Eine brandneue Studie, vom deutschen olympischen Sportbund (DOSB) in Auftrag gegeben, soll belegen, dass eSports kein Sport sind. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor. Die Grundlage seien die Dokumente, die der dpa vorliegen sollen. Das Hauptargument sei erneut der mangelnde Bewegungsaspekt, der nicht zum ersten Mal von Gegnern der eSports gebraucht wird. Auftragnehmer der Studie sei der Düsseldorfer Jurist Peter Fischer gewesen, berichtet die faz.

Der Spiegel zitiert in seiner Berichterstattung einen Auszug der Studie wie folgt:

„Der Begriff Sport sei „durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert““

Neue Erkenntnisse?

Neu ist diese Argumentation allerdings nicht. Auch eine Konkretisierung über den Unterschied in den Bewegungsabläufen im eSport und vergleichbaren traditionellen Sportarten mit geringem Bewegungsumfang nimmt die Studie scheinbar nicht vor. Kritiker kontern nach wie vor mit der Frage nach anerkannten Disziplinen wie beispielsweise Darts oder Schach.

Die Studie gibt jedoch auch dem DOSB nicht in allen Standpunkten „recht“. Demnach sei laut Ergebnis eine Trennung innerhalb der eSports – wie beispielsweise in eSoccer und eGaming – rechtlich nicht belastbar. Die Argumentation der fehlenden Bewegung gelte für FIFA genauso wie für League of Legends, Counter-Strike oder alle anderen kompetitiv ausgerichteten Videospiele.

Im Deutschlandfunk äußert sich DOSB Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker zur aktuellen Thematik. Dort erläutert sie die Argumentation und wehrt sich auch gegen Einmischungen aus der Politik. Demnach habe Dorothee Bär, Staatsministerin im Bundeskanzleramt für Digitalisierung, getwittert  „E-Sport ist Sport. So einfach ist das“. Doch eine solche Stellungnahme sei aus der Politik schwierig. Die Autonomie des Sports in Deutschland solle nach Rücker als auch Markus Breuer von der Hochschule Heidelberg auch im Thema eSport nicht angefasst werden. Sport und Politik seien in Deutschland auf ein partnerschaftliches Niveau ausgelegt, heißt es dort weiterhin.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich ESBD Präsident Hans Jagnow bei einer Diskussion mit Sportwissenschaftler Klaus Willimczik im Deutschlandfunk erneut mit vielen Argumenten für den eSports als Sportart ausgesprochen. Nachzuhören ist der knapp 25 Minuten lange Beitrag hier.

Reaktionen zur neuen Studie

Obwohl sich die Redaktion von Gaming-Grounds.de einer Wertung über die DOSB-Studie enthalten möchte, haben wir einige Reaktionen von Akteuren der Szene zusammengetragen. So äußerten sich unter anderem bereits der eSport-Bund Deutschland (ESBD), der game – Verband der deutschen Games Branche und auch ein mitwirkender Akteur auf regionaler Ebene – der eSports Nord e.V. zu den Ergebnissen.

Der ESBD schreibt auf Twitter:

„Während das @DOSB-Rechtsgutachten der ausgerufenen Trennung von eSport widerspricht und für rechtlich unzulässig erklärt, hat es in seinen Ausführungen zu Sportcharakter deutliche Defizite und ist verfassungsrechtlich vor dem Hintergrund des Gleichheitsgrundsatzes problematisch.“

Felix Falk, Geschäftsführer des game, äußert sich wie folgt:

„Das Auftragsgutachten des DOSB macht klar: Die Einheit des eSports ist nicht verhandelbar. Der Sportbund muss jetzt entscheiden, ob er eSports in seiner Breite anerkennen will, so wie es viele Sportvereine längst tun, oder ob er weiter die Augen vor der Zukunft verschließt. Die Politik ist da viel weiter: Auf der gamescom haben sich alle Generalsekretäre der Parteien klar für die Anerkennung von eSports als Sport ausgesprochen und den DOSB vor einer ’schweren Fehlentscheidung‘ gewarnt. Der Bund sollte nicht weiter warten, sondern jetzt seine Zusagen einlösen und die Abgabenordnung anpassen.“

Der eSports Nord e.V. kommentiert auf Facebook:

„Nichts Neues, aber alter Wein in neuen Schläuchen. Der DOSB hat eine Studie in Auftrag gegeben, die wenig überraschend zu dem Schluss kommt, dass eSports kein Sport sei.

Wenn man ganz ehrlich ist, hätte man sich solch eine Studie aufgrund des Auftraggebers auch direkt sparen können. Neutralität oder eine objektive Vorgehensweise darf man dann nämlich nicht erwarten, sondern vielmehr maßgeschneiderte Ergebnisse und auf den Auftraggeber ausgelegte Fragestellungen.

Die Differenzierung zwischen eSports und eGaming zeigt aber vor allem, dass der DOSB seine harte Linie wieder einmal aufgeweicht hat. Wenn FIFA eSports ist, dann auch alle anderen eSports-Titel. Die rechtliche Bewertung ist hier relativ uninteressant, viel wichtiger ist die Implikation bei der Definition: Wenn man gegen eSports als Sport argumentiert, weil zum Beispiel Bewegungsaspekte fehlen würden (was nicht so ist), dann würde dies für ein FIFA genauso gelten wie für ein Counter-Strike. Insofern ist die Ausdifferenzierung zwischen eSports und eGaming des DOSB ein Offenbarungseid, weil die Argumentation des Verbandes in sich zusammenbricht.“

eversity schreibt auf Twitter:

„Laut Rechtsgutachten seitens des DOSB, ist eSport kein Sport! Wir sagen: Rechtlich & fachlich ist dies nur richtig, wenn man die Definition von Sport aus Sicht des DOSB zu Grunde legt & selbst dann kann man behaupten, der DOSB sei seinen eigenen Grundsätzen nicht treu. #eSport

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