Überraschende Neuigkeiten gab es gleich zum Monatsbeginn aus dem Hause Google. Hatte der Tech-Gigant im Dezember noch die stolze Expansion des Google Stadia-Dienstes verkündet – es wurden 8 weitere Länder erschlossen – klingt das Stadia-Update nun weit weniger enthusiastisch.

In einem Post im Google-Blog erklärt Stadia-Vice President Phil Harrison, dass die Stadia-Plattform zwar weiter bestehen bleiben solle, man die eigenen Entwicklungs-Bemühungen aber einstellen werde. Google wolle sich nun ausschließlich um den Dienst als solchen und die Zusammenarbeit mit Third-Party Entwicklern konzentrieren. Dieser Entscheidung fällt allerdings auch das Google eigene Studio „Stadia Games & Entertainment“ (kurz: SG&E) zum Opfer. Dessen Team wurde eigens für große Exklusivtitel zusammengestellt, diese werden nun aber nicht mehr kommen.

Google hatte zudem für das eigene Studio auf ein erfahrenes Oberhaupt gesetzt. Mit der kanadischen Spiele-Produzentin Jade Raymond holte sich das Unternehmen einen großen Namen ins Haus, ist sie doch für Titel wie Assassin’s Creed (Ubisoft) und Star Wars: Battlefront II (EA) verantwortlich gewesen. Sie wird SG&E nun allerdings ebenfalls verlassen, das restliche Entwickler-Team soll intern umverteilt werden.

Zu hohes Risiko

Laut Harrison hätte man erkannt, wie aufwendig die Produktion von solchen Spielen ist. Dies würde man nun wohl anderen Studios überlassen. Er verwies in seinem Blog-Post zu dem auf den Cyberpunk 2077 Release. Hat er zwar warme Worte dafür, dass Stadias Stärke besonders darin läge, solche Spiele quasi am Release-Tag auf jeglichem Endgerät spielbar zu machen, hat die Erwähnung gerade dieses Titels allerdings auch einen dezenten Beigeschmack.

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Man könnte sogar vermuten, dass die Entscheidung sich aus der Entwicklung zurückzuziehen und die generelle Risikoeinschätzung von Google gerade von einem Release wie Cyberpunk 2077 geprägt sind, der ja nun alles andere als erfolgreich verlief.

Anfang vom Ende?

Zudem könnte man skeptisch sein, was die Beständigkeit von Google Stadia anbelangt. Unsere großen Tech-Konzerne zeigen schnell Interesse an neuen Betätigungsfeldern, manchmal ebbt dies dann aber auch genauso schnell wieder ab: siehe Microsoft mit der Streaming-Plattform Mixer.

Zu diesem Gedanken kam unter anderem auch Branchenkenner Rod Breslau:

„Google schließt seine internen Stadia-Spielestudios. Genau wie bei Mixer, Google und Microsoft sind beide großartig darin, Hunderte von Menschen davon zu überzeugen, für ihre neue Spieleplattform zu arbeiten, um es dann in den Sand zu setzen und dann alle fallen zu lassen.“

Wenn Google doch nun auf Third-Party setzen will, dann ist es fraglich, ob dies der richtige Weg ist, Werbung für seine neue Gaming-Plattform zu machen. Besondere Bemühungen seitens der Industrie sind bezüglich Google Stadia so wohl nicht zu erwarten. Man kann nur hoffen, dass die Schließung des eigenen Studios nicht erst der Anfang ist.


Quellen: Phil Harrison im Google-Blog; Google Stadia weitet europäische Abdeckung ab; Rod Breslau auf Twitter