Ein Monat ist nun seit dem Early Access Start von Valheim vergangen. Zeit, um eine Bilanz zu ziehen. Valheim hat bei mir etwas geschafft, was schon lange kein Spiel mehr geschafft hat. In nur drei Wochen versank ich über 50 Stunden in Odins Zehnter Welt. Denn das ist Valheim, ein Ort wo wir in Survival-Manier zehn Bosse (bislang sind davon fünf im Spiel) besiegen müssen, um nach Valhalla aufzusteigen. Was hat das Spiel an sich, um mich und Millionen andere Spieler so in den Bann zu ziehen?

Erfolgsgeschichte Valheim

Doch zunächst ein paar Worte zur Entstehungs- und Erfolgsgeschichte, denn diese ist mehr als außergewöhnlich. Das am 2. Februar im Early Access erschienene Spiel hat es binnen weniger Wochen bereits über fünf Millionen Mal über die virtuelle Ladentheke geschafft. Einen solchen Erfolg kennen wir von AAA Produktionen wie zum Beispiel der GTA oder der Assassin’s Creed Reihe, aber eben nicht von einer kleinen Fünf-Mann-Klitsche aus Schweden. Denn genau das ist der Entwickler „Iron Gate“ von Valheim, es ist ein kleines Indie-Studio, welches mit Valheim ihr Debüt-Spiel präsentiert.

Scheinbar haben die Schweden aber doch ein Händchen für erfolgreiche Indie-Spiele, denn schon Minecraft von Mojang wurde seinerzeit von nur einem Entwickler (Markus Persson) programmiert. Wo die Reise für Minecraft hinging, das wissen wir wohl alle ziemlich gut. Kommen wir zurück zu Valheim. Valheim ist im Grunde genommen so etwas wie Ark oder Conan Exiles, feiert aber zur Vorstellung eine wesentlich größere Aufmerksamkeit als die weiteren Genre-Vertreter.

Im ersten Monat konnte Valheim zu Spitzenzeiten um die 500.000 gleichzeitige Spielende verzeichnen, während es Ark im Jahr 2015 in seinen ersten Monaten auf Spitze 80.000 und Conan Exiles sogar nur mühsam auf 50.000 Spielende geschafft haben (https://steamcharts.com/). Und das auch nur für einen kurzen Moment. Valheim ist also deutlich auf Erfolgskurs und dieser Erfolgskurs entwickelt sich spiralartig weiter.

Je mehr Spieler und Spielerinnen neugierig auf das Spiel werden, desto mehr wittern Content-Creator ihre Chance ihre paar Klicks zu ergattern (ja, ich gehöre auch dazu 😋). So entstehen dutzende News-Artikel auf gängigen Spiele-Webseiten, es entstehen Guides zu jedem erdenklichen Problem im Spiel auf YouTube und so ziemlich jeder namhafte sowie nicht namhafte Streamer spielt Valheim in seinen Streams. Folglich erreicht das Spiel noch mehr Spielende, es ist nicht aufzuhalten. Doch genau das muss doch auch einen Grund haben. Woran liegt es, dass Valheim so unglaublich erfolgreich ist?

Welt und Grafik

Es fängt mit der Welt und der Grafik an. Auf den ersten Blick denkt man sich natürlich erstmal, was genau die Absicht der Entwickler hinter der Grafik sein soll. Es ist ein Mix aus Retro-Playstation 1-Look kombiniert mit wunderschönen Licht- und Wettereffekten. Es prallen also Low-Poly 3D-Modelle mit verpixelten Texturen auf aktuelle Pixelshader, die das Endergebnis doch ziemlich schön erstrahlen lassen. Wer in dem Spiel einem Troll über den Weg gelaufen ist, der wird ganz genau wissen, was ich meine.

Valheim geht aber noch einen Schritt weiter. Es erschafft eine Atmosphäre, in der sich der Spieler wohlfühlt. Es ist hübsch und gemütlich. Ich verbringe gerne die Zeit an einem Lagerfeuer, während ich das Knistern des Feuers genieße und zusehe, wie der Rauch durch den selbst konstruierten Kamin abzieht. Wenn ich dann mein gemütliches Heim verlasse, werde ich mit stimmigen Witterungen konfrontiert. Sei es ein peitschender Sturm, der erfrischende Nebel, der sich morgens über die Felder erstreckt oder eben ein klarer Sonnenuntergang, welcher in der Lichtstimmung seinesgleichen sucht.

Während die Genre-Konkurrenz auf eine raue und ungemütliche Umgebung setzt, fühlt sich Valheim eben viel einladender an. Ich verbringe meine Zeit eben lieber an einem gemütlichen, als an einem kargen und desolaten Ort.

Belohnende Gameloop

Valheim ist ein Survival-Game. Und doch straft es uns nicht durch nervige wiederholende Aufgaben wie zum Beispiel Essen und Trinken. Ja, wir können essen, aber das machen wir nur, um Buffs zu bekommen. Das fühlt sich nicht so aufdringlich an, wie bei Conan Exiles oder Ark. Der Fokus liegt auf dem Spielspaß und der Gameloop, die sehr motivierend ist. Eher wie in einem Zelda gibt es verschiedene Biome, die in ihrer Schwierigkeit steigen. Wenn das Grasland recht angenehm und ein perfekter ruhiger Ort für eine Hauptbasis sind, wird es im dunklen Wald schon ungemütlicher und in die Sümpfe und auf die Weiten sollte man sich wirklich nur mit entsprechender Ausrüstung wagen.

Doch das Spiel führt dich über die jeweiligen abwechslungsreichen und fordernden Biombosse zu neuen Möglichkeiten, sodass du immer ein neues Ziel vor Augen hast. Zum Beispiel droppt der Biomboss der Wiesen einen Gegenstand, womit man besser Steine abbauen kann, wodurch man wiederum bessere Gegenstände herstellen kann. Jeder Biomboss schaltet also etwas frei, was einem für das nächst schwierige Biom nützlich sein kann. Wir erlangen neue Materialien, welche zu neuen Rezepten führen, welche uns wiederum auf das was vor uns liegt vorbereitet. Toll finde ich, dass die Art und Weise, wie man Erze bekommt abwechslungsreich gestaltet ist. Zinn ist vereinzelt an Gewässern aufzufinden, während Kupfer im dunklen Wald in großen Vorkommen platziert ist. Eisen wiederum kann man aus Eisenschrott gewinnen, welchen wir in Schlammbergen in den Krypten des Sumpfes finden können.

Der Kampf in Valheim ist nicht außergewöhnliches, die Entwickler machen diesen aber solide genug, um zu funktionieren. Wir blocken mit der rechten Maustaste, schlagen mit unterschiedlichen Waffen auf unsere Gegner ein und nutzen Rollen zum Ausweichen. Doch Vorsicht, alle Aktionen verbrauchen Ausdauer. Das alles gehört zwar zum Standardrepertoire eines Action-Spiels, ich habe aber durchaus schon ganz komische und unbefriedigende Kampfsysteme erlebt, dass ich mit dem Kampfsystem von Valheim durchaus zufrieden bin.

Immersion

Durch das Zusammenspiel der zuvor genannten Punkte entsteht für mich eine Immersion, die ich schon lange nicht mehr hatte. Es ist besonders belohnend die Welt um uns zu Erkunden und Abenteuer zu erleben. Wir stoßen auf kleine Camps von Gegnern, finden mysteriöse Dungeons oder Krypten oder finden verlassene Dörfer, die irgendwie eine Geschichte erzählen. Hier hat mal jemand gelebt. Doch der richtige Knall kommt meiner Meinung nach erst so richtig, sobald wir in einem Boot sitzen und in die unbekannte See stechen. Wir sind ein Wikinger, der in unerforschte Areale aufbricht und erlebt, wie das, was vor uns liegt, ein Abenteuer ist. Wenn wir auf hoher See mit launischen Wetterrichtungen kämpfen müssen, wenn uns ein Sturm plagt, in dem wir darum bangen müssen, nicht Schiffbruch zu erleiden oder wenn wir nachts ganz vorsichtig durch den dichten Nebel schippern, dann fühlen wir uns wie ein Wikinger. Na ja, nicht, dass ich jemals ein echter Wikinger war, aber es fühlt sich auf jeden Fall toll und immersiv an.

Doch Vorsicht: Wenn euch auf euren Erkundungsreisen in weiter Ferner das Ableben ereilt, kann das durchaus frustrierend sein, denn ihr werdet nackt und ohne Ausrüstung in eurem Bett wiederbelebt und manchmal erscheint die Rückeroberung seiner Gegenstände als hoffnungslos. Die Gefahr lauert eben doch überall. Um dieses Problem aber zu meiden, können wir Portale bauen, um schnell zwischen bereits erforschten Gebieten hin und herzuspringen. Habt also immer genügend Materialien parat, um ein Portal zu bauen, wenn ihr der Meinung seid, nun an einer gefährlichen Ecke zu sein. Problematisch finde ich jedoch, dass man durch diese Portale keine Erze transportieren kann. Diese Design-Entscheidung erschließt sich mir noch nicht ganz.

UI, Bauen und Performance

Einziger Wermutstropfen ist für mich das Baumenü, welches noch intuitiver gestaltet werden könnte. Gefühlt umständlich wechseln wir zwischen den Werkzeugen und den möglichen Funktionen, die uns als Bauherr zur Verfügung stehen. Wir müssen zwischen Bauhammer, ob im Reparaturmodus oder Baumodus, der Hacke im Terraforming oder der Spitzhacke zum Abbau von Steinen wechseln, was nicht immer so klappt wie ich mir das wünschen würde. Das Bauen an sich ist durch perspektivische Probleme auch manchmal etwas fummelig und bis man verstanden hat, warum die Dächer immer wieder einstürzen, vergehen auf einige Momente. Kleiner Tipp: Statik ist hier King.

Zuletzt muss ich mich doch noch über die Performance beschweren, gerade wenn ich durch das kleine Dörfchen unseres Servers laufe, merkt man doch noch schwerwiegende Ruckler, was leider ziemlich störend ist, ich hoffe dort wird zukünftig noch etwas nachgebessert.

Es ist noch im Early Access

Für mich sind genau diese genannten Gründe ausschlaggebend für den Erfolg von Valheim. Das Spiel ist seit knapp über einem Monat im Early Access und bereits jetzt war es für mich mehr als die 16 Euro Anschaffungskosten wert. Es fühlt sich jetzt schon besser an, als viele andere Spiele nach richtiger Veröffentlichung. Ich freue mich auf die von den Entwicklern versprochene Roadmap, in der sie neue Biome, neue Gefahren, neue Rezepte und viele Quality of Life Features einbauen wollen.

Valheim: Roadmap für 2021 – Das sind die nächsten Features!

Im Video: DARUM ist VALHEIM so erfolgreich