Momentan ist fast kein Thema auf Twitch so präsent wie das gute alte Pokémon. Insbesondere die Sammelkarten des erfolgreichsten Franchise aller Zeiten haben es den Sammlern, Streamern und Content-Creatorn angetan. Ein Pack Opening jagt das nächste – hier 13.000 Euro für ein Blister, dort 40.000 Euro.

Nachdem der amerikanische Content-Creator Logan Paul den Auftakt machte und selbst noch voll im Thema gefangen ist, sprangen auch in Deutschland immer mehr Personen der Streamer- und Content-Creator-Szene auf den Zug auf. Wir berichteten euch von Trymacs, Papaplatte und Co. die selbst mindestens umfangreiche fünfstellige Summen in ungeöffnete Pokémonkarten investierten, um diese gemeinsam mit ihren Zuschauern im Livestream zu öffnen.

Nicht selten sind zudem, wie zuletzt bei MontanaBlack88, der sich selbst nicht allzu gut mit Pokémon und den zugehörigen Karten auskennt, Experten mit bei den Openings dabei, um sowohl den Investoren als auch den Zuschauern Hintergrundinfos und Einschätzungen zu den frisch geöffneten Booster Packs zu geben.

Während die internationale Szene gerade erst anfängt im Thema Pokémonkarten mitzuspielen, reitet Logan Paul weiter die Vorreiterwelle und investierte kurzerhand zwei Millionen US-Dollar, um weitere ungeöffnete Boxen der Karten aus der ersten Pokémon Generation zu ergattern.

Pokémon-Hype auf neuem Level: Logan Paul investiert Millionen

Inzwischen sind die Pakete, von denen er sechs Stück erwerben konnte, sogar noch weiter im Preis gestiegen. Mit etwa 400.000 US-Dollar pro Blister müsste er bereits wenige Tage nach den Käufen nun schon 2,4 Millionen US-Dollar investieren, um die gleich Menge an Karten zu bekommen.

All die Millionen bald wertlos?

Am gestrigen Mittwoch, 10. Februar 2021 könnte sich allerdings ein einschneidendes Event rund um die boomende Händler- und Sammlerszene ereignet haben. Auch der Hersteller und Rechteinhaber der Karten, The Pokémon Company, ist selbstverständlich längst auf die aktuellen Geschehnisse rund um die eigenen Karten, die teilweise über 20 Jahre alt sind, aufmerksam geworden.

In einem Statement äußert sich das Unternehmen hinter den Karten wie folgt:

„Wir sind uns bewusst, dass einige von Ihnen Schwierigkeiten beim Kauf bestimmter Pokémon Sammelkartenspiel-Produkte haben, da die Nachfrage sehr hoch ist und globale Versandbeschränkungen die Verfügbarkeit beeinträchtigen. Wir verstehen, dass diese Unannehmlichkeiten für Fans enttäuschend sein können, und wir arbeiten daran, sie zu beheben, wo es in unserer Kontrolle liegt.“

Laut The Pokémon Company liegt die mangelnde Verfügbarkeit der Karten also nicht ausschließlich an der hohen Nachfrage, sondern auch an globalen Versandbeschränkungen. Doch insbesondere die Karten der ersten Generation sind – ohne Zweifel – in unvorstellbarem Maße höher nachgefragt als Vorhanden. Dennoch möchten die Verantwortlichen etwas gegen die Knappheit der Pokémonkarten tun.

Im Statement heißt es dazu weiterhin:

„In Situationen, in denen es eine begrenzte Verfügbarkeit gibt, arbeiten wir aktiv daran, mehr der betroffenen Pokémon TCG-Produkte so schnell wie möglich und mit maximaler Kapazität zu drucken, um diese erhöhte Nachfrage zu bedienen. Nachgedruckte Produkte werden voraussichtlich so schnell wie möglich im Handel erhältlich sein.

Für neue Pokémon TCG-Erweiterungen, die in der Zukunft auf den Markt kommen, maximieren wir die Produktion, um die Produktverfügbarkeit bei der Veröffentlichung zu erhöhen, und wir werden die Produkte weiterhin nachdrucken, um den Bestand bei den Einzelhändlern so schnell wie möglich wieder aufzufüllen.

Wir möchten uns bei der Community für ihre anhaltende Unterstützung und Geduld bedanken, während wir daran arbeiten, den Fans mehr Pokémon TCG-Produkte zu liefern.“

Direkt der erste Satz des zweiten Teils ist der alles entscheidende. Man möchte die TCG (Trading Card Game) Produkte nachdrucken, um eine höhere Verfügbarkeit zu gewährleisten. Das dürfte für die Konsumenten, Interessenten und potenziellen Käufer zum einen natürlich ein großer Vorteil und eine willkommene Nachricht sein, für die Sammler, Streamer und Trendsetter allerdings eher nach einer Hiobsbotschaft klingen.

Denn die erste Regel des Marktes kennt ihr sicherlich alle: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Steigt also das Angebot seitens der Pokémon Company, wird automatisch der Preis sinken. Die Verantwortlichen betonen, dass der Nachdruck von Karten mit „maximaler Kapazität“ vollzogen werden soll, sodass der Markt an den im Moment in manchen Segmenten sehr limitierte Pool an Karten schon bald vollkommen überschwemmt werden könnte.

Nostalgie, Spekulation oder doch Glücksspiel?

Die Frage aller Fragen ist in diesem Zusammenhang: Wie groß wird der Hype um die Karten bleiben, wenn die begehrten Glücksgriffe wie etwa die Starterpokémon der ersten Generation Schiggy, Bisasam und Glumanda sowie deren Weiterentwicklungen bis hin zum holografischen Glurak nicht mehr jeweils mehrere Hundert oder Tausend Euro wert sind?

Wie viele Streamer werden dem Thema wirklich aufgrund der Nostalgie und der Leidenschaft am Sammeln treu bleiben und wie viele Zuschauer schalten dann noch ein? Dann wird sich wirklich erst beantworten lassen, wer den Aspekt des Glücksspiels hier im Vordergrund sieht und sich den Pokémon nur aufgrund der momentan extrem hohen Zuschauerzahlen widmet.

Sollte The Pokémon Company die angekündigten Pläne wirklich sehr zeitnah umsetzen können, wird es spannend zu sehen, ob auf Twitch und YouTube reichweitenstarke Persönlichkeiten wie Trymacs, Monte, Papaplatte und Co. noch immer regelmäßig Karten in ihren Streams öffnen und darüber jubeln werden. Irgendwie ist es ja schon cooler 3.000 Euro in der Hand zu halten, als 30. Oder?

Was denkt ihr? Tut The Pokémon Company sich selbst, den Sammlern und Enthusiasten hier einen Gefallen?
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