Die ersten zwei Tage des Six Invitationals 2021 sind vorbei und es ist an der Zeit einen Blick auf den bisherigen Verlauf zu werfen. Nachdem am ersten Tag die Gruppe A das Event einleitete, zog am Mittwoch, 12. Mai 2021 die Gruppe B nach. Wir sahen jedes Team mehrmals pro Tag spielen und können einige erste Resultate ziehen.

Interessante Themen sind hierbei die Bewertung des Formats, die technische Umsetzung sowie die Performance der Teams und inwiefern sie den Erwartungen gerecht wurden. Welche Überraschungen gab es? Wer trat genauso auf wie erwartet? Wer könnte bereits am Ende der Gruppenphase das Six Invitational 2021 verlassen?

Überraschend wenig technische Probleme

Wer schon einige offline Events des E-Sports gesehen oder verfolgt hat, der weiß, dass es gerne haufenweise technische Probleme und dem zugrunde liegende zeitliche Verschiebungen und ungeplante Pausen gibt. Besonders Rainbow Six war in den vergangenen Jahren dafür bekannt, dass es bei offline Turnieren häufig zu unvorhergesehenen Problemen kommen kann und in den meisten Fällen war bereits im Vorfeld klar, dass es zu eben jenen kommen wird.

Lange Zeit bedeutete dies für Zuschauer und Spieler, das gefühlt mindestens jedes zweite Match eine Unterbrechung beinhaltete und einen Rehost forderte, der gerne zwischen zehn Minuten und einer halben Stunde in Anspruch nahm.

Glücklicherweise blieben wir davon bislang zu einem Großteil verschont. Es gab kleinere Unterbrechungen, doch lag die Anzahl solcher Vorfälle deutlich unterhalb der Zahlen der vergangenen Jahre. Außerdem waren die Unterbrechungen vergleichsweise kurz, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass das Spiel während der Operator-Pick-Phase in Custom Games seit 2020 pausiert werden kann.

Da das Six Invitational 2021 das erste internationale offline Event seit Februar 2020 ist, sehen wir die Auswirkungen jener noch recht neuen Funktion zum ersten Mal. Die Dauer eines Rehost, der teilweise durch kleinere Probleme und / oder Bugs bei einzelnen Spieler benötigt wird, ist durch besagtes Pausieren deutlich kürzer. Insgesamt scheint die technische Umsetzung der diesjährigen Weltmeisterschaft deutlich besser als die Jahre zuvor.

Verkürzte Unterbrechungen wissen zu überzeugen

Neben kürzeren Rehosts und weniger Problemen sind die parallel und zugleich leicht zeitversetzt laufenden Streams sowie das Format ein Grund dafür, dass das Six Invitational 2021 für Zuschauer deutlich angenehmer zu verfolgen ist, als es häufig in der Vergangenheit der Fall war.

Das Six Invitational 2020 beinhaltete beispielsweise Pausen zwischen einzelnen Matches, die bis zu einer Stunde dauern konnten. Die diesjährige Ausrichtung ermöglicht es Zuschauern jedoch, die Unterbrechungen zwischen den Matches, die unserem Empfinden nach bislang ebenfalls deutlich kürzer ausfallen, mit dem Schauen eines anderen hochklassigen Matches zu füllen.

Zwar liefen verschiedene Begegnungen die vergangenen Jahre auch schon auf verschiedenen Channels, doch war es möglich, dass ein Großteil des Matches auf dem Bravo Stream schon vorbei war, wenn das Match auf dem A-Stream endete. Man wechselte also den Kanal, erhoffte sich die Unterbrechung füllen zu können und nach wenigen Minuten war das dort gezeigte Match ebenfalls vorbei. Was Zuschauer in jenem Szenario auf beiden Channeln sahen, war die Unterbrechung und ein dazugehöriger Bildschirm ohne jegliche Handlung.

Dieses Jahr werden die Zuschauer während solcher Unterbrechungen in das Studio weitergegeben und können durch die Rainbow Six Analysten Statistiken und Fakten über Teams, Spieler oder Matches erfahren sowie die Highlights vorheriger Matches nochmals begutachten. Dazu kommt allerdings, und das gefiel bislang sehr gut, dass es möglich ist zwischen den Streams zu wechseln und die komplette Länge der ohnehin verkürzten Unterbrechung zu überbrücken.

So sieht der Zeitplan am 13. Mai aus:

Zeitplan SI2021 13. Mai
Quelle: Ubisoft

Das äußerst unterhaltsame Format

Ein weiterer Faktor, der uns überraschend gut gefällt, ist das neue Format. In der Regel gilt, dass Best-of-3-Matches nicht nur kompetitiver, sondern auch deutlich unterhaltsamer als Best-of-1-Begenungen sind. Doch bei dem diesjährigen Six Invitational besteht kein Grund zum Nörgeln. Fans können unzählige verschiedene Teams in unzähligen Matches gegen die unterschiedlichsten Kontrahenten sehen.

Nehmen wir Team Liquid als Beispiel. Ein Fan des brasilianschen Rosters sah im vergangenen Jahr drei Bo3-Matches seines Teams gegen insgesamt drei verschiedene Teams – MIBR, Giants Gaming und Ninjas in Pyjamas. Es handelte sich um eine recht starke Gruppe mit dem späteren Vizeweltmeister NiP, jedoch ebenfallls um eine Gruppe, mit drei brasilianschen Teams. Als Team Liquid Fan sah man also zwei Matches gegen Gegner, die man auch im Liga-Alltag hätte sehen können. Anschließend schied das Team aus.

Im diesjährigen Format sehen wir Team Liquid in mindestens neun (!) Begegnungen gegen ebenso viele Gegner. Diese stammen aus allen Regionen und nicht größtenteils aus einer einzigen. Die internationalen Gegner, die es für Liquid in der Gruppe zu schlagen gilt, heißen unter anderem G2 Esports, Cloud9, DarkZero, Team Empire und BDS. Das ist Rainbow Six Unterhaltung pur!

Es kommt allerdings noch besser. So schön es auch für den Fan eines Teams ist, der lediglich dieses eine Team spielen sehen möchte, umso schöner ist es für den neutralen Zuschauer. Jeder kann spannende Matches live im Stream verfolgen, da so viele von jenen sehenswerten Begegnungen stattfinden. Egal um welche Uhrzeit jemand arbeitet, es wird trotzdem Matches geben, die man live verfolgen kann. An freien Tagen oder ähnlichem ist es sogar möglich, den ganzen Tag Rainbow Six auf höchstem Niveau zu sehen. Die Gruppen sind gefüllt mit starken Teams und Matches zwischen besagten Kontrahenten, da bekanntlich jeder gegen jeden spielt. Neutrale Zuschauer können von einer Begegnung zwischen Spitzenteams zur nächsten nahezu nahtlos übergehen.

Verschiedene Wege – G2 Esports und Team Empire

Blicken wir auf die einzelnen Teams – und wie sie sich bislang schlugen – gibt es wenig Überraschungen. Viele Teams, von denen Großes zu erwarten war, zeigten dies auch. Andere Teams galten als Kandidaten für ein mögliches frühzeitiges Ausscheiden und bestätigten den Verdacht. Doch es gab auch einige Vertreter, die irgendwo dazwischen anzusiedeln waren. Wir reden von Teams, die weder zu den Außenseitern noch zu den Favoriten gehören. Zu besagten Rostern zählten im Vorfeld G2 und Team Empire. Die beiden europäischen Vertreter der Gruppe haben eine komplizierte Saison hinter sich.

In unserer Einschätzung der Gruppe A, prognostizierten wir, dass G2 sich eher nach oben orientiert, während Empire aufpassen muss, dass sie nicht in den Tabellenkeller rutschen. Beide Teams performten anders, als wird es erwartet hätten. Team Empire schoss am ersten Tag des Six Invitationals jeden ab. Sowohl BDS als auch Team Liquid kassierten eine überraschende und schmerzliche Niederlage gegen das russische Lineup. Das Team, das in der vergangenen EUL-Stage noch so schlecht auftrat, rang nun die beiden Favoriten der Gruppe nieder.

Für G2 ging es unterdessen gegen Liquids Landsmänner bei Team oNe, FURIA und FaZe Clan. Während gegen FaZe eine Niederlage seitens G2 zu erwarten war, hätten gegen FURIA und Team oNe Siege hergemusst. Beide Begegnungen verlor das europäische Team in der Overtime. So knapp die Matches auch waren, so handelte es sich doch um Niederlagen gegen Teams, die eher dem Tabellenkeller zugeordnet worden wären. G2 steht bereits mit dem Rücken zur Wand.

Nach dem ersten Spieltag führt Team Empire die Tabelle der Gruppe A an:

SI2021 Standings Gruppe A
Quelle: Ubisoft

Brasilien performt und setzt sich durch

Für FURIA und Team oNe bedeuten die Ergebnisse, dass sie äußerst gute Chancen auf ein Weiterkommen haben. Es war klar, dass man keines der beiden Teams unterschätzen sollte, da Lateinamerika momentan die wahrscheinlich stärkste Region ist, doch sind beide Teams tatsächlich stärker als gedacht. Für Siege gegen Team Empire oder BDS reichte es trotzdem nicht, doch sowohl G2 als auch den asiatischen Vertretern der Gruppe gegenüber sollten die Brasilianer erhaben sein. Beide Teams sammelten bereits einen Sieg entweder gegen CYCLOPS athlete gaming (CAG) oder Cloud9.

Nicht zu verachten sind natürlich die Ergebnisse von FaZe Clan und Team Liquid. Letztere verloren zwar überraschend gegen Team Empire, holten am ersten Spieltag jedoch wichtige Siege. Auch die Spieler von FaZe, die zu Beginn eine Niederlage gegen besagtes Liquid Lineup hinnehmen mussten, zeigten im Verlauf des Tages, wozu sie imstande sind. Das bereits erwähnte deutliche Match gegen G2 ist nur eine Hausnummer. Die Zweite war der wichtige Sieg gegen den direkten Kontrahenten DarkZero. Die Nordamerikaner holten den Pflichtsieg gegen CAG und nahmen eine bittere Niederlage gegen BDS hin.

Mkers mischt sich unter die Favoriten

In Gruppe B lernte TSM was es heißt, seine Kontrahenten nicht zu unterschätzen. Ähnlich wie Team Empire startete auch da Team um Fanliebling Beaulo besser als gedacht und zeigte, dass die Bo1-Schwäche ein Mythos ist. Das Team gewann sowohl gegen den Weltmeister Spacestation Gaming als auch gegen Gruppenfavorit MIBR. Doch dann kamen die Mkers. In unserer Einschätzung der Gruppe B warnten wir davor, dass kein Team die Italiener unterschätzen sollte. TSM tat dies scheinbar nach dem eigenen soliden Turnierbeginn und verlor überraschend. Der perfekte Start war dahin.

Weniger überraschend war, das Mkers ebenfalls gegen Parabellum Esports gewann. Sie gingen durchaus als kleiner Favorit in die Partie der Außenseiter und bestätigten dies. Parabellums Chancen auf ein Weiterkommen stehen bereits jetzt sehr schlecht, da Mkers vergleichsweise gut dasteht. Die einzige Hoffung wird ein Sieg gegen Giants Gaming sein, die in den bisherigen Matches ebenfalls kein Land sahen. Beide Kinder des Tabellenkellers mussten bereits eine drastische 7:0 Niederlage hinnehmen.

Der Rest der Gruppe B verlief mehr oder weniger wie erwartet. MIBR machte die Auftaktniederlage gegen TSM wett und holte einen wichtigen Sieg gegen Oxygen Esports ein. Alle anderen Ergebnisse waren sowohl für Spacestation Gaming als auch für MIBR, Oxygen Esports sowie für Ninjas in Pyjamas Pflichtsiege. Die spannendeste Erwähnung ist, dass NiP nicht den gleichen Fehler wie TSM begang und das Match gegen Mkers solide mit 7:4 gewann. Der nächste Spieltag der Gruppe B könnte bereits entscheidend sein.

So sieht die Tabelle der Gruppe B nach dem ersten Spieltag aus:

SI2021 Standings Gruppe B
Quelle: Ubisoft

Wie verläuft der zweite Spieltag der Gruppe A?

Während wir über den ersten Spieltag der zwei Gruppen sprachen, läuft bereits der zweite Spieltag der Gruppe A. Wer noch nicht zum Schauen einiger Matches kam, sollte darüber nachdenken, ob er nicht einige der heutigen Begegnungen rückblickend nachholen möchte. Es gab nämlich bereits spannende Begegnungen, Überraschungen und kleinere Befreiungsschläge.

Wir möchten noch nicht zu viel verraten, falls einige von euch tatsächlich noch Matches des heutigen Tages nachholen werden, aber um einige teasende Aussagen kommen wir nicht herum: Sowohl G2 als auch CAG gelang ein kleiner Befreiungsschlag, dessen Auswirkung durch die Ergebnisse des dirkten Kontrahenten ein wenig geschmälert ausfallen.

DarkZero gelang unterdessen ein wichtiger Erfolg, FaZe und Liquid patzten fatal, BDS perfomte solide und Team Empire ist mit einer kleinen Aussnahme weiterhin in Topform. Besonders Danil Gabov alias ‚JoyStiCK‘ unterstreicht auch am zweiten Spieltag seine bisherige Leistung.

Was denkt ihr, wie es in Gruppe A weitergehen wird? Scheidet G2 Esports aus oder können sie sich noch retten?
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