Eines der skandalträchtigsten Themen der Woche: Das NEOM Sponsoring für die LEC. Die League of Legends European Championship, ehemals LCS Europe, ist das große E-Sport-Produkt der Verantwortlichen bei Riot Games für das, auch nach über zehn Jahren, weltweit überaus erfolgreiche MOBA LoL in Europa.

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International erfolgreiche Teams und E-Sport-Organisationen wie G2 Esports, Fnatic, SK Gaming, Origen und viele weitere namhafte Mannschaften spielen Woche für Woche um den Stand des besten League of Legends Teams des Kontinents und um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Höher hinaus geht es nicht mehr – und dennoch: Die Liga geriet schon in der Vergangenheit öfter in die Kritik. Der Grund: Moralisch und ethisch fragwürdige Partnerschaften mit Sponsoren, die die Liga zwar mit reichlich Budget versorgten, dafür im Gegenzug aber auch prominente Platzierungen bekamen.

„Was bisher geschah“

Als Beispiel dafür können an dieser Stelle beispielsweise Shell oder Nestlé genannt werden. Während sich eines der weltweit größten Mineralöl- und Erdgas-Unternehmen das „Baron Power Play“ als Platzierung sicherte und „Shell V-Power“ bewarb und zudem als Hauptsponsor für die DACH Premier Tour im Jahr 2019 auftrat, bewarb Nestlé das Schokoladen-Produkt KitKat im Spring Split 2020 so umfangreich, dass das Logo sogar in den In-Game Summoner’s Rift Bannern auftauchte. Auch die Pausen in den Übertragungen der LEC sind von KitKat (Nestlé) gesponsort worden.

Als einer der größten – wenn nicht sogar der größte – Nahrungsmittelkonzern der Welt sorgt Nestlé seit Jahren immer wieder für massive Kritik am eigenen Unternehmen. Viel thematisierte Punkte sind dabei immer wieder die Zusammensetzung der Lebensmittel, die angeblich exorbitant hohe Nutzung von Plastik für die Verpackungen und die angeblich angestrebte Privatisierung von Wasserquellen. So verbot sogar ein US-amerikanisches Gericht in Michigan im Dezember 2019 per Urteil die Bezeichnung „essenzielle öffentliche Dienstleistung“ für „Ice Mountain“-Wasserflaschen.

Auch Shell gerät immer wieder aufgrund von fragwürdigen Vorgehensweisen in die Kritik. So warfen Umweltschützer und Greenpeace dem Unternehmen bereits im Jahr 2011 vor, das wahre Ausmaß der Ölpest in der Nordsee verschwiegen zu haben. Amnesty International forderte indes im Jahr 2017 die Staaten Nigeria, Grossbritannien und Niederlande dazu auf, ein Ermittlungsverfahren gegen Shell einzuleiten. Grund dafür sei „die Verantwortung des Unternehmens für schreckliche Gräueltaten“, zu der Shell die nigerianische Militärregierung im Nigerdelta in den 1990er Jahren ermutigt habe.

NEOM-Deal bringt das Fass zum Überlaufen

Für die oben erläuterten Partnerschaften wurde Riot Games zwar kritisiert, die Lautstärke und Reichweite der Proteste blieben allerdings überschaubar – und von vielen unerhört. Doch am 28. Juli 2020 folgte eine Bekanntgabe des Entwicklers und Publishers hinter weltweit erfolgreichen Videospielen wie League of Legends, Teamfight Tactics oder auch VALORANT, die das Fass der Kritik zum Überlaufen brachte.

So verkündete Riot Games am besagten Tag die Zusammenarbeit mit dem Saudi-Arabischen Konzern NEOM. Die Firma ist ein Großbauprojekt der dort ansässigen Königsfamilie – und demnach sowohl einflussreich als auch regierungsnah. Das Land ist nicht dafür bekannt, viele Werte genauso zu schätzen und zu würdigen, wie es in der westlichen Welt gängig ist. Dies betrifft sowohl die Gleichberechtigung als auch Menschenrechte ganz allgemein. Zudem berichtete der Spiegel erst im Juni 2020 über Vertreibungen, für die das Unternehmen verantwortlich sei, um eine Mega-City errichten zu können.

Es dauerte nur wenige Minuten und Stunden, bis der Shitstorm über die Enthüllung des neuen Sponsors über Riot Games hereinbrach. Wie wir bereits zeitnah berichteten, kamen die laut- und reichweitenstarken Proteste nicht nur aus der Community und den Fans der Spiele, sondern auch aus den Reihen der eigenen Angestellten.

Während sich Hostende, Moderierende, Kommentierende, Spieler und viele weitere Personen aus der Szene im Kontext der Ankündigung „betroffen“, „bestürzt“, „enttäuscht“, „zum Schweigen gebracht“, „beleidigt“ und „deprimiert“ äußerten, wollten einige der deutschen Mitarbeiter der LEC-Produktion die Mitarbeit am Produkt bis auf Weiteres verweigern.

Damit waren sie nicht allein, wie sich im Nachhinein herausstellte. So kommunizierten Teile der internationalen Belegschaft ihre eigeninitativ ergriffenen Mittel nicht öffentlich auf Social Media, trugen ihre Entscheidung aber an das Unternehmen Riot Games intern heran. Das ließ im nachhinein, als Riot Games die Partnerschaft wenige Stunden später bereits wieder beendete, die seit Jahren in der Szene geschätzte Moderatorin Eefje ‚Sjokz‘ Depoortere die Community via Twitter wissen.

Sie schreibt:

„Wir kommunizierten Riot, dass wir uns weigern würden im LEC Broadcast aufzutauchen, bis der Deal rückgängig gemacht ist.

Indiana [Anm. d. Red: Indiana ‚Froskurinn‘ Black – ebenfalls regelmäßig und maßgeblich an der LEC Produktion beteiligt] ist immer die erste, die ALLES für das Richtige auf’s Spiel setzt.“

Sie bezieht sich damit auf einen Tweet der Mitarbeiterin, die sich ebenfalls im Nachhinein öffentlich zu den ergriffenen Mitteln äußerte.

Black schrieb auf Twitter:

Riot reagierte zeitnah

Bereits am 30. Juli 2020 entschied sich Riot Games nach internen Beratungen dazu, den Deal mit NEOM wieder aufzukündigen. Alberto Guerrero, Director of Esports, EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) bei Riot Games, äußerte sich in einer Stellungnahme zu dem Fehltritt, den man sich mit diesem „übereilten Schritt“ geleistet habe.

Demnach habe man versucht, das E-Sport Ökosystem auszubauen und die Partnerschaft deshalb fest gemacht. Dabei seien jedoch „Risse in der Community“ entstanden, die man nicht gewollt habe. Man verpflichte sich nun dazu, die internationalen Strukturen zu überprüfen, um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.

Das vollständige Statement lest ihr im englischen Original und unserer freien Übersetzung im zugehörigen Beitrag:

Riot reagiert: LEC beendet NEOM Partnerschaft

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Über League of Legends

LoL – DAS MOBA neben Dota 2. Weltweit kämpfen Millionen von Spielern in League of Legends täglich darum besser zu werden und in den Ranglisten ganz nach oben zu kommen. Der Titel des Entwicklers Riot Games ist seit Jahren fester Bestandteil der globalen E-Sport Szene. Ligen wie die LEC und LCS oder die jährlich ausgetragene World Championship bieten enorme Preisgelder und werden unter höchst professionellen Bedingungen veranstaltet.

Zuletzt bekam ganz spezifisch die D-A-CH Region mit der Prime League ein neues kompetitives Ligenformat, welches schon in seiner ersten Saison als stärkster nationaler Wettbewerb überhaupt gesehen wird.

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