Frankfurt. Am heutigen Sonntagnachmittag, 31. März 2019, wurde in Frankfurt vom Deutschen Fußball-Bund die erste eNationalmannschaft offiziell vorgestellt. Nachdem die Gruppen für den anstehenden FIFA eNations Cup in London bereits ausgelost wurden (wir berichteten), war es an der Zeit auch die Spieler bekannt zu geben, die Deutschland im internationalen eSport Wettbewerb vertreten werden. Die Wahl fiel auf das Duo, dass vor wenigen Wochen schon die Klub-Meisterschaft im FIFA eSport für sich entscheiden konnte.

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Es sind also Michael ‚MegaBit‘ Bittner und Mohammed ‚MoAuba‘ Harkous, die am 13. und 14. April in der Gruppenphase gegen Norwegen, Schweden, Argentinien und Brasilien im virtuellen Fußball antreten werden. Damit spielt das Duo nicht mehr nur gemeinsam unter der Flagge der eSports Abteilung des Bundesligisten Werder Bremen, sondern bildet auch die erste offizielle deutsche eNationalmannschaft. ‚MegaBit‘ wird dabei auf der Xbox aktiv, während ‚MoAuba‘ den Part auf der PlayStation übernimmt.

Die Präsentation

„Teamgeist, Emotionen und Spaß“ lautete das Motto, mit der die Kadervorstellung in Frankfurt am Sonntagnachmittag eröffnet wurde. Es war ein Stück Geschichte, welches Stephan Brause, Abteilungsleiter des Kommunikationsmanagements des DFB, um 15 Uhr mit seiner Anmoderation eröffnete.

Es gebe sogar einige Parallelen zur Gründung der ersten deutschen Fußballnationalmannschaft im Jahr 1908, so Brause. Auch damals habe man sich seitens des Vorstandes erst knapp zwei Monate vor dem ersten Länderspiel dazu entschlossen, überhaupt eine Nationalmannschaft zu gründen. Dabei gab es – wie heute in der eNationalmannschaft – noch nicht einmal einen Bundestrainer.

Wenn man heute auf die Entwicklung dieser recht spontan scheinenden Idee zurückblicke, dann könne man auch recht optimistisch sein, was den heutigen Tag angehe. Immerhin könne man auf Millionen Fans und etliche große internationale Titel verweisen. Auch die Gründung der eNationalmannschaft erfolgte laut Brause nun relativ spontan. Erst am 19. Februar habe man die Einladung der FIFA zum eNations Cup bekommen. So musste sich das Präsidium des DFB mit dem Thema auseinandersetzen. Am 15. März wäre dann die Entscheidung gefallen, dass es eine eNationalmannschaft geben wird.

Die Meinung des DFB

Anschließend kam der erste DFB Vizepräsident Rainer Koch zu Wort und erläuterte, wie er die Situation des eFootball sieht und wie es letztlich zur Entscheidung gekommen ist.

„Wir müssen sehen, dass sich die Gesellschaft in den letzten 10, 20 Jahren im Zuge der Digitalisierung unglaublich verändert hat“, sagte Koch in Bezug auf die Thematik eFootball beim DFB.

Es sei für einen solch etablierten Verband nicht immer leicht zu beurteilen, ob man sich neuen Entwicklungen öffnen solle oder weiterhin die bereits etablierten Sportarten ausübe und betreibe. Dennoch habe die Digitalisierung einen Einfluss auf die Freizeitgestaltung der Gesellschaft. „Ich denke, es ist unheimlich wichtig für einen Dachverband des Sports – für den Deutschen Fußball-Bund -,  dass überall wo Fußball drin ist, am Ende auch DFB mit draufstehen sollte. Das ist meine feste Überzeugung“, erklärte er weiterhin. Deshalb werde die eNationalmannschaft als 18. Nationalmannschaft im DFB aufgenommen. Das Herzstück des DFB und der Vereine bleibe weiterhin der Fußball auf dem Rasen, aber auch Beachsoccer, Futsal und eFootball seien feste Bestandteile des Weltfußballs, so Koch.

Ergänzung statt Konkurrenz

Dass der DFB nach DFL und FIFA in Sachen eFootball nachziehe, sei nur eine logische Konsequenz. Eine Konkurrenz sehe Koch zwischen dem „echten Fußball“ und dem „eFootball“ nicht.

„Ich bin überzeugt, ohne jetzt mit Einzelnen gesprochen zu haben, dass ganz viele von denen [eSportler] auch begeistert auf dem Rasen Fußball spielen. Das ist eine Wechselwirkung.“, führte Koch aus.

Auf eine Frage von Moderator Brause antwortet Koch, dass es außer Frage stehe, dass sich der DFB auf die Unterstützung von Fußballsimulationen beschränken werde. Immerhin sei man ein Fußball Verband. Eine Gefährdung sei die neue Entwicklung für die Kernaufgaben der Vereine nicht. Es habe sich noch nie ein junger Mensch daran orientiert, was er in seiner Freizeit machen möchte, was irgendwelche 60-jährigen Funktionäre sagen, erklärt Koch in seiner eigenen Meinung:

„Wenn man ein moderner Verband bleiben möchte, muss man sich immer daran orientieren, was junge Menschen tun. […] Es muss das Miteinander gefunden werden, überlegt werden: Wie können wir das momentane Angebot ergänzen.“

Bedarf gebe es noch auf der regionaleren Ebene des eFootballs. So sei der Stand in den Landesverbänden sehr unterschiedlich. Genau deshalb freue man sich seitens des DFB jetzt voll mit an Bord zu sein. Es reiche nicht einen Ball oder eine Konsole zu kaufen, es bräuchte umfassendere Angebote und man müsse innerhalb der Verbände darauf hinarbeiten, ein echter Dienstleister für die Mitgliedsvereine zu werden und Angebote zu schaffen. „Wenn du Wettbewerbe machen willst, brauchst du auch die Online Unterstützung“, folgerte Koch. Dazu müsse man allerdings noch ein wenig experimentieren.

Die Gründung der eNationalmannschaft und die Förderung des eFootballs, auch über den eNations Cup hinaus, sei ein einstimmiger Beschluss ohne Gegenstimme im DFB Vorstand gewesen, versicherte Koch dem Publikum.

„Riesige Zukunftschance“

Generalsekretär des deutschen Fußbal-Bundes Dr. Friedrich Curtius hatte auch noch ein paar Worte zu sagen, bevor es letztlich an die Kadervorstellung ging. Er sei nach eigenen Angaben Fan aus Überzeugung, Experte würde er sich selbst bei dem Thema nicht nennen. Über seine Neffen habe er aber mitbekommen, wie angesagt das Thema ist. Grundlegend schließt er sich den Aussagen von Rainer Koch an.

„Wir müssen uns als DFB diesem Thema zuwenden. Sonst verschlafen wir die Zukunft“, erklärte auch er.

Man wolle junge Menschen gewinnen, die Begeisterung für das Thema Fußball mitbringen. Egal ob auf dem Rasen oder an der Konsole, so Curtius. Das war beim DFB nicht immer ganz einfach und man hätte diverse Positionen zu berücksichtigen gehabt. Nun habe man sich aber mit voller Überzeugung dazu entschlossen, sich dem Thema zu öffnen.

„Heute ist ein wirklich ganz wichtiger und historischer Tag mit der Präsentation [der eNationalmannschaft]. Aber wir wollen eben vor allem ganz konkrete Angebote schaffen, dass es Wettbewerbe im eFootball auf Landesverbandsebene gibt. Wir haben eine Idee, die wir jetzt auch weiter entwickeln wollen mit einem eDFB Pokal“, kündigt er an. „Es gibt viele Gedanken. Es war ein Weg bis dahin zu kommen. Aber dieses Thema – da sehe ich eine riesen Zukunftschance für den Verband.“

21 Spieler im Kader

Bereits vor der offiziellen Präsentationsveranstaltung habe es ein Kabinengespräch mit dem gesamten, 21 Spieler umfassenden, eNationalteam gegeben. Dabei habe man gemerkt, dass die Spieler genauso stolz seien, wie er selbst, erklärte der Generalsekretär.

Doch warum 21 Spieler? Fußball ist ein Mannschaftssport und diese Philosophie wolle man auch im eFootball weiter verfolgen. Deshalb habe man nicht nur zwei Spieler ausgewählt, um den DFB beim eNations Cup zu vertreten, sondern eben einen ganzen Kader. Einen eBundestrainer gäbe es indes noch nicht. Das sei auch der Kurzfristigkeit der Aktion geschuldet. Auch aus zeitlichen Gründen wurde kein Qualifikationsturnier für die Teilnahme am anstehenden Event in London veranstaltet. Das heiße aber nicht, dass das für immer so bleiben muss.

Bei der Nominierung der Spieler sei nicht nur die reine Leistung zu berücksichtigen, sondern auch die Werte des DFB. Dies sei vor allem Reinhard Grindel, DFB Präsident, ein besonderes Anliegen gewesen. Fairplay und Respekt wären auch im eFootball eine selbstverständliche Grundvoraussetzung.

Der Kader im Detail

Xbox

Das sind die elf FIFA Xbox Nationalspieler für Deutschland. Quelle: DFB

PlayStation

Das sind die zehn FIFA PlayStation Nationalspieler für Deutschland. Quelle: DFB

Die eNationalspieler für London in der Videovorstellung

Wiederholung: Präsentation der eNationalmannschaft für die Team-WM in London

Über FIFA

Auch EA Sports hat mittlerweile den Zeitgeist erkannt und setzt im aktuellen Teil der FIFA Reihe vermehrt auf eSport. Mit der virtuellen Bundesliga, in der 22 von 36 Bundesliga Teams auch auf dem virtuellen Rasen um die Meisterschaft kämpfen, und vielen weiteren Events wächst die kompetitive Ebene von FIFA 19 deutlich. Spielbar ist der Titel auf PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbos One und der Nintendo Switch.

Mehr dazu:

FIFA eNations Cup: Das sind die Gegner der Deutschen

FIFA eSport wächst: Der FIFA eNations Cup™ vorgestellt

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