Zu aller erst möchte ich mich für die reißerische Überschrift entschuldigen. Aber sein wir doch mal ehrlich: Liebe Gamer, bitte hört auf zu heulen! Jedes Mal, wenn ich ein soziales Netzwerk öffne, ist irgendjemand über irgendetwas am Jammern.

Wenn ein Spiel einen Bug besitzt, dann gibt es gleich zig Personen, die sich darüber beschweren. Gibt es irgendwo Probleme mit den Servern, dann ist das Gejammer ebenfalls groß. Aufgebauscht wird das Ganze zusätzlich durch immer weitere Postings bis hin zu überdramatisierenden Videos auf YouTube. Des Weiteren liest man in jedem Spiel, dass die dort ansässige Community die toxischste überhaupt sei.

Dabei ist es völlig egal welches Spiel thematisiert wird oder auf welchem Netzwerk man sich befindet – Twitter, Instagram, Facebook, TikTok – man findet überall dasselbe vor. Versteht mich nicht falsch, ich möchte niemanden angreifen, aber es bringt doch sowieso nichts, also unterlasst es doch einfach.

Online jammern ist die Befriedigung eines egoistischen Triebes

Wenn ich als normaler Gamer, ohne Reichweite oder Einfluss, einen Post verfasse und mich über irgendetwas echauffiere, dann helfe ich niemandem. Das einzige, was ich tue, wenn ich online über ein Spiel oder einen Fehler jammere, ist, dass ich einem persönlichen und äußerst egoistischen Trieb nachgehe. Und nein, einfach weiterscrollen und den Post ignorieren ist keine Option. Ein soziales Netzwerk ist kein persönlicher Kummerkasten und eine online Gemeinschaft fremder Personen ist in der Regel auch nicht der Ort um seine Sorgen zu besprechen.

Bei ernsthaften psychischen Problemen oder ähnlichem, wäre ich der Letzte, der einer Person – ob fremd oder nicht – Hilfe verwehren würde. Nichtsdestotrotz sollte man sich bei ernsthaften Problemen so oder so an professionelle Hilfestellen wenden. Aber muss ich bei jedem Bug einer Welle von Negativität entgegentreten? Ein kleiner Spielfehler bedeutet weder den Weltuntergang noch ruiniert er die Qualität eines Spiels. Er nervt im schlimmsten Fall so lange, bis er gepatcht wurde. Was ein Entwicklerstudio nicht patchen kann, sind weinerliche Aussagen der Spieler. Die werden wir einfach nicht los.

Der Mensch jammert gerne im Kollektiv

Ein Post, der sich über irgendetwas beschwert, zieht die Aufmerksamkeit auf sich, die an anderer Stelle sinnvoller wäre. Denn zu allem Übel müssen wir Menschen uns eingestehen, dass wir negative Dinge immer in den Fokus Rücken und sie deutlich intensiver beleuchten als etwas Positives. Du kannst tausend Dinge richtig machen und es kräht kein Hahn. Machst du einen einzigen Fehler, brüllt die ganze Meute.

Zur Folge hat diese Eigenschaft der Menschen, dass die Postings, in denen sich jemand weinerlich über einen Umstand oder ein Problem beschwert, jene Beiträge sind, die im Endeffekt die meisten Reaktionen hervorrufen sowie den größten Zuspruch erhalten. Spieler nutzen besagte Threads als Sammelbeitrag des Frustablassens, des Meckerns und des Teilens traumatischer Spielfehler-Erfahrungen. Das soziale Netzwerk wird zur Gruppentherapie für frustrierte Gamer.

Entwickler möchten fehlerhafte Spiele genauso wenig wie wir

„Ein Spiel im Endzustand ähnelt in der Regel einem Kartenhaus. Der an sich einfache Prozess, es abzustauben, geschweige denn grundlegende Änderungen wie die Aktualisierung der Engine zu implementieren, wird unvermeidlich unerwartete Probleme verursachen.“

Electronic Arts im Kontext des Mass Effect Remastering für die Mass Effect Legendary Edition über die Arbeit an fertigen Spielen

Kommt es zu einem Spielfehler, möchten erboste Gamer die angeblich ach so geldgeilen Entwickler – die übrigens in keinster Weise ein fehlerhaftes Spiel veröffentlichen möchten, sondern höchstens von der Unternehmensführung oder dem verantwortlichen Publisher zu einem vorzeitigen Release gedrängt werden – steinigen und ihnen unterstellen, dass sie ihren Beruf nicht richtig ausüben können. Zumindest wirken viele Reaktionen so.

An dieser Stelle gebe ich eine kurze Information zum Nachdenken mit auf den Weg. Wenn Spiele vor dem Release von ausgewählten Personen getestet werden, handelt es sich nicht um Millionen von Spielern. Wenn es hochkommt, testen vielleicht ein paar Tausend das endgültige Produkt. Ein Großteil der Bugs, insbesondere die gravierenden, benötigen eine Vielzahl von zufällig ausgelösten Ereignissen unter unzähligen Faktoren, damit es zu dem besagten Bug kommt.

Da diese Fehler in den Spielen zu dem Zeitpunkt des Tests offensichtlich noch unbekannt sind, können sie nicht gezielt reproduziert und analysiert werden. Und selbst wenn ein Problem bekannt ist, tritt es nicht so häufig oder regelmäßig auf wie man denkt. Das Lösen des Problems ist nicht mit einem Fingerschnips erledigt und benötigt Informationen, die wir Spieler den Entwicklern übermitteln müssen. Ein „Dieser blöde xy-Bug“-Post hilft nicht. Eine E-Mail an die Entwickler wäre sinnvoller. (Nein, ihr sollt keine wütenden Hass-Nachrichten oder weinerliche Mails an die Studios schicken, sondern Informationen!)

Der Inventar-Bug in Outriders

Nehmen wir doch mal eine Situation als Beispiel, die derzeit äußerst aktuell ist und das am 1. April erschienene „Outrides“ von Peolple Can Fly und Square Enix betrifft. Dort gab es bis zuletzt einen Bug, durch den Spieler ihr gesamtes Inventar verlieren konnten. People Can Fly (kurz: PCF) arbeitete mit Hochdruck an der Lösung des Problems, wertete die dazu vorliegenden Informationen aus und versprach frühzeitig, dass es einen Tag geben wird, an dem alle Betroffenen die verlorenen Gegenstände wiederbekommen werden.

Es gibt ein paar Tipps, mit denen man eventuell bezweckt, dass dieser Bug nicht oder zumindest zu einer verringerten Wahrscheinlichkeit auftritt sowie eine Liste an Informationen, die betroffene Spieler an PCF übermitteln sollten, um die Lösung des Problems voranzutreiben. Eigentlich ist damit jetzt auch so gut wie alles dazu gesagt. Warum gab es trotzdem täglich unzählige Posts darüber, dass jemand sein Inventar verlor? Warum?

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Ich gehe an dieser Stelle einmal tiefer ins Detail. Hierzu ein kleiner Exkurs in die Medienwelt: Facebook ist heutzutage recht irrelevant, insbesondere im Gaming. Die Spiele-Branche arbeitet via Twitter und die Hauptnutzer sozialer Netzwerke – die jüngeren Generationen bzw. Gamer unter 35 Jahre – sind größtenteils auf Instagram unterwegs. Sogar TikTok genießt im Gaming eine größere Relevanz als Facebook.

Trotz dessen sahen sich die Administratoren einer deutschsprachigen Outriders-Facebookgruppe mit lediglich 9.000 Mitgliedern dazu gezwungen, eine massive Anzahl von Posts bezüglich des besagten Fehlers zu löschen und die Gruppenmitglieder vergeblich darum zu bitten, keine weiteren Beiträge zu dem Thema zu erstellen. Es folgten sogar Videos auf YouTube, in denen die Content Creator behaupteten, das Spiel würde wegen des Bugs sterben und sich selbst zerstören.

Outrider2
Macht sich Outriders durch Fehler wirklich selbst kaputt?

Outriders solide Performance trotz Bug-Plage

Outriders war mehrere Wochen nach Release die Nummer 1 der wöchentlich meistverkauften Spiele auf Steam, ergötzte sich auf den Konsolen großer Beliebtheit und auch in den Steam Charts performt es solide (24h-peak, 18. April 2021: 62.174). Dort hält es sich zumindest an den Wochenenden konstant über den seit längerer Zeit kostenlos spielbaren Genre-Konkurrenten Destiny 2, das durch den bereits länger zurückliegenden Release deutlich mehr Inhalte besitzt und deswegen Spieler langfristiger an sich binden kann. Für mich zeigt dieser Umstand, dass Outriders nicht stirbt.

Logisch ist allerdings, dass Outriders früher oder später in eine Art Koma verfallen wird. Die Inhalte werden sich für die aktuellen Spieler dem Ende neigen, da DLCs nicht in absehbarer Zukunft erscheinen und auch zukünftig werden Bugs dafür sorgen, dass einige Spieler eine Pause einlegen. Jedoch wird es nicht sterben – zumindest nicht so schnell. Warum ich mir dessen so sicher bin? Ich bin der Meinung, dass wenn es neue Inhalte gibt, Outrides wieder aufblüht.

Das liegt einfach daran, dass es tatsächlich Spaß macht. Das ist natürlich subjektiv, doch nahezu jeder der jammernden Gamer, auf die ich mich in meinem Beitrag beziehe, äußerte, dass ihnen das Spiel insgesamt gefällt. Solange ein Spiel der Zielgruppe Spaß bereitet und neue Inhalte erhält, was an dieser Stelle noch fraglich ist, wird es nicht sterben. Als Beispiel orientiere ich mich gedanklich erneut am Outriders Genre-Konkurrenten Destiny 2.

Der Titel aus dem Hause Bungie traf während seiner Lebenszeit ebenfalls auf starke Kritik, da sich die Schwierigkeit des Spiels beziehungsweise spezieller Etappen und Modi zwischenzeitlich an der Casual-Szene orientierte und somit für eingefleischte Destiny-Spieler viel zu einfach war. Jene eingefleischten Spieler sind diejenigen, die Destiny langfristig am Leben erhalten. Jene eingefleischten Spieler kehrten letztendlich zu Destiny zurück, als das Spiel wieder herausfordernder wurde. Jene eingefleischten Spieler bleiben bis heute erhalten, da es regelmäßig neue Inhalte (fünf DLCs) bekam. Erneut dienen die Steam Charts hier als Richtwert (24h-peak, 18. April 2021: 57.838).

Die Steam Charts zeigen die Vitalität von Outriders:

Steam Charts Outriders 18. April 2021 1
Die Outriders Performance auf Steam. Quelle: Steam Charts, Zeitpunkt der Aufnahme: 18. April 2021.

Die negativen Folgen des Jammerns

Jetzt sind wir in diesem Redeschwall meinerseits so weit gekommen und haben noch gar nicht über die teils langfristigen negativen Folgen gesprochen, über die selten nachgedacht wird, wenn Spieler-XY erneut einen jammernden Post oder Kommentar verfasst.

Wenn Outriders oder Peolpe Can Fly letztendlich „sterben“ sollte, dann liegt es nämlich meiner Meinung nach nicht an einem Bug, an Server-Problemen oder sonstigen Missständen. Wenn Outriders sterben sollte, dann liegt es an der Community und am Gejammer. Kommen wir also zu dem Grund, der mich zum Schreiben dieses Artikels bewegte. Ich spreche von den Auswirkungen auf das Image und den Folgen der öffentlichen Wahrnehmung.

Überschritten Spieler bei Cyberpunk 2077 eine Grenze?

Wir wechseln unser Beispiel und blicken auf Cyberpunk 2077 sowie dessen Entwickler CD Projekt Red. Reden wir nicht um den heißen Brei: das Spiel hat und hatte seine Probleme. Ab und zu stürzte es ab, es gab einige Bugs* und die PS4- / Xbox One-Fassung war ein Graus.

(*Ich möchte an dieser Stelle weder über- noch untertreiben, schließlich litt jeder Spieler unterschiedlich stark unter den Problemen.)

Nichtsdestotrotz gab es einen Punkt, an dem das Bashing hätte aufhören sollen. Es kannte jeder den Zustand UND es gab bis zum 21. Dezember 2020 (Release war am 10. Dezember 2020) die Möglichkeit, das Spiel zurückzuerstatten. Für mich ergibt das zwei Fakten:

  • Wenn ich enttäuscht von dem Spiel war und/ oder es als unspielbar betrachtete, konnte ich mein Geld zurückerhalten.
  • Wenn ich das Spiel nach dem 21. Dezember immer noch besitze oder es sogar danach erst kaufte, dann wusste ich, worauf ich mich einlasse und akzeptiere den Zustand.

In beiden Fällen ist meine persönliche Meinung, dass ich als Spieler nicht mehr meckern oder jammern sollte. Wenn ich mein Geld zurückerhielt, gab es keinen Grund mehr meinen Frust ungefragt in die Welt herauszuposaunen. Es gab keinen Grund mehr dafür, dass ich jedem mitteilen muss, wie schlecht Cyberpunk doch sei, auch wenn dies ebenfalls nur eine subjektive Empfindung ist.

Wenn ich das Spiel nicht zurückgegeben habe, bin ich offensichtlich der Meinung, dass das Spiel in Ordnung ist und sich das Spiel trotz der Fehler oder des Zustandes zu spielen UND zu besitzen lohnt. An dieser Stelle sollte ich als Mensch auch mal das Positive erwähnen, nämlich die Gründe, warum ich das Spiel behielt und sollte nicht weiter auf die negativen Dinge eingehen.

„He’s already dead“

Meiner Meinung nach ist das Meckern über Cyberpunk 2077 nach dem 21. Dezember und nach dem Zeitraum, mit dessen Ablauf das Bashing hätte enden sollen, als würde ich auf eine am Boden liegende Person eintreten. Es geht mir dann offensichtlich nicht mehr darum, dass ich über den Zustand des Spiels informieren möchte und auch nicht darum, dass ich meinen Frust ablassen muss.

Auch konstruktive Kritik konnte es nicht gewesen sein, denn die Entwickler lesen offensichtlich nicht die Social Media Postings jedes Spielers. Wenn ich einen Vorschlag habe, richte ich ihn per Mail an den Support und poste keine öffentliche Liste an Dingen, die die Entwickler hätten besser machen können.

Cyberpunk 2077
Cyberpunk kann trotz Bugs und Spielabbrüchen überzeugen.

Spieler ruinieren die öffentliche Wahrnehmung eines Studios

Meine These ist, dass das öffentliche Bashing der Spieler einem Entwicklerstudio schadet. Hierbei meine ich nicht das Posting einer einzelnen Person, sondern die erdrückende Masse an negativen Beiträgen. Diese bestimmen die öffentliche Wahrnehmung. Jeder einzelne Beitrag spiegelt letztendlich besagte Wahrnehmung wider. Wie soll sich also ein Spiel verkaufen, wenn jeder überall im Internet liest, wie kaputt es doch sei? Wie soll ein Studio Geld verdienen und am Leben bleiben, wenn deswegen niemand besagtes Spiel kauft?

Das Schlimmste hierbei ist, dass ein Spiel nicht automatisch schlecht ist und es tatsächlich niemand kaufen sollte, sobald Spieler wegen eines Bugs das frustgeplagte Posten beginnen. Die Frage, die sich diesbezüglich stellt, lautet: Inwiefern spiegelt die öffentliche Wahrnehmung die Qualität eines Spiels wider?

Ich beantworte mir diese Frage einfach mal selbst und betone, dass die öffentliche Wahrnehmung die Qualität eines Spiels nur begrenzt widerspiegelt. Cyberpunk 2077 ist beispielsweise weit davon entfernt, ein schlechtes Spiel zu sein. Die Story und die Charaktere sind überdurchschnittlich gut und das Gameplay weiß auch zu unterhalten. Ich versuche hierbei so objektiv wie möglich zu sein, doch schwingt eine gewisse Subjektivität selbstverständlich mit.

Als ehemaliger Konsolero hörte ich mich natürlich auch bei Spielern um, die es in diesem expliziten Fall auf PS4 spielten. Ja, technisch war es schlimm, aber sie behielten und genossen es. Jeder einzelne den ich persönlich sprach, sagte mir, dass er den reinen Inhalt des Spiels äußerst gut fand.

Spiele sind nicht nur Texturen

Der vorangegangene Absatz könnte, das gebe ich zu, ein paradoxes Bild hinterlassen haben. Ein Spiel, das verbuggt ist, wird gerne als kaputt betitelt. Woran liegt es also, dass ein in dem Sinne „kaputtes“ Spiel gut sein kann? Viele werden jetzt sagen, dass das nicht möglich ist. Doch ich sage, dass Spiele keine Suppenschüsseln sind, aus denen man nicht mehr essen kann, wenn sie zerbrochen sind. Ein Spiel kann unterhalten, auch wenn die gesamte Spielerschaft sagt es sei kaputt. Zur Not lecke ich den Inhalt auch vom Tisch.

Spiele sind nicht nur Texturen. Wenn ich mir “der Pate” anschaue, ist das aus heutiger Sicht ein technisch schlechter Film. Wenn ich den ersten Mass Effect Teil spiele, ist es ein aus heutiger Sicht technisch schlechtes Spiel. In diesen Beispielen ignorieren wir die Umsetzung, weil wir wissen, dass es alt ist. Wir konzentrieren uns auf die Handlung, die Charaktere und die Dialoge. Wir konzentrieren uns bei alten Dingen auf Aspekte, die das Technische ignorieren. Aber wenn ein neues Spiel auf den Markt kommt, dann ist es angeblich automatisch schlecht und kaputt, sobald es einige Fehler hat.

Wisst ihr was? Cyberpunk war – außer auf PS4 und Xbox One, aber dafür gab es die genannte Rückerstattung – trotz der Fehler auf einem besseren technischen Stand als Mass Effect. Warum blenden wir nicht die technische Umsetzung aus, spielen ein Spiel zu Ende, ehe wir das Meckern und Heulen anfangen und bewerten erst nach Abschluss die Handlung, das Gameplay und Ähnliches? Ich kann Spaß an einem Spiel haben, obwohl es Fehler hat.

Mass Effect 2007
Mass Effect sieht heute nicht mehr gut aus und ist trotzdem ein sehr gutes Spiel.

Fehlende Expertise

Dazu kommt, dass die Öffentlichkeit nicht die Expertise besitzt, um über ein Spiel zu urteilen. Deshalb spiegelt die öffentliche Wahrnehmung eines Spiels weder dessen Qualität noch die des Entwicklerstudios wider. Ganz unverfroren behaupte ich, dass die zumeist ungebildete Masse oft subjektiv urteilt und selten das Gesamtbild objektiv betrachtet, wodurch eine sachliche Beurteilung ausgeschlossen oder wenigstens eine seltene Ausnahme ist.

Das klingt jetzt erstmal extrem arrogant, aber ich schließe mich bei der Formulierung „ungebildete Masse“ selbst nicht aus. Ich habe keine Ahnung vom Programmieren, keine Ahnung von Sound-Design, habe nie das „Drehbuch“ eines Spieles in der Größenordnung von Cyberpunk geschrieben und leitete auch noch nie eine milliardenschwere Marketingkampagne. Ohne Insider-Wissen kann ich vieles nicht beurteilen oder realistisch einschätzen. Das geht schon gar nicht, wenn es um die wirtschaftlichen Aspekte und Hintergründe geht.

Wenn ich eine Review über Cyberpunk 2077 schreibe – was ich tat – dann kann ich nur darüber sprechen, wie es mir persönlich gefiel und wie ich etwas innerhalb des Spiels einschätze. Ich kann in den wenigsten Fällen von Fakten sprechen bzw. diese oftmals höchstens wiederholen oder bildlich beschreiben. Ich bin so dreist und behaupte, dass der Großteil der Spieler, die Cyberpunk 2077 über den 21. Dezember hinaus behielten und sich trotzdem über dessen Zustand beschwerten, ebenfalls keine Ahnung von dem Erschaffen eines Spiels oder der Unternehmensstruktur bei CDPR haben.

Totgesagte Spiele sind quicklebendig

Am besten verdeutlicht die Entwicklung von Rainbow Six Siege die fehlende Expertise der Community. Seit Jahren lese ich, dass das Spiel stirbt, dessen E-Sport bereits gestorben wäre und die Qualität des Shooters schlechter sei als je zuvor. Es gäbe tatsächlich genügend Anlässe negative Dinge innerhalb des Spiels aufzuzählen, ich mache selbst momentan gefrustet eine Pause meines meistgespielten Titels, jedoch ist es bei weitem nicht tot. Wer das Gegenteil behauptet, kennt die aktuellen Zahlen nicht.

Ich erinnere an Ubisofts Conferece Call, der 2020 über 10 Millionen neue Spieler und über 70 Millionen Spieler insgesamt verkündete. Ebenso erinnere ich an die Streaming-Rekorde des Shooters im März dieses Jahres. Rainbow Six war zwischenzeitlich unter den fünf meistgestreamten Spielen des gesamten Monats. Selbst wenn die Zuschauer unaufmerksam zuschauen, da sie nur die Esports Packs erhalten möchten, interessieren sie sich doch noch so sehr für das Spiel, dass sie zig Stunden einen Stream laufen lassen, um einen theoretisch unnötigen Skin zu erhalten. Auch die Steam Charts zeigen, dass Rainbow Six zu Beginn jeder neuen Saison einen Aufschwung erlebt und von noch mehr Spielern gespielt wird als sonst.

Ähnlich steht es um Counter-Strike: Global Offensive. Seit Jahren heißt es, das Spiel sterbe. Komischerweise ist es dennoch weiterhin Spitzenreiter der Steam Charts und unterhält auch auf Twitch weiterhin hunderttausende Spieler täglich.

Wenn du ein Spiel schlecht findest, sprichst du nicht für die gesamte Community

Wir nähern uns dem Ende des Beitrages und kehren deshalb zum eigentlichen Thema zurück. Wir kehren zurück zu der These, dass jammernde Spieler der Branche schaden. Hierzu möchte ich auf ein weiteres kurzes Beispiel eingehen, welches die besagte These unterstützt. Die Rede ist von Battefield V. Tatsache ist, dass der Support und somit die Arbeit an dem noch aktuellsten Titel der Spielreihe vergleichsweise frühzeitig eingestellt wurde, da es nicht gut bei der Spielerschaft ankam. Spekulation ist, dass es hätte besser werden können, wenn EA DICE die Arbeit an dem Spiel als lohnenswert eingestuft hätte. Das dies nicht geschah, war bei der öffentlichen Wahrnehmung des Spiels klar.

Ich persönlich, selbst kein Fan von Battflefield V, hätte gerne gesehen, welche Entwicklung für das Spiel möglich gewesen wäre. Noch mehr würde ich mich über DLCs zu Outriders und Cyberpunk 2077 freuen. Diese werden mit jedem negativen Beitrag eines Spielers unwahrscheinlicher oder zumindest weiter verzögert. Genauso bin ich gespannt, was CDPR an zukünftigen Spielen plant, da dessen bisherige Titel meiner Meinung nach Meilensteine des Gamings sind. Außerdem bin ich seit neustem Fan von People Can Fly.

Können wir also bitte aufhören die Studios und dessen Werke schlechter zu reden als sie sind, aufhören ständig negative Stimmung zu verbreiten und anfangen die Arbeit der Studios zu würdigen, auch wenn sie uns nicht gefällt? Anderen Spielern gefällt sie und diese würden liebend gerne weitere Spiele der jeweiligen Entwickler sehen. Wenn du ein Spiel schlecht findest, sprichst du nicht für die gesamte Community. Dein Jammern nervt, schadet, ist unproduktiv und egoistisch.