Über die viel zu schwammig und dünn formulierten Richtlinien auf Twitch gab es in der Vergangenheit schon einige Diskussionen. Neulich berichteten wir erst darüber, dass auf Twitch immer mehr erotische Inhalte zu finden sind. Twitch-User sehen ihre Plattform unterwandert und beklagen, dass die aktuellen Richtlinien (Terms of Service / kurz: ToS) weiteren derartigen Inhalten Tür und Tor öffnen würden.

Als Beispiel zeigten wir Amouranth. Die Streamerin ist mit ihrem Content äußerst erfolgreich und legt mit ihren Statistiken eine beachtliche Leistung hin. Sie ist aktuell sogar in den Top 5 der wachstumsstärksten Streamer auf Twitch. Doch so erfolgreich sie mit ihrem Content ist, so fragwürdig finden viele Spieler, was Amouranth dort präsentiert. Auf einer Plattform, die eigentlich für Gamer gedacht ist, zeigt sie sich freizügig und kokettiert mit ihrem Körper in sogenannten Hot Tub-Videos. Der Vorwurf: Sie nutzt ihre dortige Aufmerksamkeit, um ihre für Erwachsene geeigneten Inhalte auf anderen Plattformen zu bewerben. Auf ihrem Profil befindet sich ein Linktree, der auf entsprechende externe Profile verweist.

Kontroverse: Hat Twitch ein neues Porno-Problem?

Mit ihrem Content reizte sie bisher die ToS von Twitch bis zum Äußersten aus. Nun hat sie offensichtlich ihre Quittung dafür erhalten. Es muss sich genug Unmut über ihren Content angesammelt haben, sodass Twitch einen Schlussstrich gezogen hat und Amouranth quasi über Nacht demonetarisiert hat. Die Streamerin sei über diese Schritte im Vorfeld nicht informiert worden und hätte erst selbst das Gespräch suchen müssen, erklärt sie.

Amouranth schreibt auf Twitch:

„Gestern wurde ich darüber informiert, dass Twitch die Werbung auf meinem Kanal auf unbestimmte Zeit ausgesetzt hat. Twitch hat sich in keinster Weise gemeldet. Ich musste das Gespräch initiieren, nachdem ich bemerkt hatte, dass ohne Vorwarnung alle Werbeeinnahmen aus meinen Channel Analytics verschwunden waren.

Dies ist ein alarmierender Präzedenzfall und dient als deutliche Warnung, dass Twitch, auch wenn der Inhalt angeblich nicht gegen die Community-Richtlinien oder die Nutzungsbedingungen verstößt, nach eigenem Ermessen einzelne Kanäle ins Visier nehmen und sie teilweise oder ganz demonetarisieren kann für Inhalte, die als „nicht werbefreundlich“ eingestuft werden, wofür es keine kommunizierte Richtlinie gibt.

Dies lässt die Frage offen, wo die Grenze gezogen wird. Viele Leute beschweren sich darüber, dass die ToS „unklar“ sind, aber zumindest gibt es etwas, an dem man sich orientieren kann. Es gibt keine bekannte Richtlinie dafür, was dazu führt, dass ein Streamer auf diese schwarze Liste gesetzt wird. Mit charakteristischer Undurchsichtigkeit, das einzige, was Twitch klargestellt hat, ist, dass es unklar ist, ob oder wann mein Konto wiederhergestellt werden kann.“

Quelle: Twitter

Zensur für den guten Zweck?

Auch wenn es klar auf der Hand liegt, dass Amouranth sehr mit den Grenzen der Plattform gespielt hat, ist ihre Kritik vielleicht nicht ganz unbegründet. Unabhängig davon, ob man ihren Content nun sehen möchte oder eben nicht: Twitch sollte definitiv endlich Klarheit schaffen und Richtlinien erstellen, die für alle Seiten transparent und verständlich sind.

Eine Holzhammer-Methode, wie in diesem Fall, ist wenig respektvoll gegenüber den Content-Creatoren. Es ist allerdings ein gutes Beispiel, um erneut auf die mangelhaften ToS hinzuweisen. Es zeigt zudem, dass es offensichtlich einen großen Mangel an Kommunikation mit den Creatoren gibt.

Eure Meinung:

Was haltet ihr von der Maßnahme – Gut oder geht Twitch hier zu weit?
0
Was haltet ihr von der Maßnahme - Gut oder geht Twitch hier zu weit?x

EDIT: Mittlerweile hat Stream reagiert und es gibt eine neue Hot Tub-Kategorie:

Kein Witz: Twitch bekommt eigene „Pools, Hot Tubs & Beaches“ Kategorie


Man erinnere sich an dieser Stelle kurz an den mysteriösen Bann von Dr Disrespect, der ebenfalls von Twitch keine Begründung für seinen Ausschluss bekommen haben will:

Nach Twitch-Bann: Dr Disrespect richtet sich an Fans


Nur der erste Schritt?

Abzuwarten bleibt, ob die abgeschaltete Option Werbung im eigenen Kanal anzuzeigen oder anzeigen zu lassen der einzige Schritt gegen die „Hot Tub“-Streams beziehungsweise Amouranths Channel bleiben wird.

Twitch hat durchaus noch weitere Optionen, um Streamenden das Leben auf der Plattform deutlich schwerer zu machen. So vermutet beispielsweise auch der reichweitenstarke Streamer Staiy, dass die Entfernung von Werbung erst der erste Schritt war.

Als Nächstes könnte demnach beispielsweise ein sogenannter „Shadowban“ folgen, der den Kanal der Streamerin ausschließlich über die URL aufrufbar machen würde. Normale Anzeigen und Auflistungen über Twitch würden dabei entfernt. Auch ein Entzug des Partner-Status wäre ein Mittel, um Kanälen weitere Monetarisierungsmöglichkeiten zu entziehen.

Die letzte und ultimative Option wäre selbstverständlich dann der vollständige Ausschluss von der Plattform durch einen Ban. Für einen solchen bräuchte es in der Theorie natürlich eine Begründung in Bezug auf einen ToS-Verstoß. Aber dieses Thema hatten wir bereits.

Ein solches Szenario, wie hier von Staiy beispielhaft gezeichnet, ist durchaus realistisch, wenn man den Umgang von Twitch mit derartigen Problemen anschaut. Sollten die Hot Tub-Streams also weiterhin ein zu großer Dorn im Auge von Twitch bleiben, könnten diese Maßnahmen ausgeweitet und auch gegen andere Channel als den von Amouranth angewendet werden.