Beinahe wöchentlich hört man aktuell von neuen Team-Gründungen im eSport-Bereich. Zuletzt präsentierte die Deutsche Bahn ihr neues League of Legends Team „DB Five“ (hier zu lesen). Damit ist das Unternehmen buchstäblich auf einen Zug aufgesprungen, welcher aktuell scheinbar mit Anlauf etliche konservative Sportarten links liegen lässt. Während die „Einschaltquoten“ beim virtuellen Anstoß manch einen rasengebundenen Ballsport alt aussehen lassen, wittern immer mehr Unternehmen, Einrichtungen und Vereine die große Chance im eSport.

Fast hat man das Gefühl, wir würden uns in einer Art Gold Rush befinden, bei dem jeder versucht noch schnell ein Stück vom fetten Kuchen abzubekommen. Verständlich: Die Zielgruppe ist attraktiv. 20 bis 45, männlich, ledig? Falsch: Schon lange sind Videospiele nicht mehr ausschließlich einzelgängerischen Nerds vorbehalten. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Zocken ist mehr angesagt denn je und macht weder vor Alter noch Geschlecht halt. Mit den ganzen Nebenschauplätzen Youtube, Twitch und Co bildet sich bereits seit Jahren eine ganz eigene, neue und vor allem frische Medienwelt.

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Die Karten werden neu gemischt

Selbst die Politik hat den Trend erkannt – Dorothee Bär (CSU) und Lars Klingbeil (SPD) brachten das Thema in den Koalitionsvertrag. Die Neuerungen bleiben zwar noch hinter den Wahlversprechen zurück, aber immerhin findet eine schrittweise Annäherung statt: eSport soll als „richtiger Sport“ anerkannt werden.

Wo sich nun also etliche Stellen um das Phänomen des eSports bemühen und die Zahl der Teams und Zuschauer weiter steigt, kann auch der letzte Zweifler eigentlich nur von einer rosigen Zukunft des Competetive Gaming ausgehen. eSport-Events füllen ganze Hallen, Millionen Zuschauer verfolgen die Spieler im Wettkampf – es ist klar, dass dieser Sport definitiv Zeitgeist geworden ist.

eSport erreicht die analoge Welt

So überrascht es auch nicht, dass die virtuelle Welt des eSports immer mehr Einzug in das alltägliche Leben hält. Und wenn eSport-Events dort stattfinden, wo man sie am wenigsten erwarten oder die eigene Oma plötzlich die Gamescom aus der Lokalzeitung zitiert, dann kann dem etablierten Gamer ja eigentlich nur warm ums Herz werden – wer hätte das zur Jahrtausendwende noch gedacht? Selbst die „Killerspiel“-Debatte scheint langsam aber sicher ihre scharfen Zähne zu verlieren.

Dirk Ludewig von NerdStar moderierte Anfang September das eSport-Festival der Playing Ducks in Peine (wer das nicht kennt: es handelt sich dabei um eine wirklich kleine ländliche Stadt im Osten von Hannover). Auch er blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Das geht alles dahin, wo der Superbowl vor einigen Jahren mal noch war, irgendwann wird eSports das auch machen.“

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