Cyberpunk 2077 ist ein Rollenspiel der Extraklasse. Kinderkrankheiten hin oder her, schon jetzt ist klar: der Trip nach Night City gehört zu einen der intensivsten Erfahrungen der Computerspielgeschichte. Dazu trägt nicht nur die NextGen-Grafik bei, wenn ihr als V durch die Stadt streift, merkt ihr geradezu, wie lebendig die Stadt wirkt. An jeder Ecke ist Bewegung, das kybernetische Leben tobt.

Doch so intensiv das Gefühl an euren Bildschirmen ist, es gibt noch eine Steigerung. Selbst wenn ihr komplett auf Ultra und mit besten Raytracing-Einstellungen zockt (siehe: Cyberpunk 2077 Gaming-PC Ratgeber), ihr werdet doch immer diese Abgrenzung verspüren zwischen euch und V. Immerhin erlebt ihr das Spiel auf einem Monitor oder TV-Gerät – das hat ganz natürlich seine physikalisch gegebenen Abmaße und somit Grenzen. Dies wollen wir nun brechen. Wir entführen euch in die Welt von Cyberpunk VR – eine Reise zu einem Spielerlebnis, dass cyberpunkiger eigentlich gar nicht sein könnte.

Cyberpunk VR – intensiv wie nie

Unsere Redaktion hat Cyberpunk bereits rauf und runter gezockt. Während wir ingame etliche Typen getroffen haben, die beinahe mehr Maschine als Mensch waren, kam uns beim Anblick der stylishen Cybervisiere eine Idee. Warum nicht selbst ein bisschen Cyberpunk ausleben? Kurzerhand hatten wir auch schon ein VR-Headset auf dem Kopf.

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Auch wenn Cyberpunk 2077 von Haus aus keine VR-Unterstützung bietet (ein Jammer!), wollten wir unbedingt wissen, wie es sich anfühlen würde, Night City in der Virtuellen Realität zu erleben. Interessanterweise ist das sogar jetzt schon möglich. Vorausgesetzt natürlich, ihr habt die nötige Ausrüstung bei euch zu Hause. Mit dem richtigen VR-Headset ausgestattet, bekommen wir zumindest eine schöne Fake-VR-Version von Cyberpunk 2077 zu Gesicht. Wie das gehen kann, erklären wir euch nun.

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Zauberwort: Curved 2D

Was ihr vielleicht schon von euren Curved Monitoren kennt, was man bei zum Beispiel Racing-Enthusiasten in Form von mehreren Monitoren erblickt oder was manche Spieler durch riesenhaft Fernseher oder Beamer-Projektionen versuchen, dient eigentlich nur dem Bestreben, eine möglichst große Immersion zu schaffen. Die große Kinoleinwand, der „Rundumblick“ sorgen dafür, dass man sich noch mehr „im Spiel“ fühlt.

Es geht mehr: Während diese andere Technik anfänglich noch als Sonderling galt und sich nun durch bessere Geräte erst langsam in die Herzen der Spieler vorkämpft, VR-Gaming bietet aktuell das intensivste Spielgefühl. Losgelöst von den Grenzen eines Monitors erleben wir die Spielwelt in alle Richtungen.

Das erfordert natürlich auch Software, die VR unterstützt. Wie eine Zwischenlösung aussehen kann, das konnte man in den vergangenen Jahren mit Projekten wie Google Cardboard erleben – eine abgespeckte Form des VR, die nur 3DoF (3 Degrees of Freedom) bietet, also auf statische Kopfbewegung limitiert ist. Auch im Streaming-Bereich limitiert man sich manchmal auf 180 statt 360° Videos. Gerade wenn das „Hauptgeschehen“ eh vorne passiert.

Ähnlich können wir auch quasi ein Fake-VR ermöglichen für Spiele, die eigentlich kein VR-Unterstützen. Dazu geben wir das 2D-Bild im virtuellen Raum wieder, können es aber je nach Belieben skalieren und (das ist wichtig) krümmen. Mit diesem Curved Screen haben wir bereits ein ähnliches Ergebnis wie in manchen 180° VR-Videos (auch im Spiel interessiert uns hauptsächlich was vorne passiert).

Cyberpunk 2077 in VR spielen

Wie wir Cyberpunk nun in VR spielen können, hängt ein wenig von unserer Hardware ab. Neben einem VR-Headset brauchen wir auch Software, in der wir den PC-Bildschirm, beziehungsweise das Spielefenster auf dem Headset wiedergeben können. Auch ist es hilfreich, wenn man das Bild dann entsprechend anpassen kann: Größe, Krümmung, Position.

SteamVR – einfache Lösung

In der Regel bekommt ihr diese Einstellungen in SteamVR bereits von Haus aus. Hier könnt ihr auch 2D-Spiele in VR zocken. Ihr befindet euch dann in einem Vorführraum, blickt auf eine große virtuelle Leinwand und könnt auch auf der Projektion hin- und herschauen. Dafür braucht ihr also nur ein SteamVR-kompatibles Headset. Einziger Nachteil: Ihr müsst Cyberpunk 2077 in Steam gekauft haben. Solltet ihr das Game woanders bezogen haben, dann könnt ihr es der Steam Bibliothek zwar als „fremdes Spiel“ hinzufügen, kommt aber nicht in den Genuss des offiziellen SteamVR-Showrooms.

Ohne SteamVR, ohne Kabel

cyberpunk 2077 VR
Hier seht ihr, wie man das Headtracking auch in der 2D-Verison von Cyberpunk 2077 nutzen kann.

Wenn ihr Cyberpunk zum Beispiel bei GOG oder die Retailversion gekauft habt (Letztere nutzt auch nur einen GOG-Key), dann müsst ihr auf die Software eines Drittanbieters ausweichen. Wir haben es zum Beispiel mit der Oculus Quest 2 anders gemacht. Mit diesem Headset könnt ihr, wie auch mit der Oculus Rift | S oder anderen VR-Headsets, auf SteamVR zurückgreifen. Man hat aber auch die Möglichkeit, zum Beispiel über die kostenpflichtige Virtual Desktop App, den PC zu sehen. Das funktioniert dann auf Wunsch auch kabellos.

In dieser großartigen App (sie darf auf jeden Fall nicht in eurer Oculus Quest Bibliothek fehlen, wenn ihr den PC nutzen wollt) könnt ihr eure Software einfach starten und das Bild wie oben beschrieben anpassen. Das heißt, ihr zieht den Screen so groß wie ihr wollt, positioniert ihn entsprechend und krümmt ihn nach Bedarf. Idealerweise macht ihr den Screen größer als euren VR-Viewport, also den sichtbaren Bereich. Das hat den Vorteil, dass ihr auf der Projektion ein wenig Spielraum zum Umschauen habt. Das sorgt für eine deutlich höhere Immersion. Gegebenenfalls passt ihr noch euren FOV-Wert (Field of View) im Spiel entsprechend an. Gesteuert wird in dieser Variante immer noch mit Controller oder Maus und Tastatur – je nach Laune.

Durch den kabellosen Einsatz könnt ihr hier innerhalb eures WLANs auch losgelöst vom PC spielen – vorausgesetzt, euer Wifi gibt entsprechende Bandbreite her – hier nehmt ihr dann den VR-Controller eures Headsets oder koppelt entsprechend ein anderes Gamepad.

vorpX für volles VR

Jetzt haben wir euch von unserer „Fake-VR-Lösung“ erzählt. Eine andere Variante – ebenfalls kostenpflichtig – ist vorpX. Dabei handelt es sich um einen Treiber, den ihr installieren könnt, der das Tracking eures Headsets zur Eingabe nutzt. An SteamVR gekoppelt könnt ihr euch damit dann wirklich (ohne Maus oder Gamepad) mit eurer Kopfbewegung in der Cyberpunk 2077 Welt umschauen. vorpX funktioniert allerdings eher durchwachsen, soll bei Cyberpunk aber einen ganz guten Dienst leisten. Mittels Einstellungsprofilen werden hier etliche Spiele unterstützt, allerdings ist diese nachträgliche VR-Unterstützung nicht immer sinnvoll oder funktioniert nur eingeschränkt. Davon ab gibt das Programm eine gute Vorstellung davon, wie ein Cyberpunk VR aussehen könnte.

Wie genau das wirkt, zeigt euch zum Beispiel der Kanal von VoodooDE VR:

Cyberpunk VR – Warum nicht offiziell?

An dieser Stelle sei uns ein persönlicher Kommentar erlaubt: Es ist sehr schade, dass Cyberpunk 2077 keine native VR-Unterstützung erhalten hat. Das Spiel würde sich wirklich großartig dafür anbieten. Spätestens Half-Life Alyx hat in diesem Jahr bereits bewiesen, dass man „volle Spiele“ darin realisieren kann. Auch Titel wie Star Wars: Squadrons oder No Man’s Sky zeigen, das VR optional eine Bereicherung sein kann. Vermutlich hatte Entwickler CD Projekt Red mit Cyberpunk 2077 genug zu tun und wenig Zeit, sich zusätzlich auf solch einen Meilenstein zu konzentrieren. Einen entsprechenden Modus nachzurüsten wäre aber bestimmt möglich – nach dem anzunehmenden finanziellen Erfolg Cyberpunks dürfte dies zumindest im Budget liegen. Skyrim VR war zum Beispiel auch Jahre nach dem Release noch eine wirkliche Bereicherung.

Dass ein Bedarf besteht, sieht man schon an zum Beispiel dem VR-Fanprojekt, das den Spielern ermöglicht, The Witcher in VR spielen kann. Ein Game wie Cyberpunk würde sehr von dieser zusätzlichen Immersion profitieren und bietet sich durch seine stimmungsvolle Atmosphäre geradezu dafür an.

 


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