New World ist seit Ende September offiziell gestartet und hat mittlerweile eine beachtliche Achterbahnfahrt der Emotionen erfahren. Die anfängliche Euphorie musste während der vergangenen zwei Monate einen schweren Schlag erfahren. Leergefegte Server und eine unzufriedene Community sind das Resultat der Probleme, die das Spiel per Design mit sich bringt.

Auch ich bin persönlich nicht über die Stufe 33 hinaus gekommen, doch woran hat es gelegen? Wie steht es um die Gesundheit des Spiels kurz vor dem Jahreswechsel und welche Chancen hat New World, doch noch die Kurve zu kriegen? Oder steht es doch gar nicht so schlimm um das Spiel, wie alle immer behaupten? Ich habe kurz mal wieder reingeschnuppert, um genau diese Fragen für mich persönlich zu beantworten.

Bisherige Probleme

Alleine auf Gaming-Grounds.de haben wir euch mit mehr als 36 Beiträgen mit allerlei Neuigkeiten zu New World versorgt. Die Anzahl der Beiträge beschränkt sich wohlgemerkt nur auf den Zeitraum nach der Veröffentlichung. Man kann also behaupten, dass es niemals ruhig um das MMO geworden ist. Das ist ja erst einmal etwas Gutes. Leider ist ein Großteil der Berichterstattung aber eher negativer Natur, denn Amazon Games Studios scheint gar nicht aus der Negativspirale herauszukommen. Ich zähle hier die für mich größten öffentlichen und persönlichen Aufreger der vergangenen zwei Monate auf.

Um dem ersten großen Gerücht aber direkt von Anfang an entgegenzuwirken: Nein, New World ist nicht tot. Und ja: Mittlerweile tummeln sich viel weniger Abenteurer auf den Servern als noch zur Veröffentlichung und das ist auch völlig normal. Aber schauen wir uns mal die Zahlen an. Kurz nach dem Release war der Peak der gleichzeitigen Spieler und Spielerinnen bei 913 Tausend, während das Maximum der vergangenen 30 Tage immerhin bei 306 Tausend liegt. Auch dieser Wert nimmt nach und nach ab, aber der große Zahlensturz ist erfolgt. Das Interesse auf Twitch war anfangs deutlich höher, aber auch hier ist New World mit immerhin 7.000 bis 9.000 gleichzeitig Zuschauenden noch lange nicht von der Bildfläche verschwunden. Ich sehe an dieser Stelle noch keinen großen Grund zur Sorge.

Das größere Problem ist allerdings die Verteilung aller Spieler auf zu viele Server. Durch den anfänglichen großen Andrang auf die verfügbaren Server sah sich AGS gezwungen, weitere Server zu öffnen und somit die Spieler umzuschichten. Das Problem war damit zunächst behoben. Falsch gedacht, denn dabei wurde vergessen, dass ein Spielerschwund eben normal ist und unausweichlich eintreten würde. So hat sich die Katze also in den eigenen Schwanz gebissen, denn das Game Design von New World ist eben auf eine aktive Server-Population ausgelegt. Sei es bei der Herstellungskette der Berufe, beim Handelssystem, bei den Invasionen der Verderbnis, bei der Entwicklung der Städte oder aber auch beim Einnehmen und Halten von Forts.

New World funktioniert eben nur, wenn der Server auch belebt ist. Bereits zwei Monate nach Release reichen die Spielerzahlen auf den einzelnen Servern nicht mehr aus, um ein spaßiges Gameplay zu ermöglichen. Kein Wunder, dass Amazon nun in Erwägung zieht, Server wieder zusammenzuschließen. Aber auch das wird zu erneuten Problemen führen, denn Fragen der Besitztümer der Areale und die damit einhergehenden Boni müssen geklärt werden. Der erste geplante Server-Zusammenschluss soll am 8. Dezember, also am Tag der Veröffentlichung dieses Beitrages stattfinden. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu sehr aus dem Fenster, wenn ich bereits jetzt schon weitere Probleme voraussehe. Wenn der Server-Zusammenschluss zumindest technisch in etwa so „reibungslos“ abläuft wie die Charakter-Transfers, dann ahne ich böses.

New World: Servertransfers werden zur Zerreißprobe

Zu den weiteren großen Aufregern gehören fehlerhafte Patches, die zum Krach der Welt-Ökonomie und somit sogar zu Welt-Rollbacks führten. Außerdem beklagt das Spiel eine hohe Anzahl an Bots und Goldfarmen, die den Spielspaß drücken. Dann wurde die PvP-Spielerschaft durch die Gegenstandsverzauberungen verärgert. Man konnte nämlich im Echtgeld-Shop das Aussehen eines anderen Rüstungstyps als Skin erwerben und somit nach außen hin vortäuschen, zum Beispiel mit einer Stoffrüstung unterwegs zu sein. Wenn dann eigentlich eine Plattenrüstung ausgerüstet war, dann ist die Überraschung beim Angreifer natürlich groß, wenn das Ziel nicht wie erwartet binnen weniger Augenblicke das zeitliche segnet (mehr dazu).

Zuletzt kommt noch das eintönige Gameplay während der Levelphase hinzu, bei dem wir uns dutzende Stunde immer und immer wieder den gleichen Aufgaben und Gegnertypen stellen müssen. Ich persönlich hatte darüber hinaus noch frustrierende Momente beim Balancing des Schwierigkeitsgrades, wenn ich alleine in der Welt unterwegs war. So konnte ich in einer Gegend nur einige Quests erledigen, bis die folgenden Quests zu schwer wurden. Als Resultat musste ich wieder in eine komplett andere Gegend reisen, um dort auch wieder nur einige Quests zu absolvieren. Mir fehlt einfach die Kontinuität, einfach mal ein Gebiet durchzuspielen und damit das Gefühl zu bekommen, Dinge zu erledigen. Aufgrund der hohen Schnellreisekosten entpuppte sich das Gameplay dann doch primär als Reisesimulator von A nach B.

Updates

Trotz großer Baustellen und anhaltender Probleme macht Amazon Games Studio dennoch einen engagierten Eindruck. Ich bin mir sicher, dass die Entwickler höchst bemüht sind, alles richtigzustellen. Der erste große Inhaltspatch brachte im November einen neuen Waffentyp, neue Gegnertypen, neue Quests und er ging auf die allgemeine Bitte der Zusammenlegung der Handelshäuser ein.

New World: DAS bringt der erste große Content-Patch

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn es da aber nicht die neu eingeführten Bugs und Performance Probleme gäbe. Wie gesagt, Amazon Game Studios scheint aus dem Teufelskreis negativer Schlagzeilen nicht herauszukommen.

Unermüdlich geht es nun mit neuem Content weiter. Anfang Dezember wurde der nächste große Inhaltspatch auf den öffentlichen Testserver eingespielt, welcher mit weiteren Balancingänderungen ein herkam. Primär fokussieren sich hier die Änderungen auf die Art und Weise, wie wir neue und stärkere Ausrüstung erbeuten und wie die Berufe funktionieren. Die Zauberworte des Dezemberpatches heißen „Kompetenz“ und „Gips“, womit zwei Mechaniken genau für das Nachverfolgen neuer Items ins Spiel kommen. Es kann aber auch wieder keine neuen Patchnotes geben, ohne dass die Community laut aufruft, zumindest ein Teil davon. Soweit ich erkenne, richten sich die Beschwerden in Richtung der allgemeinen Abschwächung der Herstellungsberufe. Wie dem auch sei, gesunde Beschwerden aus den Riegen der Spieler gehören natürlich auch dazu. Allen recht machen kann man es ja ohnehin nicht.

Neben der Balancingänderungen kommt mit dem Winterkonvergenz-Fest auch das erste saisonale Ereignis ins Spiel. Ich bin ein absoluter Fan von Weihnachts-Events in MMOs, deshalb freue ich mich persönlich am auch meisten darauf. Wird mich und viele Andere dieses Event zu Hardcore New World Spielern machen? Vermutlich nicht, aber zumindest ein paar Runden über Aeternum werde ich sicherlich drehen.

Technical Debt

Eine Sache wird mir ganz deutlich, wenn ich die Nachrichten aus den vergangenen Monaten verfolge. New World hat regelmäßig mit der Serverstabilität, mit der Performance, mit Exploits, mit Datenbank- und Client-Server-Problemen zu tun. Für mich ist das eindeutig das Resultat des ständigen Wandels, welchem sich das MMO unterziehen lassen musste. Erst war es eine PvP-fokussierte Open World Sandbox mit Städtebau, dann doch ohne Städtebau und nun wurde auf die letzten Meter quasi das PvE reingedrückt.

Als ehemaliger Spieleentwickler versetze ich mich in die Lage der Programmierer und verstehe, dass das Grundgerüst der Software-Architektur regelmäßig gravierende Veränderungen erlitten hat. Veränderungen, die niemals genügend Zeit hatten, um einer längeren Qualitätssicherung standhalten zu können. Während man sich also im ständigen Wandel befindet, entsteht eine sogenannte technische Schuld. Das sind kleinere Makel der Architektur, die, wenn man nicht sorgfältig damit umgeht und sich nicht sofort darum kümmert, zu einem Schmetterlingseffekt führen. Diesen Schmetterlingseffekt kann man dann nur schwer wieder einholen.

Ein simples Beseitigen der Bugs hilft dann nicht mehr, denn die Software-Architektur steht als Ganzes auf wackeligen Beinen. Und genau das scheint New World passiert zu sein. Ich hoffe für die Zukunft des Spiels, dass ein paar erfahrene Entwickler die nötige Zeit bekommen, um das Fundament zu stabilisieren.

Ausblick

Kommen wir zum Kassensturz oder zu „was in New World alles passieren muss, damit ich im Jahr 2022 häufiger reinschaue“. Obwohl ich als Casual doch nur selten direkt mit den genannten technischen Problemen zu kämpfen hatte, sollte Amazon Game Studios genau die so schnell wie möglich ausmerzen. Indirekt wäre ich nämlich sehr wohl betroffen, wenn durch die lästigen Fehler im Spiel immer mehr Spieler abwandern und somit nur noch leerere Server hinterlassen würden.

Also ist die höchste Priorität das Beseitigen der technischen Schuld. Als Nächstes wünsche ich mir eine höhere Kontinuität in der Levelphase. Mich macht es kirre, wenn ich ständig nur kleine Fetzen eines Gebietes fertig machen kann, bevor ich mich anderweitig nach Aufgaben umsehen muss. Dazu gehört auch eine größere Vielfalt beim Questen. Ich weiß ja, dass die meisten Spieler „brain-Afk“ nur in Richtung End-Game grinden, aber leveln sollte sich für mich nicht nach zähem Grind anfühlen.

Es kann also ruhig etwas mehr Spielspaß auf dem Weg zur 60 sein. Dafür brauche ich mehr Gegnertypen und auch mal andere Quests als immer wieder die gleichen töte und hol und bring Quests.

Im Video: New World – So steht es wirklich um das MMO

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