In unserem neuen Hardware-Check haben wir uns für euch mal das neue RØDE PodMic angeschaut. Dieses auf Broadcasting ausgelegte Mikrofon liegt mit knapp über 100 Euro preislich eher im Einsteigersegment. Was ihr dafür trotzdem erwarten könnt, erfahrt ihr hier.

PodMic Überblick

Der australische Hardware-Herstellter RØDE (oder: Rode) ist ein namhafter Vertreter in der tontechnischen Welt. Als Mikrofonhersteller mischen die Australier schon viele Jahre am Markt mit und konnten sich einen guten Ruf erarbeiten. Besonders in den letzten Jahren hat Rode seine Produktpalette auf den Videobereich ausgelegt. Im Sortiment findet ihr unter anderem die legendäre Mikrofone aus der Videomic-Serie. Diese haben sich als guter Standard etabliert.

Rode hat auch den Markt der Podcaster und Streamer für sich entdeckt. Mit dem VideoMicro hat man schon geraume Zeit einen preisgünstigen Vertreter für Youtube- und Reportage-Filmer am Start. Das PodMic soll jetzt Sprachaufnahmen in Broadcast-Qualität ermöglichen. Angelehnt an das Podcaster (USB) und Procaster, versucht Rode mit dem PodMic eine noch kompaktere Bauweise zu bieten.

Das PodMic ist ein dynamisches Mikrofon mit XLR-Anschluss. Die Mikrofonkapsel weist eine Nierencharakteristik auf und lässt sich in seiner Aufhängung leicht nach oben oder unten schwenken und drehen. Das Mikrofon ist dabei besonders auf Sprache ausgelegt. Das schwarze Gehäuse ist aus Vollmetal und sorgt damit auch für ein entsprechendes Kampfgewicht von fast 1 Kilogramm (937 Gramm). Das sollte man auch bei seinem Setup bedenken, ein starker Mikrofonarm ist hier absolut empfehlenswert (wir benutzen das Rode PSA1). Das PodMic kann durchaus als robuster Bolide beschrieben werden und kann deswegen auch im Alltag sorglos am Schreibtisch hängenbleiben.

Technische Daten

  • Akustischer Wandler: Dynamisch
  • Richtungscharakteristik: Niere
  • Frequensbereich: 20Hz bis 20kHz
  • Anschluss: XLR
  • Ausgangsimpedanz: 320Ω
  • Sensibilität: -57dB
  • Phantomspeisung: nicht notwendig

Das PodMic im Video

Wir haben uns das PodMic für euch einmal angeschaut:

Anwendungsbereich

Wie bereits erwähnt liegt der Hauptanwendungsbereich in der Aufnahme von Stimmen, also Broadcasting, Podcasting und Streaming. Für klassische Videoproduktionen ist das Mic eher nicht geeignet, muss man doch sehr nah an die recht wuchtige Mikrofonkapsel herantreten – das würde im Bild eher stören. In den angegebenen Bereichen spielt das PodMic allerdings seine wahre Stärke aus. Durch die gerichtete Abnahme sind weniger Störgeräusche zu hören. An einem flexiblen Mikrofonarm kann durch die Kippfunktion schnell die ideale Position eingestellt werden. Auch das Gewicht steuert hier begünstigend bei – dadurch könnt ihr das Mikrofon präzise führen, es flutscht aber auch nicht bei jeder Berührung weg sondern bleibt angenehm träge an seinem Platz.

Der eingebaute Popschutz hilft natürlich nicht über einen schlechten Sprechwinkel hinweg, sorgt allerdings dafür, dass ihr keinen extra Schutz vor das Mikrofon hängen müsst. Auch wenn der Trend die letzten Jahre vermehrt nach kristallklaren Kondensatormikrofonen geht, Rode hat den Anwendungsbereich unserer Meinung nach besser erkannt. Als dynamisches Mikrofon habt ihr viel weniger Stress mit lauten Lüftern, klappernden Tastaturen oder rumpligen Tischen. Ein Kondensatormikrofon ist wesentlich sensibler, das mag zwar für einen feineren Sound dienlich sein, macht eine ungestörte Tonabnahme allerdings auch ungemein schwerer. Da das PodMic in der Regel allerdings nicht in akustisch perfekten Umgebungen sondern vor einem Rechner im normalen Wohnraum zum Einsatz kommen wird, dürfte die dynamische Bauweise die bessere Lösung sein.

Qualitative Mikrofone besitzen eine größere Membranfläche. Diese kann den Schall recht natürlich aufnehmen. Im Gegensatz zum Gamingheadset erhaltet ihr hier also definitiv einen akustischen Zugewinn, selbst clicky switches im Keyboard sollten keine zu störenden Nebengeräusche erzeugen und ein kleiner Stoß gegen die Aufhängung verzeiht euch dieses Mikrofon auch. Das macht das PodMic besonders für Streamer und Podcaster zu einem idealen Begleiter.

PodMic Qualität

Das neueste Baby aus dem Hause Rode hat uns wirklich positiv überrascht. Der Hersteller hat nicht zuviel versprochen und gerade für Sprache scheint das Mikrofon geradzu prädestiniert zu sein. Der Frequenzbereich deckt alle dafür nötigen Sprachanteile angenehm linear ab, mit leichten Erhöhungen an den richtigen Stellen – das sorgt für Sprachtransparenz und einen natürlichen Klang. Ihr solltet mit dem Mund möglichst nah an das Mikrofon herangehen, dann erhaltet ihr den bestmöglichen Sound. Das sorgt für wohlige Bässe und Höhen und einen gleichbleibenden Pegel.

Der vom Hersteller angegebene Frequenzgang zeichnet ein anständiges Bild. Quelle: Rode

Als dynamisches Mikrofon ist das PodMic zwar auf keine Phantomspeisung angewiesen, benötigt auf Grund seiner großen Kapsel allerdings einiges an Vorverstärkung (an unserem Interface müssen wir den Poti auf sportliche 50 bis 60 dB hochziehen). Eher als sekundären Faktor für die Qualität wollen wir hier die Entkopplung des Mics nennen. Durch die spezielle Aufhängung, den internen Popschutz und die gerichtete Audioabnahme, habt ihr wirklich wenig Problem mit Nebengeräuschen. Ihr solltet dabei allerdings auf den richtigen Einsprechwinkel achten: nicht direkt auf das Top des Mikros, sondern leicht daran vorbei. So bekommt ihr weniger „Mundgeräusche“ und Atmer mit in die Aufnahme.

Dank der stabilen Aufhängung könnt ihr das Rode PodMic leicht verstellen. Auch Nebengeräusche werden dadurch gut abgefangen. Quelle: gaming-grounds.de

XLR oder USB?

Bei dem PodMic handelt es sich um ein Mikrofon ohne eigenen Analog-Digital-Wandler. Das heißt, ihr erhaltet am XLR-Ausgang ein analoges Signal. Dies braucht, um es in den Computer einzuspeisen, eine Wandlung in digitale Nullen und Einsen. Hierfür benötigt ihr ein entsprechendes Audio-Interface (Soundkarte für den Studiobetrieb). Das solltet ihr unbedingt vor der Anschaffung in Erwägung ziehen, da es mit extra Kosten verbunden ist. Solltet ihr bereits ein Interface besitzen, dann seit ihr ready-to-go. Andernfalls bekommt ihr ein entsprechendes, qualitatives Interface zwischen 50 und 150 Euro. Da der XLR-Standard aus dem Studiobereich kommt, erfordert dies auch ein etwas anderes Hardware-Setup.

Bereits seit vielen Jahren gibt es eine ganze Flut an USB-Mikrofonen am Markt. Diese haben den Vorteil, dass sie selbst als Audiointerface auftreten. Sie nehmen über die Mikrofonkapsel auf, wandeln das Audiosignal direkt im Mikrofon und schicken dies dann per USB-Kabel an den Rechner. Ein entsprechender Soundkarten-Treiber (z. B. Asio) bindet dann alles ans Betriebssystem an. Das funktioniert in der Regel relativ unproblematisch und kann einen guten Einstieg in die Welt des Audio bedeuten. Dies schränkt euch allerdings ein, da ihr euer Setup zukünftig nicht wirklich ausbauen könnt. Zudem hängt euer Kopfhörer dann in der Regel ebenfalls am Mikrofon, da die meiste Software Schwierigkeiten hat, mehrere Interfaces abzugreifen.

Möchtet ihr eure Sprache außerdem über einen speziellen (Hardware-)Signalprozessor (Channel-Strip mit EQ, Compressor, Limiter, Gate, etc.) verbessern, müsst ihr letztlich auf XLR umsteigen. Ihr solltet euch also im Vorfeld überlegen, wie ernst ihr es mit eurem Vorhaben nehmt. Wollt ihr einfach nur schnell in guter Qualität mit der Sprachübertragung einsteigen oder habt ihr in Zukunft vielleicht noch andere Pläne?

Verfügbarkeit

Aktuell gibt es noch erhebliche Lieferengpässe. So hat der Zulieferer viele deutsche Online-Stores seit Ankündigung des Mics im Stich gelassen. Nach etlichen Terminverschiebungen war es letztlich Amazon, das uns mit einem Exemplar versorgen konnte – mit einem ungeplanten Umweg über Italien (Globalisierung sei Dank). Ungefähr ab Mitte des Jahres sollte sich die Situation allerdings gelegt haben, die meisten Stores schreiben aktuell noch lange Wartezeiten aus.

Zusammenspiel mit dem Rodecaster Pro

Mit dem PodMic hat Rode auch das Rodecaster Pro angekündigt. Dabei handelt es sich um ein Audio-Interface mit mehreren Eingängen, welches besonders auf Podcasting mit mehreren Beteiligten ausgelegt ist. An Board ist auch eine softwareseitige Effektsektion, der dafür eingesetzte DSP simuliert einen entsprechenden Signalprozessor (siehe oben). Verbindet ihr das PodMic mit dem Rodecaster Pro verspricht Rode von Haus aus den besten Klang. Ein entsprechendes Preset optimiert den Klang dann nach audiotechnischen Standards. Das klingt interessant und das Gerät sieht auch wirklich vielversprechend aus, mit einem Preis von Mitte 600 Euro sollte man hier allerdings schon Ambitionen im Podcasting-Segment haben, als reines Streaming-Mikrofon ist das sicher nicht notwendig.

Fazit zum PodMic

Rode hat hier ein wirklich hochwertiges Mikrofon zu einem super Preis an den Start gebracht. Besonders gefallen haben uns der „Schritt zurück“ zum Studiostandard XLR. Hier macht der Hersteller alles richtig. Der Streaming-Bereich ist dabei, immer professioneller zu werden, so ist es nur angemessen, dass auch das Hardware-Angebot sich entsprechend ausrichtet. Ein goldig glänzendes USB-Kondensormikrofon in fancy Shape sieht vielleicht schick auf dem Schreibtisch aus, Qualität allerdings erreicht man anders. Dafür braucht es unter anderem flexible Anschlussmöglichkeiten. Doch wie klingt das PodMic denn nun? Wir sagen: richtig gut! Der Sound gibt die Sprache angenehm, aber nicht überzeichnet wieder. Dabei hat es Rode irgendwie geschafft an den richtigen Ecken zu drehen und so klingt die Stimme einfach besser als bei vielen Mitbewerbern. In diesem Preissegment wird das PodMic sich definitiv etablieren, da sind wir sicher.

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Alexander Panknin

Spielejournalist bei gaming-grounds.de
1985 geboren. Mit Doom, Quake und SNES aufgewachsen. War selbst in der Indiegames-Szene aktiv und schreibt nun auf gaming-grounds.de über seine große Leidenschaft: Videospiele.
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