Nachdem bereits am vergangenen Sonntagabend auf Twitter die Meldung die Runde machte, dass der Multiplayer von Halo Infinite bei der Xbox Anniversary Celebration als Shadow Drop released werden würde, war es am gestrigen Montag, dem 15. November 2021 so weit. Knapp einen Monat vor dem angekündigten Release am 8. Dezember, bei dem die Kampagne des neusten Ablegers des beliebten Franchise veröffentlicht wird, gaben 343 Industries und Microsoft bekannt, dass die erste Season des Halo Infinite Multiplayers (Heroes of Reach) noch am selben Tag startet und der heiß ersehnte Titel ab sofort zum Download zur Verfügung steht.

Mit diesem Schachzug erfüllt Microsoft nicht nur vielen Fans einen Wunsch und entfacht neue mediale Aufmerksamkeit für den Titel, auch Battlefield 2042 wurde damit offiziell der Kampf erklärt. Doch was kann der Halo Infinite Multiplayer wirklich?

Grafik und Sound erzeugen eine ansprechende Atmosphäre

Der Sound in Halo Infinite klingt gut. Er ist geschaffen, um in dem Setting aufzugehen und ein immersives Erlebnis zu haben. Spielerisch könnte die Umsetzung jedoch teilweise besser sein. Es ist zwar möglich, Schritte zu hören und Gegner zu orten, doch gibt es Sounds, die je nach Geschmack störend sein könnten. Passt man den Soundregler an, um jene Effekte nicht mehr zu hören, werden auch die Schritte leiser.

Ist das ein Grund, um das Spiel negativ zu bewerten? Mitnichten. Viele Spiele haben die Soundeinstellung noch nicht optimiert, es ist demnach nicht mal ein Alleinstellungsmerkmal. Hinzu kommt, dass jeder Spieler unterschiedliche Vorstellungen besitzt, wie der Sound in einem Spiel sein muss. Da man es nicht allen recht machen kann, ist jene typische Umsetzung der Soundeinstellungen ein gelungener Kompromiss. Schritte könnten zwar im Vergleich lauter sein und es gibt durchaus Shooter, die das besser machen, doch grundlegend schlecht umgesetzt ist der Sound nicht.

Grafisch erscheint das Spiel solide. Es erfindet das Rad nicht neu, ist jedoch auf einem technisch modernen Stand. Es sieht weder atemberaubend gut noch veraltet aus und erfüllt demnach die Ansprüche eines Spieles aus dem Jahr 2021. Die Texturen sind sauber verarbeitet und grafische Fehler sind uns in den ersten Stunden auch keine begegnet. Des Weiteren schlägt die optische Gestaltung in die gleiche Schiene wie der Sound und trägt zur insgesamt gelungenen Atmosphäre bei. Wie wichtig diese bei einem kompetitiven Shooter ist, sei dahingestellt, doch stimmig wirken die einzelnen Maps dadurch trotzdem.

Halo Infinite Multiplayer Trailer:

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Ausgewogene Maps treffen auf gute Beleuchtung

Die Maps sind ein enorm wichtiger Bestandteil eines jeden PvP-Shooters und verdienen deshalb ihre eigene Beurteilung. Im Fall von Halo Infinite fällt diese positiv aus, da die Maps gut beleuchtet und clean designet sind. Das ist für einen Titel, der eine große Zukunft im E-Sport anstrebt, äußerst wichtig. Ist eine Map zu dunkel oder zu hell, trübt dies nicht nur das Spielerlebnis, es kann die gesamte Karte ruinieren. Für viele Spieler sind beispielsweise zu dunkle Gebäude oder eine blendende Beleuchtung Grund genug, eine Map im kompetitiven Aufeinandertreffen als unspielbar zu betrachten. Ein Negativbeispiel ist das ursprüngliche Design der Rainbow Six Siege Map „Freizeitpark“. Diese war so dunkel, dass ein Teil der Community dort in Jahr 2 des Shooters in benutzerdefinierten Matches „Verstecken-Fangen“ spielten. Einem solchen Fall begegneten wir in Halo Infinite noch nicht. Letztendlich erhielt „Freizeitpark“ übrigens ein deutlich besser belichtetes Rework – Arbeit, die sich 323 Industries nach jetzigem Stand auch in der Zukunft sparen kann.

Des Weiteren sind die Maps „clean“. Das bedeutet, dass dort vollends auf Requisiten verzichtet wurde, die keinen spielerischen Belang haben und ohne tieferen Sinn in der Map herumstehen würden. In manch anderem Spiel platzierten die Entwickler beispielsweise Monitore, Globen oder sonstige Gegenstände auf Tischen, Regalen, etc., welche durch die jeweilige Platzierung – häufig mittig in einem wichtigen Raum – eine unvorteilhafte Position einnehmen. Dies führte bereits in der Vergangenheit dazu, dass sich E-Sportler der jeweiligen Titel in den sozialen Netzwerken lautstark darüber beschwerten und einen E-Sport-Modus forderten, bei dem jene Requisiten nicht vorhanden sind. Die Entwickler von Halo Infinite müssen sich in Zukunft auch hier definitiv nicht mit solchen Forderungen beschäftigen, da die Maps grundlegend ohne solche Designelemente auskommen.

Wie gut die Maps gebalanced sind, können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, das primäre Spielprinzip der Arena scheint jedoch niemandem eine bevorzugte Position zu verschaffen. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn es Angreifer und Verteidiger gäbe und Letztere auf einer Map stets im Vorteil wären. Da eine solche Rollenverteilung in der Arena nicht existiert und jedes Team unter den gleichen Voraussetzungen in eine Partie startet, wird es wahrscheinlich auch in Zukunft keine Diskussion geben, ob eine Map gut gebalanced ist oder nicht.

Halo Infinite Map
Die Maps von Halo Infinite überzeugen durch ein schnörkelloses Design. Quelle: Xbox/ Microsoft

Das Waffen-Balancing: Die neue Bedeutungslosigkeit der Pistole

Auch wenn die Maps voraussichtlich zukünftig keine Probleme mit dem Balancing haben, könnte es bezüglich der Waffen anders aussehen. Es bestand in den ersten Spielstunden der Eindruck, dass besonders die Pistole in älteren Halo-Teilen stärker ausfiel und eine wichtigere Rolle im Gameplay einnahm. Denn: Während sie in der Vergangenheit durchaus eine Alternative darstellte, scheint sie nun zu einer typischen Zweitwaffe degradiert worden zu sein. Wir beobachteten schon jetzt, dass viele Spieler sie zahlreich durch die Power-ups (Power-ups nachfolgend = aufnehmbare Waffen jeglicher Art) austauschten. Das war vor allem dann verwunderlich, wenn das jeweilige Power-up auf einer kurzen Distanz stark, jedoch auf einer langen Distanz schwach performt und damit dieselben Stärken und Schwächen wie das Sturmgewehr aufweist. Viele Spieler entscheide sich demnach gegen ein ausgewogenes Stärken-Schwächen-Verhältnis in der Bewaffnung, weil sie den Nutzen der Pistole gravierend infrage stellen.

Ein weiterer Punkt betrifft die Stärke der Power-ups. Diese schienen generell nicht so lohnenswert zu sein, wie die Bezeichnung „Power-up“ impliziert. Das heißt nicht, dass alle Power-ups überflüssig sind, doch schien die Stärke beziehungsweise die Auswirkungen jener Waffen auf den Verlauf eines Matches nicht so bedeutend wie anfänglich erwartet. Es ist durchaus ohne größere Probleme möglich, einen Gunfight mit dem Sturmgewehr gegen die jeweiligen Power-ups zu gewinnen. Tatsächlich wirkte das Sturmgewehr sogar konstanter, wobei das natürlich zu einem gewissen Grad auch ein subjektives Empfinden ist.

Allgemein lässt sich zu den Waffen und dessen Handhabung sagen, dass sie trotz der obigen Kritik gelungen sind. Das Gunplay weiß zu überzeugen. Es fühlt sich flüssig an und macht in der Handhabung Spaß. Da Halo Infinite sich jedoch nicht nur an die alten Halo-Hasen richtet, sondern auch an junge Spieler, die ohne Halo aufgewachsen sind, sei gesagt, dass das Gunplay typisch Halo ist. Doch was bedeutet das?

Die Veteranen unter euch wird das freuen, doch ein Neuling, der beispielsweise frisch von Call of Duty, Battlefield oder Rainbow Six Siege zu Halo wechselt, weil Infinite erstmals einen free-to-play Multiplayer besitzt, der sollte sich bewusst sein, dass – vereinfacht gesagt – das „Hüftfeuer“ dort eine deutlich größere Rolle spielt. Wem das nicht gefällt und wer sich nicht daran gewöhnen möchte, der wird unter Umständen in Halo Infinite keinen Spaß haben, auch wenn die Gunfights durchaus unterhaltend gestaltet sind. Im Endeffekt kann und sollte sich jedoch jeder seine eigene Meinung darüber bilden, ob er das Gunplay ansprechend findet und es demzufolge eigenständig testen.

Halo Infinite Capture the Flag
Halo Infinite überzeugt in der Arena durch verschiedene Modi wie Capture the flag und Oddball. Quelle: Xbox/ Microsoft

Für wen ist Halo Infinite gedacht?

Halo Infinite richtet sich in erster Linie an Spieler, die einen First-person-Multiplayer-Shooter spielen möchten. Es ist free-to-play, strebt eine große kompetitive Zukunft mit vorab definierten Zielen an und möchte nicht nur Veteranen zum Franchise zurückholen, sondern auch neue Spieler generieren.

Eine Kaufempfehlung ist deshalb ziemlich leicht auszusprechen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, den Multiplayer von Halo Infinite zu spielen, dann tut es. Er ist kostenlos. Entweder gefällt euch, was ihr seht, was ihr spielt oder eben nicht. Das ist eine Frage des subjektiven Geschmacks und die kann keiner für euch beantworten. Das Spiel ist in einem technisch guten Zustand, weist keine Fehler, Abstürze oder Probleme auf und dadurch, dass der Multiplayer free-to-play ist, besteht bei dem Kauf kein Risiko. Ein Abwägen, ob der Preis den Zustand rechtfertigt, ist in dem Fall also nicht nötig.

Ist Halo Konkurrenz für Battlefield?

Auch wenn die Titel sich grundlegend unterschiedlich spielen, Battlefield 2042 und Halo Infinite sind unter anderem First-person-Multiplayer-Shooter und stehen dadurch in direkter Konkurrenz zueinander. Besonders für Battlefield ist ein Release von großer Bedeutung. Die Community scheint immer noch enttäuscht von Battlefield 5 zu sein und eine weitere Enttäuschung könnte dem Franchise unwiderruflichen Schaden zufügen.

Die Momentaufnahme zeigt, dass der Erfolg von BF2042 noch nicht absehbar ist. Einige Spieler sind vollkommen zufrieden und erleben mit 2042 genau das, was sie sich von einem Battlefield wünschen. Andere Spieler sind weniger begeistert, da dem Spiel offensichtlich noch vieles fehlt: Die Performance ist trotz der Hinweise aus der Beta immer noch nicht gut optimiert und zu allem Überfluss leidet es an den heutzutage normalen Kinderkrankheiten eines frisch veröffentlichten Spieles. Spieler beschweren sich über Bugs, Serverprobleme, seltener sogar über Abstürze und andere Kleinigkeiten wie das veränderte Scoreboard. Nicht wenige hoffen deswegen auf den am Ende der derzeit laufenden Early Access Phase folgenden Day One Patch, welcher erscheint, wenn das Spiel letztendlich in den offiziellen Release startet.

Der kurzfristige Release des Halo Infinite Multiplayers schneidet wahrscheinlich bewusst in die Kerbe des möglicherweise guten, möglicherweise schlechten Battlefield Releases, um dem Konkurrenten großen Schaden zuzufügen beziehungsweise um zumindest den Erfolg in Grenzen zu halten. Microsoft dropped in einer Phase zwischen Early Access mit gespaltenen Meinungen und dem offiziellen Release den Halo Infinite Multiplayer, welcher bislang – anders als besagter Early Access Release von Battlefield 2042 – ohne große Kinderkrankheiten und störende Kleinigkeiten verläuft. Das ist nicht nur eine ausgesprochene Kampfansage, das ist ein direkter Schlag ins Gesicht des Konkurrenten.

Konkurrenz zwischen Battlefield und Halo
Belebt die Konkurrenz zwischen Battlefield und Halo das Geschäft? Quelle: Electronic Arts, Xbox/ Microsoft

Wie wirkungsvoll ist dieser Angriff?

Es steht außer Frage, dass der bevorstehende Release von Battlefield 2042 für das Franchise äußerst wichtig wird und es steht ebenso außer Frage, ob der Multiplayer von Halo Infinite gelungen ist. Doch kann dieser Angriff Halos auf Battlefield wirklich so wirkungsvoll sein, wie hier dargestellt? Wahrscheinlich wird er das nicht sein.

Battlefield Fans werden sich das Spiel trotzdem kaufen und es selbst testen. Viele sind bezüglich des finalen Zustandes sogar sehr geduldig, da der Release eines neues Battlefields in der Vergangenheit selten reibungslos verlief. Selbst der hochgelobte vierte Teil hatte mit starken Startschwierigkeiten zu kämpfen und wurde erst durch zahlreiche Patches zu dem beliebten Titel, der er heute ist. Außerdem sind Shooter Spieler häufig flexibel und entgegen der allgemeinen Annahme heutzutage nicht auf ein einziges Spiel festgefahren. Es ist gut möglich, dass viele Spieler beide Spiele mehr oder weniger aktiv spielen. Verstärkt wird diese Vermutung dadurch, dass der Multiplayer von Halo Infinite kostenlos ist. Also können dort auch eingeschworene Battlefield-Fans gelegentlich Zeit investieren, ohne deswegen ihrem Lieblingsshooter direkt abschwören oder ein Risiko beim Kauf eingehen zu müssen.

Der größte Unterschied zwischen den beiden Giganten wird unter Umständen in den kompetitiven Szenen der Titel liegen. Während Halo bereits Monate vor Release Partnerschaften mit den größten E-Sport-Organisationen des Planeten schloss, richtet sich Battlefield eher an Gelegenheitsspieler und jene, die zwar viel und erfolgreich spielen, doch keine kompetitive Karriere anstreben. Auch bei älteren Teilen der Franchises gab es eine große E-Sport-Szene bei Halo und eine in der Regel vergleichsweise kleine bei Battlefield. Das hinderte die Franchises nicht daran, unabhängig voneinander zu wachsen. Dieser Umstand führt uns zu der Annahme, dass auch in der Gegenwart eine Koexistenz beider Titel zu erwarten ist. Weder wird Halo Battlefield vernichten, noch wird Battlefield dem neusten Halo schaden.

Im Endeffekt sind wir alle Gamer und wollen unserem Hobby nachgehen, ohne über die Konkurrenz der Studios nachzudenken. Schaut euch gerne auch den Titel des Konkurrenten eures Lieblingsspiels an, bildet euch eure eigene Meinung und genießt die Zeit. Wenn sich die großen Studios und Publisher in einem Wettrüsten gegenseitig übertreffen wollen, können die Spieler nur gewinnen.


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