Twitch sorgt von Zeit zu Zeit mit überraschenden Änderungen für Aufregung in der Community – sowohl unter den Streamenden, als auch unter den Zuschauenden. So gab es insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2020 sehr viele Diskussionen um Entscheidungen, Rechtslagen und Vorgehensweisen.

Erinnern wir uns an den ominösen Bann von DrDisrespect, die automatisch eingeblendete und nicht ausschaltbare Werbung inmitten von Übertragungen oder auch die große Geschichte rund um DMCA und Musiklizenzen, die unter anderem dazu führte, dass etliche Streamer und Streamerinnen sehr viel ihres Contents oder sogar ihre kompletten Aufzeichnungen sowie Clips löschen mussten.

„Ich wollte doch nur ein Shoutout!“

Anfang März 2021, genauer gesagt am gestrigen Montag, 8. März kam ein weiteres Aufreger-Thema hinzu. Der in der Überschrift formulierte Ausruf ist nun tatsächlich eine offizielle Begründung, um ein Channel-Abonnement (auf Twitch: Subscription) für 4,99 Euro, 9,99 Euro oder sogar 24,99 Euro innerhalb von wenigen Minuten ohne Mehrkosten zurückrufen zu können.

Versteht dies nicht falsch: Schon vorher gab es die Möglichkeit getätigte Abo-Abschlüsse zu widerrufen und auch das Geld dafür wiederzubekommen. Diese Frist wurde mit der aktuellen Änderung seitens Twitch sogar von 24 Stunden auf zehn Minuten gesenkt. Für die Content-Creator wird es künftig also sogar einfacher, schnell eine Übersicht über die aktiven Abonnenten des eigenen Kanals zu gewinnen.

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Neu im aktualisierten Sub-Refund-System ist jedoch eine ganz bestimmte Antwortoption, die in Form eines Fragekatalogs gestellt wird, solltet ihr einen Sub wenige Minuten nach dem Abschluss des Abos doch wieder kündigen wollen. Neben Optionen wie „Ich wollte nur für 1 Monat abonnieren“, wenn ihr beispielsweise aus Versehen direkt für ein halbes Jahr abonniert habt oder „Ich habe das Abonnement versehentlich abgeschlossen“ findet sich nun auch die Auswahlmöglichkeit „Ich wollte nur ein Shoutout vom Streamer.“

Das große Problem

Was klingt wie ein verfrühter Aprilscherz, ist nun offensichtlich tatsächlich eine valide Antwortoption, um die Aufmerksamkeit eines Streamers oder einer Streamerin zu bekommen, ohne dafür Geld investieren zu müssen. Dies widerspricht der gesamten Logik hinter dem Subscription-Modell.

Der eigentliche Sinn hinter dem Abonnement eines Kanals sind weder die tollen und lustigen Emotes, noch das Abzeichen neben eurem Namen, wenn ihr im entsprechenden Chat schreibt. Die Subscriptions sind in erster Linie dafür da, um den kostenlos zur Verfügung gestellten Content eines Streamenden zu würdigen und seine oder ihre Arbeit zu unterstützen.

Erfährt ein Content-Creator diese Unterstützung, bedankt er sich im Regelfall namentlich bei dem Nutzer, der die Arbeit unterstützt. Diese Aufmerksamkeit gefällt natürlich auf Twitch.tv vielen Nutzern, doch die Win-win-Situation wird schnell zu einer Win-lose-Situation, wenn die Aufmerksamkeit zwar beim angeblich großzügigen Abonnenten ankommt, die Unterstützung des Contents aber – von Twitch legitimiert – ausbleibt.

Denn die neue Antwortoption tut genau dies: Sie legitimiert ein Verhalten, welches so oder so natürlich auf der Streamingplattform existiert. Nur war es eben zuvor durchgehend als verwerflich angesehen, Subs im Nachhinein als trivialen Gründen zurückzurufen. Niemand wird sich beklagen, wenn ein Abonnement aufgekündigt wird, weil man sich verklickt oder vertan hat, oder einfach nur unaufmerksam war. Deshalb gab es für diese und weitere Gründe auch bislang schon entsprechende Auswahlmöglichkeiten bei der Begründung des Widerrufs.

Aufmerksam gemacht haben auf die Umstellung des Rückgabe-Modells für Abonnements einige Szene-Insider auf Social Media Plattformen, darunter auch eine zuverlässige Quelle für Twitch-Neuigkeiten im deutschsprachigen Raum, Drakon (@DraconTV auf Twitter).

Er schreibt in seinem zugehörigen Post:

War das schon immer ein Feature, dass man bei @Twitch innerhalb von zehn Minuten, nachdem man bei jemanden gesubbt hat, den Sub nativ zurückziehen kann mit voller Erstattung, sodass der Streamer nichts davon hat? Was könnte da nur schiefgehen?“

Im Anschluss bewertet Dracon im Thread unter seinem Tweet die grundsätzliche Änderung seitens Twitch dennoch als positiv. Der Zeitraum, in der die Subs ohne größeren Aufwand refunded, also zurückgegeben werden können, ist von 24 Stunden auf 10 Minuten gesenkt worden. Dies verhindert unter anderem auch, dass sich Stream-Zuschauende Stunden später Gedanken darüber machen, vielleicht doch noch die finanzielle Unterstützung, die man vielleicht aus dem Affekt heraus getätigt hat, wieder zurückzuziehen.

Dass diese Option nun gestrichen ist, dürfte vielen Content-Creatorn ein deutlich sicherere Wahrnehmung über die im Stream erhaltene Unterstützung gewähren und Gedanken im Hinterkopf eliminieren, dass die besagten 24 Stunden ja theoretisch noch immer nicht um sind.

Unklarheit über Ursprungszustand

Der Transparenz halber muss an dieser Stelle auch noch erwähnt werden, dass sich derzeit ein Teil der Diskussion auf den Social Media Kanälen darum dreht, wie genau das Rückgabe-Modell vor der kürzlich vorgenommenen Umstellung ausgesehen hat. Hier finden sich viele widersprüchliche Angaben.

Manchmal taucht die Behauptung auf, dass sich die Antwortmöglichkeit auch vorher schon im Antwort-Katalog befand, sodass die einzige Neuerung die zehn Minuten Frist sei. Auch der vorherige Ist-Zustand darüber, ob und wann der Content-Creator Geld von zurückgezogenen Abos bekam, wird diskutiert.

Fest steht: Seit der Umstellung bekommt der Streamende von einem innerhalb von zehn Minuten zurückgezogenen Abonnement keinen Cent mehr. Dies formuliert Twitch explizit unter der Überschrift in der Kategorie „Abonnement kündigen“.