Das Thema Streaming, Twitch.tv und Urheberrechtsverletzungen kommt einfach nicht zur Ruhe. Nachdem bereits beinahe das gesamte vergangene Jahr 2020 im Zeichen von Problemen durch teils fragwürdige DMCA-Strikes stand, könnte nun bereits das nächste Problem für Streamer und Streamerinnen im Raum stehen.

Momentan ist es bereits dringend geraten, in den eigenen Live-Übertragungen keine lizensierte Musik zu spielen, auch Effekte in Videospielen können unter gewissen Umständen bereits zum Problem werden. Falls doch Musik im Stream zu hören war, wird dingend angeraten die entsprechende Aufzeichnung, das VOD, sowie alle gegebenenfalls erstellten Clips zu löschen.

Diese Maßnahmen-Richtlinie gilt auch für alle länger in der Vergangenheit liegenden Streams, VODs, Highlights, Clips und Aufzeichnungen an sich. Eine zufriedenstellende Lösung scheint noch immer nicht in Sicht, die Verhandlungen von Twitch mit entsprechenden Rechteinhabern dauern an.

Ein erster Lösungsansatz (beziehungsweise eine vielleicht nur übergangsweise praktikable Alternative) soll das Feature „Twitch Soundtrack“ bieten, welches sich momentan noch in der Beta-Phase befindet:

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Twitch Soundtrack: Neues Musik-Feature startet in die Beta

Sind Emotes bald ein Problem?

Doch kommen wir zur eigentlichen Hiobsbotschaft, die die Twitch-Gemeinde bald ereilen könnte. Während also Urheberrechtsproblem 1 noch andauert und einer optimalen Lösung bedarf, bahnt sich im Hintergrund unter Umständen bereits die nächste große Schwierigkeit an. Es geht um die beliebten Emotes. Auch diese waren in den vergangenen Tagen bereits Thema, da das von vielen häufig eingesetzte originale „PogChamp“ von der Plattform entfernt und mittlerweile ersetzt wurde. Alle Hintergründe dazu findet ihr hier:

Nach „PogChamp“-Bann auf Twitch: Ersatz ist da

Emotes sind in den unzähligen Twitch-Streams vor allem für die Zuschauenden da, die über die „besseren Emojis“ passende oder weniger passende Reaktionen auf im Stream stattfindende Aktionen im Chat ausdrücken können. Dazu gehört die ganze Palette von übertriebener Freude und Begeisterung bis hin zu Trauer, Wut und Unverständnis. Auf Twitch heißt das dann eben „SeemsGood“, „BibleThump“ oder eben „PogChamp“.

Darüber hinaus können Streamende, je nach eigener Reichweite auf der Plattform, auch eigene kleine Bilder hochladen, die zum eigenen Design, Channel und CI passen. Dabei gibt es einige Vorgaben, im Großen und Ganzen gibt es aber großen Freiraum in der Gestaltung der eigenen Emojis – und genau hier könnte das nächste Problem liegen.

Darauf machte vor einigen Tagen Twitter Nutzer ‚Dracon‘ (@DraconTV) aufmerksam, der sich in seinem Tweet auf das Regelwerk von Capcom in den USA bezieht. Dort heißt es explizit, dass das Erstellen von Twitch Emotes aus Capcom lizenzierten Inhalten unter die nicht autorisierte Nutzung fällt und damit verboten ist.

Um das Ganze etwas anschaulicher zu machen: Ihr solltet es schon jetzt tunlichst vermeiden, euch aus originalen Capcom-Titeln wie beispielsweise Mega Man, Monster Hunter oder Resident Evil Grafiken Emotes zu erstellen und diese in eurem Stream zur Verfügung zu stellen. Unklar ist hingegen, ob auch selbst gezeichnete Bilder wie Fanarts unter diese Bestimmung fallen.

Bereits in der Vergangenheit wurden etliche gegen Richtlinien verstoßende Emotes von Twitch gelöscht oder gar nicht erst zugelassen, so gebe es Beispiele, in denen Disney-bezogene Emotes gelöscht worden sind, erklärt ebenfalls Twitter-Nutzer ‚Dracon‘ im zugehörigen Thread zum oben verlinkten Tweet.

Grundsätzlich ist es natürlich nichts Neues, dass die Nutzung von lizenziertem Material auf eigenen Kanälen oder Drittanbieter-Plattformen verboten ist und ein Risiko darstellt. Neu ist allerdings, dass ein Publisher nun explizit vor dieser Nutzung warnt. Kein Problem haben weiterhin die Streamer und Streamerinnen, die ihre Emotes auf sich selbst oder neutrale, nicht lizenzierte Dinge beziehen und diese selbst entwerfen und ausarbeiten (oder ausarbeiten lassen).

Ob in Zukunft noch mehr Rechteinhaber auf diesen vergleichsweise kleinen und neuen Zug aufspringen und strikter gegen die Nutzung eigener Content-Inhalte in Form von Emotes auf Twitch vorgehen, lässt sich derzeit noch nicht vorhersagen.