Wie man bereits vermuten könnte bei einem Spielemagazin, wird auch im Gaming-Grounds.de-Team hin und wieder ein wenig gezockt. Nicht nur beruflich, auch privat gehören Games zu unseren Lieblingsfreizeitbeschäftigungen. Deshalb haben wir intern bei uns nachgefragt: Welche Games habt ihr 2020 am meisten gespielt? Welche Spiele haben euch am besten gefallen und welche habt ihr vielleicht für euch (wieder)entdeckt?

Herausgekommen sind die unterschiedlichsten Antworten und Kombinationen, die wir für jedes Teammitglied in einer Top-3-Liste mit jeweils kurzer Begründung haben zusammenstellen lassen. In diesem Zusammenhang haben wir schon tolle Artikel lesen können von Jonas, Timo, Dariusz, Adam und Jörg. Den Abschluss des Redaktion-Reigens macht heute Alex.

Viel Spaß beim Lesen!

Was ein verdammt durchtriebenes und merkwürdiges, erschreckendes Jahr 2020 liegt da bitteschön hinter uns? Ich denke, es war für viele besonders emotional mehr als aufrührend. Während sich die ganze Welt in kürzester Zeit zu wandeln schien, versuchte man ja beinahe krampfhaft an den lieb gewonnenen Gewohnheiten festzuhalten. Sie gaben uns Halt und waren eine gute Stütze in manch einem verzweifelten Moment. Dazu zählt mit Sicherheit für viele Menschen auch das Gaming.

Ich habe das Jahr wirklich jede Gefühlsregung mindestens einmal durchgemacht. Doch muss man bei all der Krise um uns herum wahrscheinlich als Spielejournalist sehr dankbar sein. Klar, es wurden Releases nicht eingehalten, Fachmessen und Veranstaltungen fanden nicht statt – dafür hatten wir aber vielleicht sogar etwas mehr Zeit als sonst, die wir uns mit Computer- und Videospielen beschäftigen konnten. Es liegt ja auch in der hoffnungsvollen Natur der Menschen „das Beste aus einer Situation zu machen“. Als jemand, der bislang recht unbeschadet durch die Krise gegangen ist, hab ich aber vermutlich auch gut reden…

Doch genug davon. Nun soll es um das Gaming-Jahr 2020 gehen. Auch wenn vieles im Argen lag, es gab etliche großartige Errungenschaften für den Gaming-Bereich in diesem Jahr. Darunter zum Beispiel die Spiele, die ich nachfolgend vorstellen möchte. Abgesehen davon ist das Jahr 2020 mit Sicherheit auch das Jahr für mich, in dem das VR-Gaming so richtig salonfähig geworden ist. Dies liegt natürlich an vielen guten VR-Titeln, die in diesem Jahr erschienen sind (eines davon besprechen wir gleich), aber auch an dem Release des Facebook VR-Headsets Oculus Quest 2. Für mich der bislang fehlende Meilenstein in diesem Bereich, der nun endlich erreicht wurde. Ich persönlich halte die VR-Revolution sogar für wesentlich bedeutsamer als die neuen Next Gen-Konsolen, die zwar nun irgendwie da sind – mich aber bislang noch relativ kalt lassen.

Beinahe historisch ist mit Sicherheit auch die Wiederbelebung des Genres der Flugsimulatoren. Der Microsoft Flight Simulator 2020 ist eingeschlagen wie eine Bombe und hat ganz unverhofft den gesamten Markt der Joystick-Hersteller unter eine riesige Herausforderung gestellt – und vermutlich das Geschäftsjahr des Lebens verschafft (Hier findet ihr unser großes MFS2020 Joystick-Special). Wem die realistischen Flugstunden zu langsam oder aufwendig waren, der hatte spätestens mit Star Wars: Squadrons Gelegenheit, den Flugknüppel ordentlich zu quälen. Squadrons kam übrigens von Haus aus mit VR-Unterstützung, für den MFS2020 folgte diese nun nach (MFS2020 VR-Unterstützung). Für alle Freunde von Online-Shootern kam übrigens mit Population: One im Oktober ein richtiger VR-Kracher heraus.

Ansonsten geht vermutlich die Nintendo Switch als großer Konsolen-Sieger aus diesem Jahr hervor. Während die alten Hasen Xbox One und PlayStation 4 bereits an den Nagel gehängt wurden, gab es aber trotzdem für viele Menschen viel Zeit zu Hause zu überbrücken – da kam Nintendos Hybridkonsole gerade recht. Die Next Gens sind bislang in eher enttäuschend wenig Haushalten vertreten. Schielt man da auf die Nintendo Verkaufszahlen, könnte man sich fast fragen, ob Sony und Microsoft mit ihrer exklusiven Grafikpower nicht aufs falsche Pferd setzen – aber das wird sicherlich die Zeit zeigen.

Nun aber zu meinen persönlichen Spiele-Highlights. Ich habe bewusst drei Neuerscheinungen aus 2020 gewählt. Natürlich gab es neben den neuen Spielen auch ein paar persönlichen Evergreens, die immer wieder mal liefen, als Retro-Freund sind da auch alte Titel, die mal durch die heimischen vier Wände dudeln, und dann wären da ja auch noch die Spiele, die wir (natürlich nur rein) beruflich zocken… die drei benannten Spiele erwähne ich allerdings, weil sie für mich entweder einen Meilenstein in der Computer- und Videospielgeschichte markieren und/oder mich einfach extrem durch mein Spielejahr 2020 begleitet haben.

3. Half-Life: Alyx

Meine kleine Top-3-Liste startet mit einem großen Namen. Mit Alyx hat der Genre-Opa Half-Life in diesem Jahr nun endlich einen Nachfolger bekommen. Half-Life: Alyx erschien am 23. März 2020. Für viele war der Schock bestimmt groß, als klar wurde, dass es sich hierbei um ein VR-Spiel handeln würde. Der Anteil von VR-Gamern ist immer noch relativ klein. Dennoch hat sich Valve dazu entschieden, das Spiel als Zugpferd für die „neue“ Technik zu nutzen, hatte man Mitte 2019 doch mit der Valve Index bereits seine Ambitionen in diesem Bereich klargemacht.

Während VR in den vergangenen Jahren noch eine teure Spielerei mit rhrt unbedeutenden Spielen zu sein schien, erobern die Entwickler nun nach und nach den VR-Markt mit wirklichen tollen und umfangreichen Games. Eines davon ist Half-Life Alyx. Ein weiteres vollwertiges AAA-VR-Game: Darauf hatte die Welt gewartet. Natürlich haben zum Beispiel bereits Resident Evil 7 mit seiner VR-Unterstützung oder das VR-only RPG Asgard’s Wrath bewiesen, dass solch hochwertigen Games möglich sind. Mit einem neuen Half-Life Spiel hat sich Valve aber mit Sicherheit eines wirklich passenden Franchises für eine VR-Offensive bedient.

Half-Life Alyx ist eine derart intensive Erfahrung, dass man sich nach dem Spielen wirklich fragt, ob man jemals wieder „nur“ auf einem flachen Bildschirm wird zocken können. Das Gunplay fühlt sich für Shooter-Fans einfach richtig an, keine blöde Maus, die eine steife Egoperspektive verschiebt – in VR seid ihr selbst in der Spielwelt. Das ist eine völlig neue und gänzlich andere Erfahrung.

Das Spiel bekommt zu Recht sehr hohe Wertungen, für mich war es der Grund, in die Welt des VR-Gaming einzusteigen und ich bereue es nicht. VR ist für mich ganz klar die wirkliche Next Gen, da können sich Bildschirm basierte Systeme abstrampeln, wie sie wollen. Zum Glück ist Gaming so herrlich divers und darum gibt es ja Platz für alle Interessen – und das ist gut so.

Mehr über Virtual Reality erfahrt ihr hier: VR Gaming

2. Animal Crossing: New Horizons

Hätte ich nicht bereits eine Nintendo Switch besessen, das neue Animal Crossing wäre für mich ein Kaufgrund gewesen. Wie viele Stunden habe ich damals auf dem Nintendo DS doch noch in Animal Crossing: Wild World gesteckt – wie habe ich es geliebt! Als ich erfuhr, dass es nun bald ein Animal Crossing für die „neue“ Nintendo Konsole geben wird, da hatte ich bereits diese gewisse Vorahnung. Und ja, sie sollte sich voll und ganz am 20. März 2020 erfüllen. Animal Crossing: New Horizons ist für mich vermutlich DAS Spiel auf der Nintendo Switch neben Mario Kart 8 Deluxe und Zelda: Breath of the Wild. Es ist dieses eine Spiel, das man immer wieder anschmeißt.

Das hat natürlich einen ganz bestimmten Grund: Animal Crossing ist eine Lebenssimulation. Es ist Tamagotchi gepaart mit Sims + einen Niedlichkeitsfaktor von 1000. Noch dazu kommt dieses geschickte Gamedesign, welches dafür sorgt, dass ich ständig am Ball bleibe, meine Insel nicht vernachlässige und mich natürlich auf die vielen tollen Momente des Jahres freue. Und das ist vermutlich gleich der zweite Hauptgrund, warum das Spiel so toll funktioniert: kontinuierlich beglückt uns Nintendo mit neuen Inhalten. Animal Crossing ist sogar besonders darauf ausgelegt, uns das Jahr über zu begleiten. Es gibt nicht nur verschiedene Jahreszeiten, wir erleben etliche Feste, Veranstaltungen und noch vieles mehr wartet darauf, entdeckt zu werden.

Ich war jeden Tag auf meiner kleinen Insel, die ich liebevoll Kokolint getauft habe. Jeden Tag gab es meine mindestens 15 bis 30 Minuten Grind. Immer ein bisschen Arbeit, dafür gab es aber ständig neue Anreize und Belohnungen. Besser und vor allem motivierender als jedes Handygame mit ähnlichen Ansätzen, hat mich dieses Spiel immer wieder zurückgelockt. Und auch jetzt, zum Jahresende, weiß ich, dass ich meine Insel noch nicht verlassen möchte: Es gibt noch so viel zu entdecken und ich freue mich auf die neuen Inhalte, die Nintendo uns bereits für Animal Crossing: New Horizons angekündigt hat.

Mehr zum Spiel erfahrt ihr hier: Animal Crossing: New Horizons

1. Cyberpunk 2077

Innerhalb der Redaktion haben wir schon so viel über Cyberpunk 2077 gesprochen, ihr werdet das Spiel sicherlich auch in den ein oder anderen Top-3-Listen meiner Kollegen finden. Dennoch möchte ich hier kurz aufführen, weshalb Cyberpunk 2077 mein Game of the Year ist und meine Top-3-Liste anführt.

Auch wenn ich den Hype um das Spiel natürlich beruflich sehr umfangreich verfolgt habe, ich gehörte eher zu den Spielern, die relativ spät von dem neuen CD Projekt Red-Game angefixt waren. Ich habe es quasi „auf den letzten Drücker“ vorbestellt und habe demnach auch erst am Release-Tag meine physische Day 1 Edition in den Händen halten dürfen.

Natürlich habe ich zuvor bereits einige Spiele aus dem Hause CDPR gespielt, sogar vor dem großen Witcher 3-Hype – ein wirklich unglaubliches Spiel, welches für mich zusammen mit vermutlich Skyrim nach wie vor zu den besten Rollenspielen aller Zeiten gehört (Zelda: BOTW nicht zu vergessen). Ich habe mich sogar durch die ersten beiden Teile gearbeitet, die wahrlich noch nicht den Glanz von Wild Hunt besessen haben (meiner Meinung nach). Das neue Cyberpunk-Setting hätte mir eigentlich sofort in den Kram passen müssen, immerhin habe ich bereits vorher schon einige Erfahrung damit sammeln dürfen – Spiele wie Deus Ex und System Shock, das Pen-&-Paper-Rollenspiele Shadowrun, Cyberpunk 2020, die Neuromancer-Trilogie von William Gibson, Billy Idol – Cyberpunk, die Filme Blade Runner und Tron. Trotzdem brauchte es etwas, bis mich CDPR einfangen konnte. Mit jedem weiteren Screenshots, Trailer und dem ganzen Drumherum offenbarte sich mir eine mehr als stimmige Welt, die mein Interesse erweckte.

Nun weiß ich: Cyberpunk 2077 ist ein bedeutendes Spiel in der Historie der Computer- und Videospiele. Sei es die belebte Entwicklungsgeschichte, der exorbitante Hype oder einfach nur die große Kunst, die hinter dem Spiel steckt. Cyberpunk 2077 ist ein Titel von Bedeutung. Das schaffen nicht viele Spiele.

Ich habe mir zum Spiel für meine persönliche Sammlung gleich das offizielle Buch vom Verlag Piggyback dazugekauft. Wenn ich dieses beinahe 500-seitige Werk vor mir liegen sehe, das weitere Begleitmaterial, welches in der Day 1 Edition enthalten ist, die Soundtracks, die vielen Songs, die für das Spiel angefertigt worden sind, dann überkommt mich eine anerkennende Freude. Es zeigt, welch Liebe und Kunst in dieses Projekt gesteckt worden ist. Das beweisen auch die vielen Details, welche sich im Spiel wiederfinden lassen. Sicherlich gab es Spielwelten, in denen mehr Interaktionen möglich waren, man wird auch Vergleiche zu GTA-Titeln aufstellen können oder die Komplexität anderer Rollenspiele anführen können, dennoch wusste mich die Welt von Cyberpunk 2077 sofort in seinen Bann zu ziehen. Die dystopische Ästhetik Night Citys, die musikalische Untermalung und die ausgearbeiteten Charaktere machen einfach nur Freude.

Auf Anhieb könnte ich gleich mehrere Charaktere nennen, die ich in mein Herz geschlossen habe. Die interessant gehaltene Open-World mit all ihren Sandbox-Elementen hält mich auf Trab und sorgt für ordentlich Spielzeit, ohne mich dabei zu überfordern – der rote Faden ist deutlich ersichtlich. Gleiches gilt auch für die unterschiedlichen Spielmöglichkeiten, das Leveln, die Modifikationen und und und. Cyberpunk 2077 bietet viel, einiges davon lässt sich nicht mal in typischen Game-Specs messen. Das Spiel verschafft mir ein ganz besonderes Feeling, das mir gefällt.

Mir gefällt auch der aufgeschlossene, erwachsene Charakter von Cyberpunk 2077, hier gibt es zum Beispiel Themen wie Gewalt und Sexualität, da sie einfach zur Spielwelt dazugehören – sie werden aber nicht plakatiert oder gar zur Schau gestellt. Ich fühle mich vollkommen von dieser leicht düsteren Mischung abgeholt.

Bei all der gerechtfertigten Kritik am Publishing, an nicht eingehaltenen Versprechungen, den nicht spielbaren Konsolen-Varianten, Bugs, Glitches und und und – meiner Meinung darf man das grundsätzliche Werk dabei nicht vergessen. All die wirklich ärgerlichen technischen Probleme. ich kann nur davon ausgehen, dass man sie in den Griff bekommen wird. Das hätte von Anfang an so sein sollen, aber es ändert für mich nichts an dem, was Cyberpunk 2077 letztlich im Kern ist: eines der intensivsten RPGs, die ich bisher gespielt habe. Dafür hat ein riesiges Team Unmengen an Zeit und Herzblut investiert, das weiß ich sehr zu schätzen und freue mich darauf, wenn wir das Spiel objektiv beurteilen können und der ganze Anfangsärger vergessen ist.

Mehr zum Spiel erfahrt ihr hier: Cyberpunk 2077


Das waren meine Top-3-Spiele 2020, vielen Dank fürs Lesen!


So, unsere Redaktion hat jetzt abgestimmt. Über die letzten Tage habt ihr erfahren, welche Spiele wir 2020 am liebsten gespielt haben. Morgen ist es also Zeit für ein kleines Fazit. Wir werden schauen, ob es einen gemeinsamen Gaming-Grounds-Liebling gibt.

Welche Spiele hättet ihr in eure persönliche Top-3 Liste für 2020 genommen? Und warum? Sind es alles Titel, die erst dieses Jahr erschienen sind? Oder hattet ihr auch mit älteren Spielen viel Spaß?
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Welches sind eure Top-3 Games 2020?x