Am heutigen Montagabend erreicht uns die nächste krasse Wirtschaftsmeldung aus der Gaming-Industrie. Wie der Szene-Insider und Bloomberg Reporter Jason Schreier auf Twitter vermeldet, steht Sony Interactive Entertainment unmittelbar vor dem Kauf des Entwicklerstudios Bungie, welches man nicht zuletzt von ihrer Arbeit an Destiny kennt.

Beide Parteien hätten gute Arbeit geleistet, dieses Geheimnis so lange wie möglich zu wahren. Mehrere Bungie Mitarbeitende hätten erst über Schreier von dem Deal erfahren. Bungie habe, so Schreier, um 19 Uhr unserer Zeit ein Meeting einberufen, um alle Mitarbeitenden zu informieren. Laut dem Bericht von Bloomberg erfolgt die Übernahme von Bungie durch Sony für 3,6 Milliarden US-Dollar.

Die Meldung folgt nur etwa zwei Wochen, nachdem Microsoft den gigantischen Activision Blizzard Deal angekündigt hat. Dem bisher größten Transfer in der Geschichte der Gaming-Industrie und in Microsofts eigener Historie für 68,7 Milliarden US-Dollar folgen nun weitere Großereignisse. Zuletzt offenbarte Spielepublisher Take-Two Interactive die Übernahme des auf Mobile Gaming spezialisierte Unternehmen Zynga für 12,7 Milliarden US-Dollar.

Jetzt folgt allerdings auch eine direkte Reaktion von Sony. Besonders spannend ist insbesondere der Kauf von Bungie, da das Studio in der Vergangenheit (2000 – 2007) zu Microsoft gehörte und maßgeblich an mehreren Halo Titeln mitarbeitete. Bekannterweise wurde Microsoft im Gaming unmittelbar durch das Halo Franchise erfolgreich. Ursprünglich hatte Bungie also großen Anteil an der Entwicklung von Microsoft in die aktuelle Erfolgsposition. Ab sofort hilft man dem wohl größten Konkurrenten im Gaming – Sony.

Darüber hinaus arbeitete Bungie, noch bis vor wenigen Jahren im Rahmen einer Publishing-Vereinbarung, eng mit Activision Blizzard zusammen, bevor sich auch diese Wege trennten. Man könnte es nahezu eine „wilde“ Entwicklung nennen, dass Activision Blizzard, welches unter anderem mit Call of Duty eines der stärksten PlayStation Franchises besitzt, nun zu Microsoft gehört, während Bungie, welches sowohl zu Microsoft als auch in gewisser Art zu Activision Blizzard gehörte, nun Teil der Sony Familie wird.

Update: Bungie tritt offiziell Sony bei

Nur wenige Minuten nach der Ursprungsmeldung können wir die Übernahme von Bungie durch Sony auch offiziell bestätigen. Bungie äußert sich im Rahmen eines Blogposts auf der eigenen Homepage.

Dort heißt es, dass man etwas Sinnvolles erreichen und das grenzenlose Potenzial von Videospielen nutzen wolle. Um dies umzusetzen, habe man in SONY INTERACTIVE ENTERTAINMENT („SIE“) einen Partner gefunden, der Bungie in allem bedingungslos unterstütze, was man selbst sei. Sony beschleunige die „Vision, generationenübergreifende Unterhaltung zu schaffen“, während man gleichzeitig die kreative Unabhängigkeit des Studios wahre. Bungie ist bereits seit 1991 beständig in der Branche der Spieleentwicklung aktiv.

Jim Ryan soll darüber hinaus in einem Interview mit GamesIndustry geäußert haben, dass der Kauf von Bungie bereits fünf Monate in der Planung gewesen sei und dieser zudem nur der Anfang war. Demnach werde es „weitere Käufe“ durch Sony Interactive Entertainment geben. Welche das sein werden, ist natürlich bislang nicht bekannt. Als eine Reaktion auf Microsofts Mega-Deal sei die heutige Meldung infolgedessen nicht zu verstehen.

Metaversum auch hier im Fokus?

Wie schon beim Kauf von Activision Blizzard durch Sony scheint auch bei Bungies Kauf durch Microsoft ein technisch noch bevorstehender Meilenstein im Fokus zu stehen – das Metaversum. Wie es im Blogpost weiter heißt, seien die Spielewelten, die Bungie bis heute geschaffen hat, nur der Anfang von dem, was man noch erreichen wolle. Die Rede ist konkret von ikonischen Franchises, die „Freunde auf der ganzen Welt, Familien über Generationen hinweg und Fans über verschiedene Plattformen und Unterhaltungsmedien hinweg vereinen“.

Heute beginne die Reise von Bungie, ein globales Multimedia-Unterhaltungsunternehmen zu werden. Nicht ausgeschlossen sei zudem die Ausweitung auf bereits existierende, weitere Unterhaltungsmedien wie etwa Filme oder Serien. Bungie scheint ebenfalls daran interessiert, die eigenen IPs auf jene Bildschirme zu bringen, auf denen Fans diese bisher noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Destiny 2 als Serie? Klingt erstmal spannend!

Mit Sony im Rücken, sei das Potenzial für Bungies Universen unbegrenzt. Einige „Welten“ befänden sich demnach bereits in der Entwicklung und man könne es kaum abwarten, die Ergebnisse mit der Community zu teilen. „Unsere zukünftigen Spiele werden kühne Schritte in für Bungie unerforschte Bereiche wagen, die Grenzen des Möglichen weiter verschieben und immer auf einem Fundament aufbauen, das sinnvolle, lebenslange Freundschaften und Erinnerungen schafft“, so Bungie im offiziellen Statement weiter.

Unabhängigkeit soll gewahrt bleiben

Trotz der Übernahme durch Sony werde Bungie auch in Zukunft unabhängig Spiele publishen und die kreative Entwicklung selbst in der Hand behalten. Dies beziehe sich auch auf die Plattformen, auf der aktuelle und kommende Bungie Spiele angeboten werden. „Unsere Spiele werden weiterhin dort sein, wo unsere Community ist, wo auch immer sie spielen möchte“, heißt es dazu.

Die unmittelbare Veränderung, die man durch die Unterstützung von Sony sehen werde, sei die Beschleunigung beim Ausbau der Teams und der zugehörigen Einstellung neuer Talente. Sowohl für Destiny 2 als auch für „neue Welten“ suche man neue Mitarbeitende.

Keine Exklusivität geplant

Aus dem bereits erwähnten GamesIndustry Interview mit SIE CEO Jim Ryan geht ebenfalls deutlich hervor, dass alle Destiny 2 Fans auch in Zukunft ihre Abenteuer wie bislang erleben können sollen. Eine Plattform-Exklusivität sei nicht geplant. Man verstehe die Wichtigkeit, große Franchises und vor allem Spiele von Bungie weiterhin auf mehreren Plattformen anzubieten.

Man habe in der Vergangenheit Studios organisch aufgebaut, aber auch einige Zukäufe hinter sich, so Ryan. Namhafte Beispiele dafür sind natürlich Naughty Dog (The Last of Us, Uncharted), Guerrilla Games (Horizon), Suckerpunch Productions (Ghost of Tsushima) und nicht zuletzt auch Insomniac Games (Ratchet & Clank). All diesen Studios wolle man weiterhin die Freiheit und Unabhängigkeit geben, um der Kreativität der Teams freien Lauf zu lassen. Gleichzeitig wolle man aber unterstützend hinter diesen stehen, wenn die Hilfe gebraucht werde.

Trotz dieser Aussage waren insbesondere Titel von den genannten Studios oft nur auf PlayStation spielbar. SIE verkaufte weit über 100 Millionen Konsolen, die den Fans erst die Möglichkeit gaben, Spiele wie God of War, Uncharted, The Last of Us, Ghost of Tsushima und weitere zu spielen. „Only on PlayStation“ ist ein Slogan, der noch nicht komplett ausgedient hat. Dennoch öffnet sich Sony immer weiter, was nicht zuletzt daran zu erkennen ist, dass in der näheren Vergangenheit auch erstmals zuvor PlayStation exklusive Spiele auf dem PC verfügbar worden. Unter anderem feierte die God of War PC-Version einen äußerst erfolgreichen Release inklusive Top-Wertungen.