Am gestrigen Montag, 31. Januar 2022, berichteten wir euch über die nächste Hammermeldung aus der Gaming-Industrie. Sony Interactive Entertainment („SIE“) sichert sich 100 Prozent der Anteile des Entwicklerstudios Bungie, welches ihr insbesondere von ihrer Arbeit an Destiny 2 kennen dürftet. Aber auch an den ersten Halo Spielen arbeitete das Studio zu großen Teilen mit. Bei der Übernahme handelte es sich bereits um den dritten großen Coup des Jahres – und es war noch nicht einmal der zweite Monat angebrochen.

„Was bisher geschah“

Neben dem Sony/Bungie-Deal waren auch Take-Two Interactive und vor allem Microsoft bereits auf großer Shopping-Tour. Take-Two übernahm die Mobile Gaming-Profis von Zynga, um sich – offensichtlich – im Mobile Gaming Markt stärker zu etablieren. Neben der starken Position als führender Publisher auf PC und Konsole, soll nun auch auf mobilen Devices vermehrt angegriffen werden. Zu Take-Two Interactive gehören große Firmen und Marken wie Rockstar Games (GTA, Red Dead Redemption), Private Division (Hades, The Outer Worlds) und 2K (Borderlands, Civilization). T2 Mobile Games gehört erst seit Juni 2021 zum Portfolio der Take-Two Publisher. Dort finden sich mit Nordeus, Playdots und Socialpoint „erst“ drei Entwicklerstudios. Das Portfolio wird diesbezüglich nun im Rahmen eines Deals von 12,7 Milliarden Euro deutlich gestärkt:

12,7 Milliarden: Take-Two übernimmt Mobile-Profi Zynga

Der bislang krasseste Deal des Jahres ist allerdings ohne Frage der Kauf von Activision-Blizzard durch Microsoft. Für die unvorstellbare Menge von 68,7 Milliarden US-Dollar wechseln alle Studios, die bisher für Activision-Blizzard gearbeitet haben, inklusive ihres Publishers direkt unter die Führung von Microsoft und Xbox. Eine solche Kaufsumme stellt selbst für den Mutterkonzern Microsoft einen Rekord in der eigenen Firmengeschichte dar. Der bislang teuerste Zukauf stammte aus dem Jahr 2016 – LinkedIn. Für das größte berufliche Netzwerk der Welt (über 774 Millionen Mitglieder in mehr als 200 Ländern und Regionen) zahlte man rund 26 Milliarden US-Dollar.

Die letzte große Schlagzeile in Bezug auf Transaktionen im Gaming liegt bei Microsoft allerdings auch noch nicht sonderlich weit zurück. Erst im September 2020 machte die Industrie große Augen, als Bethesda inklusive aller acht beteiligten Studios für 7,5 Milliarden US-Dollar den Besitzer wechselte und die Anzahl der Entwicklerteams, die für Microsoft arbeiten, von 15 auf 23 steigen ließ. So richtig „groß“ wurde Microsoft im Gaming vor allem durch das Halo Franchise, an dem in den frühen Stunden vor allem das damals noch zu Microsoft gehörende Bungie einen entscheidenden Anteil hatte. Das gleiche Bungie, welches seit gestern offiziell im Konkurrenztrikot von Sony spielt.

War Bungie erst der Anfang?

Mit dieser Überleitung widmen wir uns wieder den aktuellen Ereignissen und vor allem einem Satz, der im Rahmen eines Interviews von GamesIndustry mit PlayStation CEO Jim Ryan gefallen ist und ziemlich wichtig für die nähere Zukunft sein könnte. Der entscheidende Abschnitt ist zugleich das Schlusswort des Interviews. Dieser lautet wie folgt:

„Wir sollten unbedingt mehr erwarten. Wir sind noch lange nicht fertig. Mit PlayStation haben wir noch einen langen Weg vor uns. Ich persönlich werde viel Zeit mit Pete und dem Team von Bungie verbringen, um dafür zu sorgen, dass alles richtig läuft und dass Autonomie auch Autonomie bedeutet. Aber auch in anderen Bereichen der Organisation haben wir noch viel zu tun.“ – Jim Ryan, SIE CEO

Neben der Stärkung der Aussage, dass Bungie auch zukünftig – trotz der vollständigen Übernahme der Anteile durch Sony Interactive Entertainment – wirklich unabhängig arbeiten können soll, lässt er mehr als nur zwischen den Zeilen durchblicken, dass PlayStation noch weitere „Eisen im Feuer“ hat, die wir wohl in absehbarer Zeit zumindest teilweise präsentiert bekommen werden.

Dabei kann es sich selbstverständlich um diverse Neuigkeiten rund um die Unterhaltungssoftware von Sony handeln und muss nicht ausschließlich eine Anspielung auf zusätzliche Käufe von Entwicklerstudios sein – doch es könnte. Immerhin soll der Bungie-Deal keine Reaktion auf Microsofts Übernahme von Activision-Blizzard gewesen sein.

Wie Ryan ebenfalls erklärte, sollen die Vorbereitungen und Verhandlungen mit Bungie bereits seit fünf Monaten aktiv gewesen sein. Vor fünf Monaten, im Oktober 2021, ahnte jedoch noch niemand etwas vom Activision-Blizzard Deal bei Microsoft. Wenn also dort niemand ein Mäuschen im Spiel hatte, was Branchen intern bereits einige geheime Informationen zur Konkurrenz getragen hat, hätten beide Deals also auch unabhängig voneinander stattgefunden. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass die eigentliche Reaktion von Sony – auf die eigentlich alle warten – noch immer aussteht. Diese Reaktion könnte und wird aller Voraussicht nach mit den Plänen in Verbindung stehen, auf die Ryan im zitierten Abschnitt anspielt.

Wer wird als Nächstes aufgekauft?

Wir wollen uns an dieser Stelle mit einer Frage beschäftigen, die sich derzeit viele Interessierte der Gaming-Branche stellen und die, schauen wir auf die bisherigen Ereignisse in 2022, nur folgerichtig ist. Sie lautet: „Wer wird als Nächstes gekauft?“ Immerhin haben wir im Januar bereits mehrere große Übernahmen gesehen. Sony spricht davon noch nicht fertig zu sein und auch Microsofts Interesse in weitere Investitionen muss noch nicht zwingend erloschen sein. Auch andere große Player werden sich dem Trend anschließen wollen, nicht nur um den Anschluss zu den ganz Großen nicht ganz zu verlieren.

Eine gute Grundlage für diese Überlegung bietet ein Tweet von Geoff Keighley vom 19. Januar, in dem er zu diesem Zeitpunkt aktuelle Börsenwerte noch nicht übernommener und sehr bekannter Studios auflistet. Er führt folgende Beispiele (nach Wert) ins Feld:

  • EA: 38 Milliarden US-Dollar
  • Take Two: 18 Milliarden US-Dollar (inkl. Zynga ca. 28 Milliarden)
  • Nexon: 15 Milliarden US-Dollar
  • Bandai Namco: 15 Milliarden US-Dollar
  • Embracer: 10,8 Milliarden US-Dollar
  • Netmarble: 7 Milliarden US-Dollar
  • Ubisoft: 7 Milliarden US-Dollar
  • Konami: 6 Milliarden US-Dollar
  • Square Enix: 5,6 Milliarden US-Dollar
  • Capcom: 4,9 Milliarden US-Dollar
  • Sega: 3,6 Milliarden US-Dollar

Bevor aber nun, wie unter dem entsprechenden Tweet, wilde Spekulationen losbrechen, wer von wem gekauft werden könnte oder wer in dieser Liste noch fehlt, sollte man im Auge behalten, dass eine Übernahme in den allermeisten Fällen nur dann sinnvoll ist, wenn sich beide Parteien über die Umstände einig sind und jeweils davon profitieren. „Einfach mit Geld werfen“ ist selten effektiv, wenn das potenzielle Ziel gar nicht gekauft werden möchte.

Ein prominentes Beispiel dafür ist Square Enix, welches erst im April vergangenen Jahres Gerüchte dementieren musste, in denen es hieß, dass gleich mehrere Akteure Interesse daran hätten, die SQUARE ENIX HOLDINGS CO., LTD zu übernehmen. Im entsprechenden Statement hieß es seitens Square Enix:

„Bloomberg has reported today that there is interest from several buyers to acquire Square Enix. However, this report is not based on any announcement by SQUARE ENIX HOLDINGS CO., LTD. We do not consider selling off the company or any part of its businesses, nor have we received any offer from any third party to acquire the company or any part of its businesses.“

(Bloomberg hat heute berichtet, dass mehrere Käufer an einer Übernahme von Square Enix interessiert sind. Dieser Bericht basiert jedoch nicht auf einer Ankündigung von SQUARE ENIX HOLDINGS CO., LTD. Wir erwägen weder den Verkauf des Unternehmens oder eines Teils seiner Geschäftsbereiche noch haben wir ein noch haben wir ein Angebot von einer dritten Partei erhalten, das Unternehmen oder einen Teil seiner Geschäfte zu erwerben.)

Eure Meinung: Jetzt seid ihr an der Reihe. Was haltet ihr von den bisherigen Deals des Jahres? Wird uns bald ein neuer Paukenschlag erwarten und welchen Entwickler wird es treffen?
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Eure Meinung: Jetzt seid ihr an der Reihe. Was haltet ihr von den bisherigen Deals des Jahres? Wird uns bald ein neuer Paukenschlag erwarten und welchen Entwickler wird es treffen?x