen kleinen Teil dazu beigetragen zu haben, einer der letzten Überlebenden der französischen Resistance und allem, wofür sie stand, Heilung zu bringen.“

Colette Stream

Mittlerweile ist der Film auch als freier Stream zu sehen, entweder über die Oculus TV App oder hier von The Guardian documentaries:

Die wahre Heldin der gesamten Produktion ist allerdings Colette selbst, die ihre Geschichte mit uns und unserer Nachwelt geteilt hat. Wie die Zuschauer dieser Dokumentation sehen könne, erfordert Widerstand unbändigen Mut. Doch sich der Vergangenheit zu stellen, kann mindestens genauso schwer sein. Colette nimmt uns mit auf ihre schmerzliche Pilgerreise und erlaubt uns intime Einblicke in ihr Leben. Die Produzenten nennen dies einen wahren Akt der Tapferkeit und des Vertrauens:

„Wir hoffen, dass diese Auszeichnung und die Reichweite des Films bedeuten, dass, wie Colette sagt, die Erinnerung an Jean-Pierre und all jene, die Widerstand geleistet haben, nicht länger in der ‚Nacht und dem Nebel‘ von Dora verloren sind.“

[Anm. d. Red.: Dies bezieht sich auf den „Nacht und Nebel Erlass“ von Adolf Hitler im Dritten Reich zum Verschwindenlassen von Widerstandskämpfern.]


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